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Klinikum Essen: Mutter spendete Teil ihrer Leber fuer ihren Sohn

27.07.1998 - (idw) Universität Essen (bis 31.12.2002)

Nach Hamburg ist das Essener Universitätsklinikum der zweite Standort in Deutschland, an dem Splitleber-Transplantationen vorgenommen werden koenn. Lebende Spender geben einen Teil ihrer Leber fuer kranke Kinder.

169/98
27. Juli 1998

Am 8. Juni transplantierte Professor Dr. Christoph E. Broelsch, Direktor der Abteilung für Allgemeine Chirurgie am Essener Universitätsklinikum, dem 16 Monate alten Sven Rühl-Hörster aus Wuppertal ein von Svens Mutter Barbara gespendetes Teilstück ihrer Leber. Die Spenderleber funktionierte von Anfang an völlig einwandfrei. Sven und seine Mutter sind inzwischen wieder zu Hause; beiden geht es gut.

Für das Essener Universiätsklinikum war es die erste Operation dieser Art, für
Broelsch hingegen keineswegs Neuland. Unter seiner Leitung sind ähnliche Operationen bereits weit mehr als hundertmal an der University of Chicago und am Universitätskrankenhaus in Hamburg-Eppendorf vorgenommen worden. Anläßlich seiner Berufung an das Essener Klinikum zum 1. April 1998 hatte Broelsch die Weiterentwicklung der Transplantationsverfahren der Leber, unter anderem der Verwandtenlebertransplantation bei Erwachsenen und der Splitlebertransplantation bei Kindern, in Aussicht gestellt. In enger Kooperation mit der von Professor Dr. Thomas Voit geleiteten Universitäts-Kinderklinik ist dieses Vorhaben nun erfolgreich auf den Weg gebracht worden.

Eine Transplantation bei Kindern bedeutet die Wiederherstellung der Gesundheit bei sonst tödlicher Erkrankung. Über hundert Kinder in der Bundesrepublik Deutschland bedürfen einer Lebertransplantation, die heute größtenteils durch die Übertragung von Teilen, sogenannten Segmenten, der Spenderleber durchgeführt wird. Spenderorgane von Verstorbenen sind jedoch knapp, so daß sich ein zunehmender Teil von Eltern entschließt, ihren Kindern einen Teil der eigenen Leber, die ein regenerationsfähiges Organ ist, zu spenden.

Diese Operation bei Verwandten ist eine freiwillige Spende zum Nutzen eines anderen und wird beispielsweise in der Nierentransplantation - zumindest im Ausland - sehr häufig durchgeführt. Risiken des Spenders sind dabei die Operation und deren mögliche Komplikationen. Unter kontrollierten Bedingungen und bei entsprechenden Erfahrungen der beteiligten Ärzte ist dieses Risiko jedoch extrem gering.

Die Voraussetzungen für die jetzt in Essen in Zusammenarbeit mit der von Professor Dr. Jürgen Peters geleiteten Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin sowie der Universitäts-Kinderklinik vorgenommene Operation waren bei der Mutter besonders günstig. Die Spenderleber der Mutter funktionierte von Anbe-ginn an völlig einwandfrei. Barbara Rühl-Hörster konnte das Klinikum nach zehntägigem Aufenthalt verlassen, ihr Sohn allerdings mußte bis zum 21. Juli bleiben. Komplikationen gab es durch die zahlreichen Darm-Voroperationen des an einer Gallengangsfehlbildung leidenden Kindes. Aber in Zusammenhang mit der Lebertransplantation konnten auch diese Probleme durch drei komplizierte Eingriffe schließlich vollständig beseitigt werden. Zusammen mit den Professoren Broelsch, Voit und Peters hatten die Gastroenterologin Dr. Antje Ballauff aus der Kinderklinik sowie die Anästhesisten Dr. Rainer Giebler und Dr. Klaus Görlinger zu den betreuenden Ärzten gehört.

Unter angepaßter Immunsuppression gedeiht Sven jetzt prächtig, und die Eltern, die vorher ein sterbenskrankes Kind zu pflegen hatten, sind von dieser Wandlung begeistert.

Eine zweite Splitleber-Transplantationen ist am Essener Universitäts-Klinikum vor vier Tagen vorgenommen worden. Auch hier spendete eine Mutter für ihren zehn Monate alten Sohn einen Teil des eigenen Organs. In Kürze soll das Verfahren der Leberlebendspende auch auf erwachsene Patienten angewendet werden, um der steigenden Knappheit an Spenderorganen entgegenzuwirken.

Insgesamt sind die Ergebnisse der Lebendorganspende deutlich besser als die der Leichenorganspende. Die Gründe dafür liegen in dem wählbaren Zeitpunkt der Ope-ration, für den der Empfänger besonders vorbereitet werden kann, und in der Qualität des Organs, das in der Regel von vornherein eine gute Funktion zeigt.

Redaktion: Monika Rögge, Telefon (02 01) 1 83-20 85

Weitere Informationen: Prof. Christoph E. Broelsch, Telefon: (02 01) 7 23-11 00
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