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Theologe Johann Baptist Metz wird 70

30.07.1998 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Prof. Dr. Dr. Johann Baptist Metz, einer der bekanntesten Vertreter der katholischen Theologie im deutschsprachigen Raum, wird am 5. August 1998 70 Jahre alt. Der langjährige Direktor des Seminars für Fundamentaltheologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster wurde zum Ende des Sommersemesters 1993 emeritiert und ist seitdem Gastprofessor für Religionsphilosophie und Weltanschauungslehre an der Universität Wien. Am 27. Oktober wird zu Ehren von Prof. Metz in westfälischen Ahaus ein Symposium mit dem Titel "Ende der Zeit? Die Provokation der Rede von Gott" stattfinden. Dort spricht auch der zähe Kritiker der Metzschen Politischen Theologie, Kardinal Joseph Ratzinger.


Prof. Dr. Dr. Johann Baptist Metz Prof Metz wurde am 5. August 1928 in Auerbach in der Oberpfalz geboren. Er studierte in Bamberg, Innsbruck und München und wurde 1952 zum Dr. phil. und 1961 zum Dr. theol. promoviert. 1954 wurde er katholischer Priester. Von 1963 bis 1993 hatte Prof. Metz den Lehrstuhl für Fundamentaltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität inne.

Darüber hinaus engagierte sich Johann Metz in zahlreichen Ämtern. Von 1968 bis 1973 war er Konsultator des "Päpstlichen Sekretariats für die Ungläubigen" und von 1971 bis 1975 Berater der Synode der Deutschen Bistümer und Hauptverfasser des Synodendokuments "Unsere Hoffnung". Außerdem zählte Metz zu den Herausgebern der internationalen theologischen Zeitschrift "Concilium" und zu den Beiräten des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen in Wien und des Kulturwissenschaftlichen Instituts im Wissenschaftszentrum Nordrhein- Westfalen und war Mitglied des Gründungsausschusses der Universität Bielefeld. Von der Universität Wien wurde er 1994 mit der Ehrendoktorwürde geehrt.

Zu Prof. Metz Hauptwerken zählen die Veröffentlichungen "Christliche Anthropozentrik", "Zur Theologie der Welt", "Glaube in Geschichte und Gesellschaft", "Jenseits bürgerlicher Religion" und "Zum Begriff der neuen Politischen Theologie". Sie wurden in viele Sprachen übersetzt und begründeten eine neue Politische Theologie, die ihrerseits Einfluß ausgeübt hat auf die Theologie der Befreiung in nichteuropäischen Ländern, insbesondere in Lateinamerika. Theologie ist für ihn das Bemühen, Glauben in Geschichte und Gesellschaft lebendig zu halten. Er ist insbesondere als Vertreter jener Richtung der Theologie bekannt geworden, "die den Glauben der Privatisierung entreißen und ihn als konstitutives Element in eine neue soziale Ordnung einbringen will", wie es einmal in einer Würdigung hieß.

In diesem Sinne trat Prof. Metz immer wieder an die Öffentlichkeit und beteiligte sich beispielsweise in den 70er Jahren an der Debatte zwischen Theologie und moderner Wissenschaft und in der heutigen Zeit an der zwischen aufgeklärter Moderne und erlebnisbetonter Postmoderne. Im Ringen um die Verständigung zwischen Juden und Christen schärfte Metz das humane Gedächtnis, indem er das Eingedenken des Leidens zum Richtmaß für Humanität und Aufgeklärtheit der Vernunft erhob.

Im Ringen um die Zukunft folgt Prof. Metz der Spur des biblischen Gottes, ohne fromme Illusionen zu nähren: Er diagnostiziert gegenwärtig eine "Gotteskrise", die nicht zuletzt deshalb so ernst sei, weil in ihr auch der Mensch in seiner subjekthaften Freiheit und Verantwortlichkeit tödlich bedroht und all seiner kritischen Maßstäbe beraubt zu sein scheine.
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