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DFG richtet 32 neue Graduiertenkollegs ein - Erstmals ein "virtuelles Kolleg"

16.04.1998 - (idw) Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat jetzt die Einrichtung von 32 neuen Graduiertenkollegs beschlossen. Seit 1990 fördert die DFG in diesem Programm besonders qualifizierte Doktoranden in allen wissenschaftlichen Disziplinen, von den Natur- und Geisteswissenschaften bis zu en Bio- und Ingenieurwissenschaften. Der zuständige Bewilligungsausschuß wählte die 32 Kollegs aus insgesamt 90 Anträgen aus. Erstmalig richtet die DFG ein sogenanntes "virtuelles" Graduiertenkolleg ein, in dem unter psychologischen Aspekten untersucht wird, wie der Wissenserwerb und -austausch mit neuen Medien - insbesondere
mit dem Internet - vonstatten geht. Dieses Kolleg ist an verschiedenen Orten in mehreren Bundesländern verankert: Hochschullehrer und Doktoranden an den Universitäten Tübingen, Heidelberg, Freiburg, Saarbrücken und Greifswald stehen durch das Internet miteinander im Austausch. Sie arbeiten mit speziell für dieses Medium konzipierten Lehr- und Diskussionsveranstaltungen.

In Karlsruhe beschäftigt sich ein neues Graduiertenkolleg aus dem Bereich Naturwissenschaften mit dem Thema Naturkatastrophen. Fächerübergreifend arbeiten Ingenieure, Wirtschaftswissenschaftler und Informatiker zusammen. Die Doktoranden erarbeiten sich Kenntnisse über Erdbeben, Hochwasser und andere Katastrophen, erlernen Methoden aus Mathematik und Informatik und befassen sich mit den ökonomischen Auswirkungen von Katastrophen und Lösungsansätzen zu ihrer Bewältigung. Zuckerbausteine auf Zelloberflächen, sogenannte Glycokonjugate, interessieren Chemiker, Biologen und Mediziner in einem neuen biowissenschaftlichen Graduiertenkolleg in Hamburg. Schwerpunkte des interdisziplinär angelegten Projektes sind die Synthese, Analyse, Struktur und Funktion solcher biochemisch aktiver Substanzen. Regenerative Energiequellen untersucht ein neues ingenieurwissenschaftliches Graduiertenkolleg in Chemnitz. Dem Energiemanagement und der Nutzung von Wind- und Sonnenenergie gilt das Hauptaugenmerk des Forschungsprogramms.

Mit dem künstlerischen Schaffensprozeß wird sich ein neues Graduiertenkolleg in Berlin auseinandersetzen, das im Fachbereich Geisteswissenschaften eingerichtet wurde. Es ist das erste Kolleg an einer Hochschule der Künste. In diesem Programm werden Kunst-, Musik-, Erziehungs- und Literaturwissenschaftler die Produktion von Kunstwerken und die Arbeitsweise von Künstlern fachlich ergründen. In Graduiertenkollegs arbeiten 15 bis 25 Doktoranden in einem innovativen und meist interdisziplinären Forschungs- und Studienprogramm unter der Anleitung einer Gruppe von Professoren, die in Forschung und Lehre ausgewiesen sind.
Etwa die Hälfte der Studenten erhält Stipendien der DFG aus Bundes- und Ländermitteln, die übrigen werden durch die Hochschule finanziert. Derzeit bereiten sich in Graduiertenkollegs rund zehn Prozent aller Doktoranden in Deutschland auf ihre Promotion vor. Absolventen von Graduiertenkollegs sind in der Regel umfassender qualifiziert und durchschnittlich zwei Jahre jünger als ihre Studienkollegen. Die Gesamtzahl der Graduiertenkollegs steigt mit 330 kurzfristig über den angestrebten Zielwert von 300. Damit soll eine Förderungslücke verhindert werden, denn im kommenden Jahr werden rund fünfzig der auf eine Laufzeit von neun Jahren begrenzten Programme auslaufen. Die neuen Graduiertenkollegs im einzelnen:

Biowissenschaften
"Knochensubstanz und Strukturverlust: Integration von Zellfunktion, Biomechanik, Klinik und Therapie", Hamburg
"Biochemie der Enzyme", Freiburg
"Diagnostische und therapeutische Konzepte in der molekularen Medizin", Ulm
"Glycoconjugate: Darstellung, Analyse, Struktur und Funktion", Hamburg
"Signalsysteme und Genexpression in entwicklungsbiologischen Modellsystemen", Heidelberg
"Molekulare Veterinärmedizin", Gießen
"Vaskuläre Biologie", München "Evolutive Transformationen und Faunenschnitte", HU Berlin

Geisteswissenschaften
"Gerontologie in der Psychologie und Psychiatrie: Psychische Potentiale und Grenzen im Alter", FU Berlin
"Wissensfelder der Neuzeit. Entstehung und Aufbau der
europäischen Informationskultur", Augsburg
"Praxis und Theorie des künstlerischen Schaffensprozesses", Hochschule der Künste, Berlin
"Wissenserwerb und Wissensaustausch mit neuen Medien", Tübingen
"Anatolien und seine Nachbarn. Kulturelle Wechselwirkungen und Zivilisationsentwicklung vom Neolithikum bis in die römische Kaiserzeit", Tübingen "Zeiterfahrung und ästhetische Wahrnehmung", Frankfurt/Main
"Vormoderne Konzepte von Zeit und Vergangenheit", Köln
"Umwelt- und Ressourcenökonomik", Heidelberg "Recht und Ökonomik, neue Formen privatwirtschaftlicher Kooperation und zivilrechtlicher Haftung", Universität Hamburg
"Paläoökosystemforschung und Geschichte", Regensburg
"Reiseliteratur und Kulturanthropologie", Paderborn

Ingenieurwissenschaften
"Wissenspräsentation", Leipzig
"Wechselwirkung von Struktur und Fluid", Braunschweig "Energiebereitstellung aus regenerativen Energiequellen", Chemnitz
"Verarbeitung, Verwaltung, Darstellung und Transfer multimedialer Daten - technische Grundlagen und gesellschaftliche Implikationen", Rostock
"Infrastruktur für den elektronischen Markt", Darmstadt
"Optische Meßmethoden in den Ingenieurwissenschaften", Bochum

Naturwissenschaften
"Methoden der asymmetrischen Synthese (Synthese, Spektroskopie und Dynamik beim Aufbau optisch aktiver Moleküle)", Aachen "Das Relief - eine strukturierte und veränderliche Grenzfläche", Bonn "Naturkatastrophen", Karlsruhe

"Angewandte Algorithmische Mathematik", TU München
"Chemie in Interphasen - Synthese, Dynamik und Anwendung polymerfixierter Reaktionszentren", Tübingen
"Moderne Methoden der magnetischen Resonanz in der Materialforschung", Stuttgart
"Erhaltungsprinzipien in der Modellierung und Simulation mariner, atmosphärischer und technischer Systeme", Universität Hamburg

Nähere Informationen erteilt Ihnen Dr. Robert Paul Königs (Leiter des Referates Graduiertenkollegs), Deutsche Forschungsgemeinschaft, Kennedyallee 40, 53175
Bonn, Telefon: 0228/885-2424,
e-mail: koenigs@iiigk.dfg.d400.de.
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