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Hochschultag am 17. Juni zum Thema Arbeitslosigkeit

05.06.1998 - (idw) Universität Bielefeld

Hochschultag am 17. Juni zum Thema Arbeitslosigkeit

Merkwürdigerweise wurde in Zeiten, als die Arbeitslosigkeit sich noch längst nicht so katastrophal entwickelt hatte, viel intensiver über dieses Phänomen geforscht als heute. Ratlosigkeit und Kapitulation der Wissenschaft vor der Übermächtigkeit der Verhältnisse?
Weder die Personalräte noch der Sprecherrat der wissenschaftlichen Mitarbeiter oder der Allgemeine Studentenausschuß (AStA) der Universität Bielefeld wollten sich damit zufrieden geben. Mit einem Dies academicus sollte das Thema, über das soviel geredet wird, intensiv und in öffentlichkeitswirksamer Form in die Universität (zurück-)geholt werden. Der Senat begrüßte diese Initiative und beschloß einen solchen Veranstaltungstag zur Arbeitslosigkeit für den 17. Juni. Neben der wissenschaftsinternen Anregung, die sich beispielsweise in einer Ringvorlesung zum Thema fortsetzen könnte, hoffen die Universitätsmitglieder auch, den einen oder anderen Diskussionsimpuls in die Region geben zu können. Das Interesse von außen ist bisher erfreulich groß: Kooperationen gibt es mit dem Hochschulteam des Arbeitsamtes, Arbeitsloseninitiativen und dem Evangelischen Kirchenkreis. Unterstützung kam unter anderen von der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen, und finanziell engagierte sich dankenswerterweise einmal mehr die Westfälisch-Lippische Unversitätsgesellschaft.
Die Arbeitsgruppen des Vormittags decken zum Teil unter Beteiligung auswärtiger Referenten ein breites Themenspektrum ab. "Studieren für die Arbeitslosigkeit?" fragt ein Workshop des AStA. Hier soll es um den (fehlenden?) Zusammenhang zwischen Qualifikationserwartungen des Arbeitsmarktes und Bedürfnissen der Studierenden in ihrer Ausbildung gehen. Dazu sind der Prorektor für Lehre der Universität, Prof. Dr. Dieter Timmermann, und der Ansprechpartner für Arbeitsmarktfragen beim Hochschulteam des Arbeitsamtes, Dr. Hans-Jürgen Füllgrabe, eingeladen. Mit individuellen Folgen der Arbeitslosigkeit, nicht zuletzt dem Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit, befaßt sich eine Arbeitsgemeinschaft der Gesundheitswissenschaftler Prof. Ulrich Laaser und Dr. Paul Wolters. Hier werden Dr. Gerhard Genin, Gesundheitsamt Bielefeld, und Dr. Uwe Helmert, Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen, referieren. Als Folgen der Arbeitslosigkeit lassen sich (nicht nur in den neuen Bundesländern) deutliche gesellschaftliche Desintegrationsprozesse beobachten, die vor allem Jugendliche betreffen. Eine vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung organisierte Arbeitsgemeinschaft wird die Lage analysieren und dabei auch der Frage nachgehen, inwieweit die Debatte um die öffentliche Sicherheit vom Problem der Arbeitslosigkeit ablenkt oder auch ablenken soll. Über die Ursachen der Arbeitslosigkeit und deren Bekämpfung existieren jede Menge Theorien. In der von Thomas Siwik veranstalteten Arbeitsgemeinschaft werden die Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Volker Böhm, Prof. Dr. Peter Flaschel und Prof. Dr. Werner Glastetter in Kurzreferaten versuchen, etwas mehr Licht ins Dunkel zu bringen und das Thema mit dem Publikum kontrovers zu diskutieren. Die Arbeitsgemeinschaft "Förderung von Wissenschaftlerinnen" der Frauengleichstellungskommission hat die Beauftragte für Frauenbelange beim Landesarbeitsamt NRW, Inke Böhrnsen, eingeladen, die über die Chancen von Frauen in einem sich umstrukturierenden Arbeitsmarkt referieren wird.
In einer "Zukunftswerkstatt" mit dem Titel "Utopie Arbeit", organisiert von Veronika Schmidt-Lentzen (Dezernat II), wird es um Arbeitszeitmodelle und nicht zuletzt die Frage gehen, ob der Gesellschaft möglicherweise die Arbeit ausgeht. Dabei werden Ralf Borcherding, Geschäftsführer der Fr. Jacob Söhne GmbH & Co. Porta Westfalica, und Gerhard Keller, Leiter Personal- und Sozialwesen der Storck Service GmbH Halle, Arbeitszeitmodelle ihrer Firmen vorstellen.
Ganz konkrete Probleme aus dem Haus behandelt der Workshop "Zweiter Arbeitsmarkt und Universität Bielefeld als Arbeitgeberin". Die Vorsitzende des Personalrats, Gerlinde Günther-Boemke, hat dazu den Personaldezernenten der Universität, Hans-Jürgen Simm, eingeladen. Hier soll über die seit Januar 1998 geltenden neuen gesetzlichen Grundlagen der Arbeitsförderung informiert und darüber nachgedacht werden, wie die Universität trotz erheblich verschlechterter Rahmenbedingungen als Arbeitgeberin mit Hilfe des Arbeitsamtes wieder in die Arbeitsförderung einbezogen werden kann.
Vorträge auswärtiger Experten werden im Hörsaal 1 der Universität Bielefeld das Nachmittagsprogramm interessant gestalten: Um 14.15 Uhr spricht Dr. Werner Efing, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes OWL zu "Arbeitslosigkeit aus dem Blickwinkel der regionalen Wirtschaft", um 15.30 Uhr folgt der Vortrag von Prof. Dr. Peter Grottian, FU Berlin, "Die Halbierung der Arbeitslosigkeit aber mit einer anderen Logik und einer Jugendrevolte?", und um 16.45 Uhr referiert Dr. Ulich Walwei, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Nürnberg, über "`Jobwunder-Länder' USA, Grosbritannien, Niederlande, Dänemark was steckt dahinter?".
Die den Hochschultag abschließende Talkrunde soll keine trockene Podiumsdiskussion sein, sondern findet in Form einer "Fishbowl" statt, die reichlich Raum für Beteiligung des Publikums bietet. Hier sollen unter Moderation von Ingeborg Haffert vom WDR Köln die großen Themen des Tages noch einmal reflektiert werden. Die Unihalle wird an diesem Tag zu einem "Arbeitsmarkt" umfunktioniert, auf dem Organisationen und Initiativen die Möglichkeit haben, über ihre Arbeit und zu unterschiedlichen Aspekten des Tagesthemas zu informieren.
Am Dies academicus, der vom Rektor der Universität Bielefeld, Prof. Dr. Gert Rickheit, um 8.45 Uhr im Hörsaal 1 eröffnet wird, finden keine regulären Lehrveranstaltungen statt.
Weitere Informationen unter: http://www.uni-bielefeld/presse/term/dies.htm

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