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Zentrale Fragen der bioethischen Diskussion - DFG bewilligt 14 interdisziplinäre Forschungsprojekte

18.06.1998 - (idw) Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Der Hauptausschuß der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat in seiner gestrigen Sitzung 14 Anträge im Rahmen der Förderinitiative "Bioethik" mit einer Gesamtsumme von knapp 3,1 Millionen DM bewilligt. Die bewilligten Projekte befassen sich mit Themen wie dem Gesundheitsbegriff, dem Selbstverständnis der Bioethik und ihrer öffentlichen Rolle, der Frage der Selektion aufgrund genetischer Diagnostik, altersbezogenen Rationierungen von Gesundheitsleistungen im liberalen Rechtsstaat, neuen Perspektiven der Transplantationsmedizin, den Rahmenbedingungen passiver Sterbehilfe, den Fragen der Klonierung beim Menschen, Kriterien einer gerechten Organverteilung bis hin zu empirischen Untersuchungen zur Einwilligungsfähigkeit bei psychisch Kranken. Die 14 Projekte greifen damit zentrale Fragestellungen der aktuellen bioethischen Diskussion auf, arbeiten alle inter- oder multidisziplinär, teilweise unter Rückgriff auf schon bewährte Kooperationen und bestehende internationale Kontakte.

Die jetzt bewilligten Vorhaben sind Teil einer gemeinsamen, auf fünf Jahre angelegten Förderinitiative der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF), die zum einen darauf zielt, die teils öffentlich, teils wissenschaftlich geführte Debatte zur "Bioethik" auf eine bessere Informationsgrundlage zu stellen und sie zum anderen stärker auf die Forschungsentwicklung der beteiligten Disziplinen und deren Interaktion zu beziehen. Hintergrund ist die Erkenntnis, daß Diskussionen im Bereich der sogenannten "Bioethik", also der ethischen Implikationen der Anwendung naturwissenschaftlichen und medizinischen Wissens auf Pflanze, Tier und Mensch, in Deutschland stärker als in anderen Ländern von Angst und Irrationalität geprägt sind. Die DFG und das BMBF wollen den Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit in diesen Fragen versachlichen, das interdisziplinäre Gespräch befördern und die Ausbildung professioneller Standards für eine bioethische Fachkultur fördern.

Die Initiative ist zweigeteilt: Zur Verbesserung der Infrastruktur wird ein in Deutschland bislang fehlendes Referenzzentrum zu Informations- und Dokumentationszwecken in diesem Gebiet eingerichtet. Aufgrund einer Empfehlung der Gutachtergruppe der DFG wird dieses Zentrum in Bonn angesiedelt. Die Finanzierung von bis zu einer Million Mark pro Jahr für die Dauer von fünf Jahren übernimmt das BMBF.

Die DFG stellt für einzelne Forschungsprojekte und deren Kooperation über den Zeitraum von fünf Jahren Mittel in einer Größenordnung von 1,5 Millionen DM pro Jahr zur Verfügung. Die jetzt bewilligten Anträge werden zunächst für die Dauer von zwei Jahren gefördert.

Die Entscheidungen über das Referenzzentrum sowie über die Projektanträge wurden von einer international besetzten Gutachtergruppe unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Volker Gerhardt, Philosophie, Humboldt-Universität zu Berlin, gefällt, der folgende weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler angehörten: Professor Dr. Rudolf Bayer, Informatik, TU München, Prof. Dr. Klaus Demmer, Katholische Theologie, Pontifica Università Gregoriana Rom, Prof. Dr. Volker Diehl, Innere Medizin, Universitätsklinik Köln, Prof. Dr. Peter Neuhaus, Chirurgische Klinik Charité Berlin, Frau Prof. Dr. Onora O'Neill, Philosophie, Newnham College Cambridge, Prof. Dr. Richard Schröder, Evangelische Theologie, Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Dr. Herman Van den Berghe, Center for Human Genetics, University of Leuven (Belgien), und Frau Prof. Dr. Gabriele Wolfslast, Juristische Fakultät, Universität Rostock.

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