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Karlsruher Professor erfindet Ammoniak-Generator

03.06.1998 - (idw) Universität Fridericiana Karlsruhe (T.H.)

Nr.056 / 03. Juni 1998 weis

Karlsruher Professor erfindet Ammoniak-Generator
"Schadstoffärmster Dieselbus der Welt" damit ausgerüstet/
Umweltpreis durch BDI-Präsident Henkel verliehen

Der Karlsruher Werner Weisweiler, Professor an der Universität Karlsruhe, entwickelte ein Aggregat so groß wie ein Feuerlöscher, das Ammoniak-Gas nach Bedarf liefert.

Schon seit 15 Jahren beschäftigt sich der Professor und seine Arbeitsgruppe am Institut für Chemische Technik mit der Reinigung von Abgasen aus Dieselmotoren jeder Art. Dabei hat er es speziell auf die im Abgas enthaltenen giftige Stickoxide abgesehen. "Gleich mehrere Methoden zur Entfernung von Stickoxiden untersuchen wir nach wissenschaftlichen Grundsätzen, aber bei Nutzfahrzeugen und beim modernen Pkw-Diesel haben nur solche Lösungen Chancen, die Stickoxide in Stickstoff umwandeln", so Weisweiler. Das klappt nur an speziellen Katalysatoren. Freilich werden Diesel bereits heute schon mit sogenannten Oxi-Kats ausgerüstet, welche die ebenfalls im Abgas vorhandenen Schadstoffe Kohlenmonoxid und Kohlenwasserstoffe durch Oxidation effizient entfernen. Gegen Stickoxide gibt es dagegen serienmäßig noch kein nachgeschaltetes Katalysatorsystem zu kaufen.

"Bei der Reinigung der enormen Abgasmengen aus unseren Kraftwerken hat sich die SCR-Technik bestens bewährt. Die Stickoxide werden hier mit dem Reduktionsmittel Ammoniak zu Stickstoff und Wasser umgesetzt", argumentiert der Professor. Im mobilen Diesel darf aber aus Sicherheitsgründen das Ammoniak-Gas nicht mitgeführt werden. Genau hier setzt die Erfindung des Karlsruhers ein: Genau die für den Betrieb nötige Ammoniak-Menge wird aus der ungiftigen Substanz Ammoniumcarbamat erzeugt. Ein Druckbehälter im Fahrzeug enthält dieses weiße Pulver, bekannt als Backpulver-Bestandteil.

Vom Stuttgarter Umweltministerium wurde die Entwicklung im Labor über die Projekte Europäische Forschung (PEF) gefördert.

Die praktische Erprobung hat die westfälische Firma HJS-Fahrzeugtechnik übernommen. Ihr bekannter CRT-Rußfilter wird nun mit einer Stickoxid-Abgasreinigung kombiniert, wobei die Erfindung des Professors das dazu benötigte Ammoniak-Gas liefert. Die Felderprobung hat HJS an einem Mercedes-Benz-Stadtbus der Paderborner Verkehrsbetriebe durchgeführt. Die dabei erzielte Entfernung von 90% der Rußpartikel und über 75% der Stickoxide wurden beim Nahverkehrsforum im März dieses Jahres als großer Erfolg gefeiert. Etwa 6 kg des weißen Pulvers werden auf 1 000 km Fahrstrecke vom Bus verbraucht. Ein Diesel-Pkw schafft bis zur Nachfüllung sogar 15 000km, gerade ein Ölwechsel-Intervall.

Mit dem Serieneinsatz für Stadtbusse ist ab dem Jahr 2000 zu rechnen, schwefelarmen Kraftstoff vorausgesetzt. "Damit werden die vom Gesetzgeber ab 1999 geforderten strengen Grenzwerte nach EURO III locker erfüllt", freut sich Prof. Weisweiler, "und Vorteile gegenüber einem ebenfalls in Entwicklung stehenden Konkurrenzverfahren bestehen allemal. Dort wird nämlich auf wäßrige Harnstofflösung als Ammoniak-Lieferant gesetzt und die ist nicht wintertauglich und teurer obendrein.

Mitte Mai dieses Jahres wurden anläßlich der ENTSORGA im Kölner Congress-Centrum die Umweltschutzpreise für die Industrie 1997/98 vergeben. Hans Olaf Henkel, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und Dr. Angela Merkel, Bundesministerin für Umwelt, zeichneten im Bereich "Umweltfreundliche Technologien" dieses neuartige Verfahren "Simultane Abscheidung von Partikeln und Stickstoffoxiden aus den Abgasen von Dieselmotoren nach dem CRT-Verfahren" mit dem Umweltschutzpreis aus.

Photo:

Professor Dr. Werner Weisweiler mit Katalysator für Omnibusse: Ammoniak aus Carbamat contra Stickoxide in Dieselabgasen.
Auf Wunsch ist dieses Photo (schwarz-weiß) bei der Pressestelle als original erhältlich.

Nähere Informationen: Prof. Dr. Werner Weisweiler
Institut für Chemische Technik
Tel. 0721/608-3192

Diese Presseinformation ist auch im Internet unter folgender Adresse abrufbar:
http://www.uni-karlsruhe.de/~presse/Pressestelle/pi056html
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