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Ministerpräsident Stoiber an der UBT

29.05.1998 - (idw) Universität Bayreuth

Medienmitteilung
Nr. 39/98
28. Mai 1998

Besuch von Ministerpräsident Stoiber

Präsident Prof. Ruppert: Zum FAN-Betrieb
sind noch weitere Ressourcen notwendig

Stoiber: Schwerpunkt materialwissenschaftlicher Forschung in Nordbayern

Bayreuth (UBT). Die Hoffnung, daß im Freistaat Bayern diejenigen Universitäten, die sehr gute Arbeit leisten, auch vorrangig bei der Zuteilung zusätzlicher Ressourcen an Mitteln und Stellen berücksichtigt werden, hat Bayreuths Universitätspräsident Professor Dr. Dr. h. c. Helmut Ruppert heute beim Informationsbesuch des Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber an seiner Hochschule geäußert. Ein zukunftsorientierter Umbau an kleinen Universitäten mit begrenzten Ressourcen sei nur in einem gesellschaftlichen und politischen Umfeld möglich, das Leistungsmaßstäbe setze und Leistung honoriere, sagte Ruppert.
Im Hinblick auf die Fakultät für Angewandte Naturwissenschaften (FAN), die derzeit an der oberfränkischen Hochschule zum größten Teil aus Privatisierungserlösen im Rahmen des Programms "Offensive Zukunft Bayern" realisiert wird und zum kommenden Wintersemester mit einem neuartigen Diplom-Ingenieur-Studiengang Materialwissenschaft und ein Jahr später mit einem für Umwelttechnik beginnen will, sagte Ruppert weiter, unter großen Schwierigkeiten sei es gelungen, zwei Lehrstühle aus der Physik und der Ökologie in Lehrstühle für die FAN innerhalb der Universität Bayreuth umzuwandeln. Der Freistaat Bayern habe in diesem Haushaltsjahr zwar fünf Professorenstellen für die neue Fakultät zur Verfügung gestellt, doch zum Betrieb der neuen Fakultät sei der weitere Ausbau bestehender Lehrstühle, besonders der für polymere Werkstoffe sowie die Neueinrichtung sechs weiterer Lehrstühle dringend notwendig.
Der Bayreuther Universitätspräsident verwies darauf, daß die FAN in erheblichem Umfang auch der wirtschaftlichen Entwicklung Nordostbayerns diene. "Wir sind gewillt, einen umfangreichen Wissenstransfer von der Universität in die Wirtschaft durchzuführen. Es kann keinen Gegensatz von Wirtschaft und Wissenschaft geben, sondern es muß eine Kooperation und ein Aufbau auf der Basis von bisherigen Erfahrungen in verschiedenen Feldern erfolgen", betonte Professor Ruppert. Die Universität Bayreuth sei von ihren grundlagenorientierten Disziplinen in den anwendungsorientierten Bereich vorgestoßen und damit auch zu einem Innovationsmotor für die Wirtschaft geworden. Umgekehrt werde sie aus der Wirtschaft viele angewandte Fragestellungen erhalten, die die Arbeit an der Hochschule befruchte und gleichzeitig bessere Startchancen für die Studierenden bieten würden, prognostizierte der Bayreuther Universitätspräsident.
Der Bayerische Ministerpräsident, der zuvor die FAN-Baustelle besichtigt hatte, bekräftigte, er werde sich auch künftig dafür einsetzen, daß die "Bemühungen der Hochschule unterstützt und die für den Ausbau erforderlichen Stellen im Doppelhaushalt des Freistaates für 1999/2000 zur Verfügung gestellt werden". Man könne nur hoffen, daß sich der wirtschaftliche Aufschwung fortsetze, weil der Freistaat dann bei den nötigen Ressourcen - FAN-Gründungsdekan Professor Franz Mayinger nannte noch 100 Stellen als notwendig - sicherlich mehr leisten kann", sagte Dr. Stoiber.
Ziel des Mitteleinsatzes in Bayreuth sei nicht nur eine Abrundung der naturwissenschaftlichen Grundlagendisziplinen. Auch werde die Ingenieurausbildung "an den aktuellen Anforderungen der Zukunft" ausgerichtet. Stoiber: "Zusammen mit den Lehr- und Forschungsvorhaben der Universität Erlangen-Nürnberg wird so im nordbayerischen Raum ein beeindruckender Schwerpunkt materialwissenschaftlicher Forschung gesetzt". Eine engere Verzahnung zwischen angewandter Naturwissenschaft an den Hochschulen und dem Bedarf der regionalen Wirtschaft werde möglich. Damit werde eine wichtige Grundlage für eine fruchtbare Vernetzung von Wissenschaft und Praxis gelegt.
Stoiber verwies darauf, daß über das Innovationsprogramm "Offensive Zukunft Bayern" rund 1,7 Milliarden DM in den Bereich der Bildung und Forschung flössen, was wegen der unzureichenden Bundesmittel für den Hochschulbau beispielsweise auch die Vorfinanzierung der Baumaßnahmen in Bayreuth ermöglichte. In drei Wissenschaftsschwerpunkten, nämlich der Biotechnologie, der Informations- und Kommunikationstechnologie sowie bei den Materialwissenschaften "wird sich unsere Zukunft entscheiden", sagte der bayerische Regierungschef. Es gelte, nicht nur mit den Wissenschaften in europäischen Ländern mitzuhalten, wo große Anstrengungen unternommen würden. "Wir wollen ja vornbleiben", rechtfertigte Stoiber den Mitteleinsatz.
Der Ministerpräsident wies weiter darauf hin, daß Wissen neben Kapital der entscheidende Entwicklungsfaktor an der Schwelle zum nächsten Jahrtausend sei. Bayern stelle sich dieser Herausforderung, sagte Stoiber. Dem Rückgang bei den Studenten um 11% stehe eine Zunahme der Haushaltsmittel um 20% gegenüber. Per Saldo studierten in Bayern 25.000 junge Leute aus anderen Bundesländern mehr als bayerische Studenten in anderen Bundesländern.
FAN-Gründungsdekan Professor Dr.-Ing. Dr.-Ing. e. h. Franz Mayinger wies darauf hin, daß die deutsche Grundlagenforschung nach wie vor zur Weltspitze gehöre, dies jedoch nicht für die Umsetzung ihrer Ergebnisse und Erkenntnisse in die Praxis und damit in die Wirtschaft gelte. Ein allererster Transfer von Ideen und neuen Erkenntnissen müsse bereits über die Brücke von Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften gehen. Von jungen Ingenieuren würden heute wesentlich umfangreichere und tiefer in die Naturwissenschaften greifendes Grundlagenwissen gefordert, als dies noch vor Generationen von Universitätsabsolventen erwartet wurde. Die zunehmende Komplexität technischer Systeme erfordere zudem zwingend die fachübergreifende Ausbildung, wie sie in den beiden für jeweils 250 Studenten vorgesehenen FAN-Studiengängen realisiert würden. Man können deshalb in Zukunft der Wirtschaft junge Arbeitskräfte bieten, die das nötige Systemverständnis mitbringen und in der Lage sind, hochkomplexe, in der Forschung in verschiedenen Disziplinen angesiedelte Produkte zu entwickeln und zu fertigen, die erfolgreich am Markt bestehen können.
Professor Mayinger, der an der TU München den Lehrstuhl für Thermodynamik inne hat, wies auf einige Besonderheiten hin, in denen sich die neuen Bayreuther Studiengänge von bestehenden ingenieurwissenschaftlichen Fakultäten unterscheiden: Die Studenten hätten die Möglichkeit, aus verschiedenen Studienangeboten individuell eigene Schwerpunkte in der Ausbildung festzulegen. Im Rahmen einer fakultätsübergreifenden Projektarbeit würden sie in die Thematik "Technologie - Projektmanagement" eingeführt, wobei ihnen neben fachübergreifendem Denken Arbeitstechniken für wirtschaftliches Umsetzen und Teamfähigkeit vermittelt werden. Weiter könnten Inhaber eines ausländischen Bachelor-Degrees unmittelbar in das 7. Fachsemester einsteigen, nach einer einjährigen materialwissenschaftlichen Spezialisierung den zweiten Abschnitt der Hauptdiplomprüfung ablegen und schließlich das deutsche Diplom erwerben. Schließlich würden die Studenten bereits vor dem Vorexamen einen Lehrveranstaltungsblock aus gesellschaftlichen und ökonomischen Grundlagen absolvieren.
Auch der Gründungsdekan wies eindringlich darauf hin, daß im Doppelhaushalt 1999/2000 des Freistaates weitere sechs neue Lehrstühle und insgesamt etwa 100 Stellen für die FAN bereitgestellt werden müßten. Ohne diese Lehrstühle könne die neue Fakultät die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. "Sie kann den Innovationsschub, der von ihr auf die Region und weit darüber hinaus erwartet wird, sonst nicht leisten", sagte Professor Mayinger.
Bayreuths Oberbürgermeister Dr. Dieter Mronz unterstrich, daß die Stadt im Rahmen ihrer kommunalen Möglichkeiten wie bisher unterstützend tätig werden wolle. Angedacht sei, Absolventen für Existenzgründungen Grundstücke kostenlos zu überlassen.

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