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Naturstofforschung: Meerespilze

06.08.1998 - (idw) Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung

Meerespilze als Quelle für neue Wirkstoffe
Forschungsminsterium fördert Naturstofforschung am Alfred-Wegener-Institut mit 1,2 Mio DM

Die Forschungsgruppe "Marine Mykologie" (Meerespilzforschung) am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) erhält im Rahmen des Schwerpunktförderprogramms "Marine Naturstofforschung" vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) insgesamt 1,2 Mio DM. Das BMBF bewilligte den Wissenschaftlern drei Forschungsanträge in dem erstmalig zum 31. Januar 1998 ausgeschriebenen Programm, an dem das AWI sich auch mit weiteren Projekten beteiligt hat. Die marine Naturstofforschung ist ein aktuelles Thema der Meereskunde und wird zu einer engen Verzahnung von Projektarbeiten im Alfred-Wegener-Institut und in der pharmazeutischen Industrie führen.
Meerespilze und pilzähnliche Einzeller sind ebenso wie beispielsweise Bakterien am Abbau organischen Materials im Meer beteiligt. Darüber hinaus bauen diese bisher wenig erforschten marinen Mikroorganismen spezifische Stoffe auf, die als marine Naturstoffe für die chemisch-pharmazeutische Industrie interessant sind, um sie auf ihre Tauglichkeit als neue Antibiotika oder tumorhemmende Medikamente zu prüfen. Viele Medikamente verlieren nach einiger Zeit ihre Wirksamkeit, da die Infektionskeime gegen sie resistent geworden sind. Die Pharmaindustrie sucht daher nach Grundsubstanzen für neue Abwehrstoffe, um sie zu wirksamen Medikamenten weiterzuentwickeln. Die Untersuchung der Meerespilze und der von ihnen produzierten chemischen Verbindungen kann hier einen wichtigen Beitrag liefern.

Dank der Fördermittel kann die Forschergruppe am AWI jetzt ihre Arbeiten zur Artenvielfalt und Naturstoffproduktion der marinen Pilze erheblich ausbauen. Die Wissenschaftler unter Leitung von Dr. Karsten Schaumann werden der Frage nachgehen, ob und inwiefern Pilze an der Bildung bestimmter chemischer Substanzen beteiligt sind, die z.B. in Meeresschwämmen nachgewiesen werden konnten. Die parasitischen und symbiontischen Wechselbeziehungen zwischen Pilzen und Meeresalgen oder wirbellosen Tieren sollen verstärkt einbezogen werden. Vor allem die Pilze extremer Meereslebensräume, wie stark belasteter Küstenzonen, salzreicher Lagunen, der Polarmeere und der Tiefsee sind dann Ziel der Untersuchungen.
Alle drei vom BMBF geförderten Forschungsvorhaben sind Verbundprojekte von Forschern und Forschungsgruppen aus Hochschulen und/oder Forschungsinstituten sowie der Industrie. Die Wissenschaftler des AWI werden mit Arbeitsgruppen der Universitäten Göttingen, Kiel und Würzburg, der Fachhochschule Ostfriesland, Emden, dem Hans-Knöll-Institut für Naturstofforschung, Jena, und einer Reihe von Biotechnologie-Firmen zusammenarbeiten. Derartige Verbundprojekte sollen den Weg wissenschaftlicher Ergebnisse von der Grundlagenforschung zur angewandten Forschung und Industrie ebnen und beschleunigen. Sie zielen auf Forschungsergebnisse, die industriell nutzbar sind.
Durch die Bewilligung der Projekte wird der Forschungs- und Technologiestandort Bremerhaven gestärkt. In der Region werden neue, hochqualifizierte Arbeitsplätze geschaffen. Daß die hohen wissenschaftlichen Erwartungen erfüllt werden, steht für Dr. Schaumann außer Frage. Das Interesse der Industrie ist bisher vor allem bei klein- und mittelständischen Unternehmen spürbar, die Arbeitsgruppe will aber auch große Konzerne ansprechen. Die Vorzeichen sind gut: Die Projekte besitzen, wie von den Fachgutachtern übereinstimmend attestiert, "ein großes Potential für Folgeprojekte unter Beteiligung der chemisch-pharmazeutischen Industrie".

Bremerhaven, den 05.08.1998
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