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Emotionsforschung: Rechts im Kopf, da sitzen die Gefühle

10.08.1998 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Körperhaltung und Gesichtsausdruck verraten schon so einiges über die Gefühle, die einen Menschen bewegen. Doch wenn Wissenschaftler heutzutage die Emotionen messen wollen, dann tun sie dies auch über den Herzschlag und den Hautwiderstand. Und sie können dem Menschen sogar direkt ins Gehirn schauen.

Der Blick in den Kopf wird durch Methoden wie die Magnetresonanz und die Positronen-Emissionstomographie möglich. Beide Verfahren liefern Bilder aus dem Inneren des Körpers. Mit ihrer Hilfe können die Forscher erkennen, welche Hirnareale bei welchem Gefühlszustand aktiviert sind.

"Heute wissen wir, daß das Erkennen von Gefühlen vor allem in der rechten Gehirnhälfte stattfindet", sagt der Psychologe Prof. Dr. Heiner Ellgring von der Universität Würzburg. Doch offenbar sind die grauen Zellen des Menschen recht flexibel: Bei einer Patientin, der wegen eines epileptischen Leidens Teile der rechten Gehirnhälfte entfernt werden mußten, habe der linke Hirnteil die gefühlsverarbeitende Funktion übernommen. In diesem Zusammenhang vergleicht Prof. Robert Zajonc von der US-amerikanischen Universität Stanford das Gehirn mit einem Hotel, in dem "die Präsidentensuite auch mal an einen einfachen Geschäftsmann vergeben werden kann".

Solche und andere Themen wurden beim 10. Treffen der "Internationalen Gesellschaft für Emotionsforschung" vom 4. bis 8. August 1998 an der Universität Würzburg diskutiert. Rund 150 Teilnehmer aus 18 Ländern, zumeist aus den USA, Kanada und Japan, waren ins Universitätsgebäude am Sanderring gekommen. Die Organisation lag in den Händen von Prof. Ellgring und seinem Würzburger Kollegen Prof. Dr. Fritz Strack. Bei einer Pressekonferenz informierten die beiden Psychologen über den Verlauf der Tagung.

Diese offenbarte die große Vielfalt der Emotionsforschung, bei der es beispielsweise um das Erleben und den Ausdruck von Gefühlen wie Lust, Unlust, Freude, Ärger, Trauer, Scham oder Angst geht. Zu den nicht gelösten Problemen der Fachrichtung gehört laut Prof. Ellgring unter anderem die Frage, welchen Einfluß die Verarbeitung von Emotionen auf die Gesundheit hat. Unklar sei auch, wie sich Gefühle in der Kindheit entwickeln.

Die Tagung der "International Society for Research on Emotions" (ISRE), in der Emotionsforscher aller Disziplinen vertreten sind, findet alle zwei Jahre statt; zuletzt in Cambridge und Toronto. Für die Höhepunkte des Würzburger Programms sorgten den Veranstaltern zufolge die vier eingeladenen Gastredner, weil deren Referate die zentralen Themen der Emotionsforschung betrafen: Prof. Tory Higgins von der Columbia University untersucht, wie das Anstreben von Zielen das Erleben von Emotionen beeinflußt. Prof. Zajonc beschäftigt sich mit den Zusammenhängen von hirnphysiologischen Prozessen und emotionalem Verhalten und Erleben. Wie sich das Unterdrücken von Gefühlen auf die Gesundheit auswirkt, war das Thema von Prof. James Pennebaker aus Texas.

Der Bamberger Professor Dietrich von Holst schließlich beschäftigt sich mit der Rolle von Gefühlen bei Tieren, die in Sozialverbänden leben. So lassen sich im Tierreich Prinzipien erkennen, wie sie auch beim Menschen auftreten. Beispiel: Die Individuen zeigen den anderen ihre jeweilige Stimmung an, sei es nun Paarungsbereitschaft oder Aggression. Nach Überzeugung der Emotionsforscher ist das "Ausdrücken der Gefühle" wesentlich dafür, daß der Umgang miteinander funktioniert - bei den Tieren wie beim Menschen.
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