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Meningokokken - die Chamäleons unter den Bakterien

28.07.1998 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Bei Meningokokken, den Erregern der bakteriellen Hirnhautentzündung, hat sich eine Fülle verschiedenster Spielarten herausgebildet. Das stellt die Wissenschaft vor Probleme: Zum einen sind die gefährlichen, übertragbaren Vertreter dieser Bakterien nicht einfach zu identifizieren, zum anderen ist man von einem wirksamen Impfstoff weit entfernt.

An der Lösung dieser Probleme arbeiten auch Wissenschaftler vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg: Dr. Ulrich Vogel und Prof. Dr. Matthias Frosch vergleichen das Erbgut verschiedener Stämme der Meningokokken (Neisseria meningitidis). Sie sind auf der Suche nach Genen, die für die krankheitserregenden Eigenschaften verantwortlich sind.

Dr. Vogel erläutert die Hintergründe, warum sich so unterschiedliche Typen von Meningokokken ausbilden konnten: In der Zeit, in der beim Menschen eine neue Generation heranwächst, kann sich ein Bakterium 200.000 mal teilen. Es hat also sehr viel mehr Möglichkeiten, sein Erbgut zu verändern, und gerade die Meningokokken tun dies ausgiebig: Sie sind in der Lage, die Erbsubstanz verwandter Bakterienarten aufzunehmen und in ihre eigene Erbsubstanz einzubauen, so daß ihr Chromosom einem Flickenteppich gleicht.

An das fremde genetische Material gelangen die Meningokokken im Nasen-Rachen-Raum des Menschen. Diesen besiedeln sie von Natur aus, wobei zumeist aber keine Krankheit ausbricht, und dort finden sie reichlich Gelegenheit, sich mit anderen Mundbakterien genetisch auszutauschen. Wie ein Chamäleon seine Farbe wechseln kann, können diese Mikroben also relativ schnell in neuen genetischen Gewändern erscheinen.

"Auf diese Weise hat sich bei den Meningokokken ein verwirrendes Netzwerk verwandter Varianten mit unterschiedlichen Eigenschaften entwickelt", sagt Dr. Vogel. Das menschliche Immunsystem reagiere auf die Flexibilität der Erreger meist hilflos, falls diese in die Blutbahn eindringen. Ohne die detaillierte Kenntnis der Meningokokken-Varianten könnten weder Ausbrüche der gefährlichen und übertragbaren Hirnhautentzündung sicher entdeckt noch ein wirksamer Impfstoff entwickelt werden, der alle Varianten der Erreger erfaßt.

Der Analyse solcher Varianten widmet sich die Würzburger Arbeitsgruppe in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt. Die Wissenschaftler beschäftigen sich schon seit Jahren mit Meningokokken der sogenannten Serogruppe B. Diese Gruppe ist für die Mehrzahl der Infektionen in Europa verantwortlich.

Nach Angaben von Dr. Vogel zeichnen sich erste Erfolge schon ab: Es wurde eine Gruppe von Genen gefunden, die nur in Meningokokkenstämmen vom Typ ET-5 vorkommen. Dieser Typus repräsentiere einen Großteil der Krankheitserreger in Europa und breite sich hier seit 25 Jahren mit großer Geschwindigkeit aus. Zur Zeit werde die Rolle diese Gengruppe genauer untersucht.

Weitere Informationen: Dr. Ulrich Vogel, T (0931) 201-3902, Fax (0931) 201-3445, E-Mail:
uvogel@hygiene.uni-wuerzburg.de
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