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Neue Strategien im weltweiten Kampf gegen Infektionen

31.08.1998 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena


Mikroskopische Aufnahme eines Coxsackie-Virus. Foto: Institut für Virologie der Uni Jena Virologische Top-Experten treffen sich in Jena

Jena. (31.08.98) Zu einer "Konferenz der Meilensteine" erwartet Prof. Dr. Axel Stelzner, Direktor des Instituts für Virologie an der Universität Jena, diesen Samstag 250 Top-Experten aus aller Welt. Eine Woche lang werden sich die führenden Köpfe der internationalen Virologie in Jena über neue Strategien zur Erkennung, Vorbeugung und Behandlung von Picorna-Viren verständigen. Das sogenannte "Europic" findet nur alle zwei Jahre statt, nach 1981 zum zweiten Mal in Deutschland. Amerikanische und europäische Wissenschaftler werden den Kongreß dominieren; auch Fachkollegen aus Japan, Australien und Südafrika werden erwartet.

Ein zentrales Thema der hochspezialisierten Expertentagung wird die weitere Strategie gegen das Polio-Virus sein. Weltweit gilt dieser Erreger der Kinderlähmungs dank eines großangelegten Impfprogramms der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als beinahe ausgerottet. Dennoch wird man noch weitere 30 bis 40 Jahre impfen müssen, um die spinale Kinderlähmung als zweite Viruserkrankung nach der bisher erforderlichen Pockeneradikation ausrotten zu können, betont Stelzner.

Impfmüdigkeit sei die größte Nachlässigkeit im beständigen Kampf gegen Virus-Epidemien. Stelzner: "Wir dürfen dankbar dafür sein, wenn so wirksame Impfstoffe wie gegen Polio entwickelt werden konnten." Meist gelinge es heute noch nicht oder nur unzureichend, virusbedingten Erkrankungen vorzubeugen bzw. sie zu behandeln. Als Beispiel nennt er das Coxsackie-Virus, das zur Großfamilie der Entero-Viren gehört und beim Menschen schwere Herzmuskelentzündungen hervorrufen kann. Ein neuer Impfstoff befindet sich in Entwicklung, virusspezifische Behandlungsformen allerdings werden noch länger auf sich warten lassen.

Zur großen Gruppe der Picorna-Viren gehören über 200 bislang identifizierte und wissenschaftlich klassifizierte Arten, "und fast jedes Jahr kommen neue hinzu", so Stelzner. Das Spektrum reicht von den relativ harmlosen Rhino-Viren, die in über 100 verschiedenen Serotypen Schnupfen verursachen, bis hin zu den gefährlichen Hepato- und Enteroviren, die für Entzündungen der Leber oder der Muskulatur verantwortlich sind. Auch das älteste bekannte Virus, das die Maul- und Klauenseuche bei Tieren hervorruft, zählt zur Picornavirus-Familie.

In der Forschung kommt die Virologie heute nur noch interdisziplinär voran. So werden auch auf der Jenaer Tagung Mediziner, Molekularbiologen und Genetiker vertreten sein. Moderne Impfstoffe werden heute fast ausschließlich mittels gentechnischer Verfahren entwickelt. "Ohne Genetik könnten wir die Lebensform dieser Organismen überhaupt nicht verstehen", erläutert Stelzners Mitarbeiter Dr. Andreas Henke. Die nur 25 bis 30 millionstel Meter großen Picorna-Viren bestehen aus einem RNA-Strang, also der nackten Erbinformation, und einer Proteinhülle. "Gerade das macht sie so aggressiv und variabel", so Henkes Kollege Dr. Ro-land Zell. Die beiden Biologen gehören zu Stelzners Team in der Jenaer Virologie und sind die tragenden Organisatoren des Kongresses.

Fast keine anderen Organismen sind in der Lage, sich genetisch so schnell zu verändern wie Viren. Das habe neben der klinischen auch eine entwicklungsgeschichtliche Bedeutung für die Biologie der Erde, macht Prof. Stelzner deutlich: "Der Beginn wie das Ende eines Leben ist ohne Viren, wie man es auch interpretieren will, nicht denkbar."

Ansprechpartner: Prof. Dr. Axel Stelzner, Dr. Roland Zell, Dr. Anderas Henke, Institut für Virologie am Klinikum der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Tel. 03641/657200


Friedrich-Schiller-Universität
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Wolfgang Hirsch
Fürstengraben 1
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Tel.: 03641/931031
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