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Qualifikationen für das "Chaos-Management"

29.07.1998 - (idw) Institut Arbeit und Technik

Wie können Führungskräfte für die Umsetzung neuer Produktionskonzepte vorbereitet werden? - Institut Arbeit und Technik erprobt Konzepte zur Qualifizierung des operativen Managements.

Das Management von Reorganisationsprozessen stellt für viele Vorgesetzte eine Terra incognita dar. Oft sehr plötzlich sehen sich Führungskräfte vor völlig neuen Aufgaben, für die sie nicht nur neue Kenntnisse, sondern auch bislang kaum gefragte Fähigkeiten benötigen. Zudem finden diese Prozesse unter einem enormen Zeitdruck statt, der sie oft bis an die Grenzen der Belastbarkeit fordert. Immer wieder treten chaotische Situationen durch krisen- und konflikthafte Zuspitzungen auf: Man überblickt nicht mehr alles, was gerade abläuft, man versteht nicht, weshalb im Moment bestimmte Dinge passieren, man hat die Situation nicht mehr einfach im Griff.

Um Führungskräfte auf die Aufgaben des "Chaos-Managements" vorzubereiten, wurde am Institut Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen) ein Konzept zur Qualifizierung des operativen Managements für neue Produktionskonzepte entwickelt, das zur Zeit im Rahmen eines Verbundprojektes mit mehreren Firmen erprobt wird.

Dem liegt die Überlegung zugrunde, daß der Versuch, neue Organisationsstrukturen einzuführen, um so eher zum Scheitern verurteilt ist, je stärker diese in Konflikt mit der herrschenden Unternehmenskultur geraten. Generell erzeugen Veränderungen Verunsicherung bis hin zu existentieller Angst, wenn Personalabbau droht. Machtstrukturen wandeln sich, es entsteht Widerstand, alte Erbhöfe werden verteidigt. Letztlich sind es also nicht die Sachargumente, sondern Interessen und Emotionen, die den Motor - oder auch den Hemmschuh - für betriebliche Reorganisationsprojekte bilden.

"Die Führungskräfte stecken in dem Dilemma, daß sie sich selbst verändern müssen, wollen sie Veränderungen im Unternehmen erfolgreich durchführen", so die IAT-Wissenschaftlerin Dr. Dorit Jaeger. Dieser Veränderungsdruck und das damit verbundene Problembewußtsein ist jedoch in den jeweiligen Führungsetagen höchst unterschiedlich ausgeprägt.

"Alles Gute kommt von oben" - in diesem Sinne initiiert das Topmanagement Reorganisationsprojekte zur Steigerung der Produktivität, Erhöhung der Flexibilität, Verbesserung der Qualität oder Verkürzung der Durchlaufzeiten. Daß diese Ziele aber ein gewisses Maß an Selbstorganisation der Mitarbeiter sowie einen gemeinsamen Lernprozeß aller Beteiligten erfordern, daß Vorgesetzte und Mitarbeiter frühzeitig in die Konzeptentwicklung eingebunden werden müssen, daß eine neue Führungskultur erforderlich ist und sich betriebsweit Informations- und Kommunikationsstrukturen ändern müssen - all dies ist den meisten Topmanagern bestenfalls in Ansätzen, kaum aber in seiner ganzen Tragweite bewußt.

Das operative Management - Meister, Vorarbeiter, aber auch Fachexperten - stehen dabei unter dem größten Veränderungsdruck: Oft geht es um die gleichzeitige Bewältigung von Tagesgeschäft, Umstrukturierung der Organisationseinheit und Zusatzaufgaben, die in die Produktion "hineindelegiert" werden, während gleichzeitig Konflikte und nicht vorhersehbare Ereignisse zunehmen.

Für das Anforderungsprofil der neuen Führungskraft gewinnen "weiche" Faktoren einen hohen Stellenwert. Gefragt ist nicht der nette Softi, sondern eine starke Führungspersönlichkeit, die in schwierigen Situationen Orientierung vermittelt, Vertrauen aufbaut und als Vorbild Ideen und Grundsätze glaubhaft machen kann. Der Chaos-Manager braucht Sensibilität und Intuition, muß Widersprüche und Unsicherheiten aushalten, er muß Konflikte regeln können, erstarrte Fronten aufbrechen und die Kontrahenten wieder in einen Dialog führen. Diese Fähigkeiten waren bislang wenig gefragt - wo sollen Führungskräfte mit dem entsprechenden Anforderungsprofil herkommen?

Praxiserfahrungen zeigen, daß konventionelle Formen der betrieblichen Weiterbildung kaum dazu geeignet sind, um Führungskräfte für das Veränderungsmanagement ausreichend zu qualifizieren. Für das Projekt wurde deshalb ein anderes Vorgehen gewählt, das sich an folgenden Punkten orientiert: Für jeden Betrieb wurde unter Beteiligung der Teilnehmer ein maßgeschneidertes Qualifizierungskonzept ausgearbeitet. Die Weiterbildung findet in Lerngruppen statt, die mit konstanter Zusammensetzung über eine längeren Zeitraum bestehen bleiben. Dies ermöglicht den Aufbau einer Vertrauensbeziehung, die für den Erwerb neuer Handlungskompetenzen und die Erprobung neuer Verhaltensweisen unerläßlich ist. Durch die flexible Anpassung des Seminarablaufes an die Bedürfnisse der Teilnehmer können aktuelle Probleme aus dem Betriebsalltag im Rahmen praktischer Übungen aufgegriffen und bearbeitet werden.


Für weitere Fragen steht
Ihnen zur Verfügung:
Dr. Dorit Jaeger
Durchwahl: 1707-224
Pressereferentin
Claudia Braczko

Munscheidstraße 14
45886 Gelsenkirchen

Tel.: +49-209/1707-176
Fax: +49-209/1707-110
E-Mail: braczko@iatge.de
WWW: http://iat-info.iatge.de
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