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Schizophrenie-Forschung: Bei Erkrankung im Kindesalter eine schlechte Prognose

10.08.1998 - (idw) Universität Essen (bis 31.12.2002)

Je früher ein Kind an Schizophrenie leidet, um so schlechter ist die Prognose für den Verlauf der Krankheit. Das ergab eine der wenigen Langzeitstudien, die zu diesem Thema vorliegen. Die Ergebnisse stellte der Kinder- und Jugendpsychiater Christian Eggers an der Universität-Gesamthochschule Essen vor.

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10. August 1998

Kinder, die das 15. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, erkranken nur selten an einer Schizophrenie. Aber wenn sie Opfer dieser schweren Psychose werden, nimmt diese meist einen schlechten Verlauf. Ende der sechziger Jahre - damals noch an der Universität Marburg - leitete der Kinder- und Jugendpsychiater Professor Christian Eggers eine der wenigen Langzeitstudien mit Patienten ein, bei denen der Verdacht auf eine Schizophrenieerkrankung bereits vor dem 14. Lebensjahr bestanden hatte. Mehrfach fanden Nachuntersuchungen statt, an der letzten stellten sich von den anfangs 71 Teilnehmern an der Studie noch 44 bei Eggers vor. Die Ergebnisse diskutierte der Wissenschaftler, der seit 1979 Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Essener Universitätsklinikum ist, jetzt im Rahmen eines internationalen Schizophrenie-Symposiums mit Fachkollegen, die sich ebenfalls auf die Erforschung der im Kindes- bzw. im frühen Jugendalter beginnenden Psychosen spezialisiert haben. Das Essener Symposium fand im Vorlauf eines großen Kongresses von Kinder- und Jugendpsychiatern in Stockholm statt und nahm die dort geplante Vorstellung neuer Ergebnisse der Schizophrenie-Forschung bereits vorweg - in einem kleinen, aber hochkarätig besetzten Kreis von Experten aus den USA, aus England und aus Deutschland.

Lange Zeit sei bezweifelt worden, ob schizophrene Psychosen bei Kindern und Erwachsenen überhaupt zum selben Krankheitsbild gehörten, erklärt in der Essener Klinik Dr. Detlef Bunk, der zusammen mit Eggers das Symposium vorbereitet hatte. Inzwischen müsse man aber davon ausgehen, daß zwischen Frühschizophrenien und Schizophrenien bei Erwachsenen eine Kontinuität bestehe. Allerdings: Wenn Kinder sehr früh schizophreniekrank würden - von 1 000 unter 15jährigen sind das 0,14 - müsse man sich auf ungünstige Krankheitsverläufe einstellen. Je jünger der Patient sei, um so schlechter falle die Prognose aus.

Ein wichtiges Anliegen bei der Langzeitstudie war es für Christian Eggers und seine Mitarbeiter, durch den Rückblick auf die Langzeitverläufe Rückschlüsse auf die Behandlung der Psychose im Anfangsstadium ziehen zu können. Die klassische medikamentöse Behandlung müsse möglichst frühzeitig durch einen psycho- und familientherapeutischen Ansatz ergänzt werden. Ziel sei es, die kognitiven Funktionen wie Konzentrations- und Durchhaltevermögen sowie Antriebsfähigkeit zu erhalten und dem Kranken einen möglichst stabilen sozialen Kontext zu verschaffen, erklärt Eggers.

Oft schon acht Jahre vor der eindeutigen Diagnostizierung psychotischer Symptome zeigt das später schizophreniekranke Kind deutliche Aufälligkeiten in seinem Wesen und Verhalten. Sozialer Rückzug, Ängstlichkeit, Depressivität und Scheu, aber auch unmotivierte Wutausbrüche und Aggressivität seien zu beobachten. Zeige, berichtet Eggers, die Krankheit anfangs einen chronisch-schleichenden Verlauf, sei die Chance einer Gesundung äußerst gering. Nur neun v. H. der Patienten erlebten eine erfolgreiche Therapie, 73 v. H. blieben ohne jede Remission. Die Krankheitssymptome bilden sich also nicht zurück. Bei akutem Ausbruch remittieren immerhin 36 v. H. der Patienten.


Redaktion: Monika Rögge, Telefon (02 01) 1 83-20 85
Weitere Informationen: Professor Dr. Christian Eggers, Telefon (02 01) 72 27-4 65
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