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Krankheit - Strafe oder Fehlfunktion des Körpers?

17.08.1998 - (idw) Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main)

Intention und Wirklichkeit medizinischen Handelns in der neueren Geschichte

FRANKFURT. Ist Syphilis die Strafe für eine religiös-moralische Verfehlung oder "nur" eine Krankheit? An der Antwort schieden sich lange Zeit die Geister. Wer Syphilis für eine Krankheit hielt, wollte durch Schutzmaßnahmen vorbeugen oder sie zumindest möglichst schmerzarm heilen. Wenn Syphilis aber eine Strafe war, dann konnten präventive Strategien abgelehnt werden, weil sie die Strafe für den Verstoß gegen herrschende Normen verhinderten.

Am Beispiel der Syphilis geht Lutz Sauerteig vom Institut für Geschichte der Medizin der Universität Freiburg dem Wechselspiel zwischen Moral und Medizin nach. Er untersucht, inwiefern moralische Kategorien bei der Bekämpfung der Syphilis eine Rolle spielten und wie sie die Behandlungs- und Präventivkonzepte beeinflußten. Sauerteig spricht am 11. September in der Sektion "Heilanspruch und Heilvermögen. Intention und Wirklichkeiten medizinischen Handelns in der neueren Geschichte" beim 42. Deutschen Historikertag (8. bis 11. September) in Frankfurt am Main. Reinhard Spree (Universität München) untersucht "Anspruch und Wirklichkeit der Krankenhausbehandlung im 19. Jahrhundert". Zu Beginn des 19. Jahrhunderts habe das Krankenhaus für die Gesundheitspflege nur eine geringe Funktion besessen. Kranke seien - meist ohne Hinzuziehung eines Arztes - in der Familie versorgt worden. Bis ins späte 19. Jahrhundert habe der Heilanspruch im Krankenhaus lediglich die Bedeutung gehabt, ein sauberes Bett, angemessene Ernährung, sachkundige Pflege und ärztliche Überwachung zu bieten. Erst durch die Fortschritte in Medizin und Technik habe sich der Anspruch hin zu einer Krankheiten beseitigenden ärztlichen Therapie gewandelt. Cornelie Usborne vom Roehampton Institute, London, befaßt sich mit "Versprechen und Verbrechen. Abtreibungen durch Laien und Mediziner in der Weimarer Republik". Die Entstehung der modernen Psychopharmakologie und die Sozialgeschichte der Tuberkulose sind weitere Themen.

Die Sektion "Heilanspruch und Heilvermögen" findet statt am Freitag, 11. September, ab 9.00 Uhr im Hörsaal 4 des Hörsaalgebäudes der Goethe-Universität. Interessierte Journalisten werden gebeten, sich beim Organisationsbüro des 42. Deutschen Historikertags anzumelden: Telefon: 069/798-25091, Telefax: 069/798-25090; E-Mail: histtag-98@em.uni-frankfurt.de
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