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Brüder-Grimm-Gastprofessur 1998 an Herta Müller

10.06.1998 - (idw) Universität Kassel

Kassel. Die Brüder-Grimm-Professur für das Sommersemester 1998 hat die Universität Gesamthochschule Kassel (GhK) an die Schriftstellerin und Essayistin Herta Müller vergeben. Sie schließt sich damit an zahlreiche Auszeichnungen an, die Herta Müller zuteil wurden, seitdem sie mit ihrem, in Bukarest zuerst veröffentlichten, Prosaband "Niederungen", 1984 die literarische Öffentlichkeit in der Bundesrepublik auf sich aufmerksam gemacht hatte. In rascher Folge folgten Werke wie "Drückender Tango", 1984, "Reisende auf einem Bein", 1989, "Barfüßiger Februar", 1990, "Der Fuchs war damals schon der Jäger", 1992, und im Jahr 1995 der Roman "Herztier" sowie die Essaysammlung "Hunger und Seide". Unter den vielen Ehrungen befinden sich so bedeutende wie der Ricarda-Huch-Preis, die Roswitha-von-Gandersheim-Gedenkmedallie, der Kleist-Preis, der Europäische Literaturpreis Aristeion, und kürzlich ist sie mit dem Ida-Dehmel-Literaturpreis ausgezeichnet worden.

Herta Müller wurde 1953 in Nitzkydorf/Rumänien geboren, studierte von 1972 bis 1976 Germanistik und Romanistik an der Universität von Temeschwar. Nachdem sie zunächst als Übersetzerin und Deutschlehrerin gearbeitet hatte, wurde sie aufgrund ihrer Weigerung, mit der Geheimpolizei "Securitate" zusammenzuarbeiten, aus dem Schuldienst entlassen. Seitdem arbeitete sie als freie Schriftstellerin. Doch wegen ihrer Kritik am rumänischen Ceausescu-Regime war sie 1984 mit Arbeits- und Publikationsverbot belegt worden. Im März 1987 übersiedelte sie mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Richard Wagner, in die Bundesrepublik Deutschland.

Herta Müller, die als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen der Gegenwart gilt, lebt und arbeitet in Berlin. Sie ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Die Kasseler Universität will mit der Verleihung der Brüder-Grimm-Professur zum lebendigen Austausch zwischen Literaturwissenschaft und Gegenwartsliteratur beitragen und insbesondere dem Schreiben in den Grenzbereichen zwischen den literarischen Gattungen ein öffentliches Forum verschaffen. Mit der Benennung verweist die GhK auf die weltweit renommierten nordhessichen Begründer der Germanistik und engagierten Demokraten, die Brüder Grimm, die ein vielgestaltiges Werk vorlegten, das literarische Produktion mit literatur- und geschichtswissenschaftlicher Forschung auf einzigartige Weise miteinander verbunden hat. Inhaber der von der Kasseler Sparkasse geförderten Gastprofessur waren Dieter Kühn, Tankred Dorst, Hans-Joachim Schädlich, Klaus Happrecht, Oskar Pastior, Guntram Vesper und zuletzt, im Wintersemester 1995/96, Sarah Kirsch.

Im Rahmen der Brüder-Grimm-Gastprofessur wird Herta Müller eine zweiteilige Poetik-Vorlesung mit dem Titel "Der fremde Blick oder Das Leben ist ein Furz in der Laterne", am 24. und 25. Juni, jeweils 19.00 Uhr, im Eulensaal der Murhardschen Bibliothek, Brüder-Grimm-Platz 4a, halten. Am Nachmittag des 26. Juni bietet sie einen Workshop in Verbindung mit dem Fachbereich Germanistik der GhK von 15.00-17.00 Uhr im Eulensaal an und abends um 19.00 Uhr wird sie im Eulensaal aus ihren Werken lesen.
Peer Schröder/p.
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