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Schülerorientierte Rechtschreibung statt Lehrplan

14.08.1998 - (idw) Universität zu Köln

Aus Fehlern lernt man, sagt der Volksmund. Anders ausgedrückt: Fehler stellen kein mangelndes Wissen der Schüler dar, sondern geben dem Lehrer Aufschluß über den aktuellen Lernstand des einzelnen Schülers. Da vielfältige Faktoren den individuellen Rechtschreiblernprozeß beeinflussen, erfordert wirksame Rechtschreibarbeit die systematische Auseinandersetzung mit dem aktiven Wortschatz jedes einzelnen Grundschülers. Diese Faktoren untersucht Dr. Margret John in einer Studie, die am Seminar für Deutsche Sprache und ihre Didaktik der Universität zu Köln erstellt wurde.

Der Rechtschreibunterricht ist institutionell in allgemeinbildenden Schulen angelegt. Da er eine große Anzahl von Lernern erreichen soll, werden dem Lehrer allgemeinverbindliche Unterrichtsinhalte in Form von Lehrplänen vorgeschrieben, die seine Schüler in vier Grundschuljahren absolvieren sollen. Doch statt der strikten Einhaltung dieser Vorschriften soll sich der Lehrkörper eher intensiver mit dem individuellen Lernprozeß des einzelnen Schülers befassen, so die Auffassung der Kölner Pädagogin. In ihrer Studie prüft sie, unter welchen Voraussetzungen der Lehrkörper dem einzelnen Schüler und seinen individuellen Anlagen gerecht werden kann, ohne dabei die gesellschaftlichen Erwartungen hinsichtlich der Rechtschreibkompetenz der Lerner aus den Augen zu verlieren.

Arbeiten von Schülern, die in kurzen, einfachen Texten viele orthographische Fehler machen, werden unter dem Aspekt der Häufigkeit einzelner Fehler untersucht. So wird zum Beispiel bei dem Substantiv "Geburtstag" gerne das "t" vor dem "s" weggelassen - insgesamt erschien das Wort "Geburtstag" in fünf verschiedenen Varianten. Bei dem Wort "kamen" neigen die Schüler dazu, das "m" zu verdoppeln oder ein Dehnungs-h einzufügen. Auch bei Funktionswörtern sind sie oft unschlüssig, ob sie nun ihm oder im, denn oder den schreiben sollen. Dabei sind Regeln wie "nach kurz gesprochenem Vokal folgt oft ein Doppelkonsonant" bzw. "nach lang gesprochenem Vokal folgt oft ein Dehnungs-h" bei der Erlernung der Rechtschreibung keine generell erfolgversprechenden Hilfen.

Das oberste Ziel des Rechtschreibunterrichts ist es, die Richtigschreibung von Texten weitgehend zu gewährleisten. Mit einem pädagogischen Übungsangebot, das Dr. Margret John im Verlauf ihrer Studie herausgearbeitet hat, kann dieses Ziel erreicht werden, ohne daß der individuelle Wortschatz zu sehr eingeschränkt wird.

(39 Zeilen á 60 Anschläge)
Verantwortlich: Claudia Ehl

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Margret John unter den Telefonnummern 0221/470-4757 bzw. 02173/15493 und der Fax-Nummer 0221/470-5989 zur Verfügung.
Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web (http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.htm).

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