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DER GARTEN IN KULTUR- UND SOZIALGESCHICHTLICHER BLÜTENPRACHT

01.09.1998 - (idw) Universität Bayreuth

Ist der Garten immer und überall Garten so wie wir ihn uns vorstellen? Weit gefehlt, wie ein internationales Kolloquium ("Sozialgeschichtliche Aspekte des Gartens", 4./5. September/Tagungsbereich des Studentenwerks Oberfranken) in Bayreuth zeigen wird, das der Germanist Professor Dr. Walter Gebhard (Lehrstuhl Neue deutsche Literaturwissenschaft, Didaktik der deutschen Sprache und Literatur) organisiert hat. Abgesehen von seiner unterschiedlichen Funktion hat der Garten auch in seinen verschiedenen Kulturräumen unterschiedliche Funktionen und Bedeutung und Wurzeln. Der Garten ist also auch ein sozialgeschichtliches Kulturthema.

Interdisziplinäres und internationales Kolloquium (4./5. September 1998)
DER GARTEN - BETRACHTET IN KULTUR- UND SOZIALGESCHICHTLICHER BLÜTENPRACHT
Jubiläumskolloquium der drei Universitäten Orleans, Osaka Gakuin und Bayreuth
Bayreuth (UBT). Ist der Garten immer und überall Garten so wie wir ihn uns vorstellen? Weit gefehlt, wie ein internationales Kolloquium ("Sozialgeschichtliche Aspekte des Gartens", 4./5. September/Tagungsbereich des Studentenwerks Oberfranken) in Bayreuth zeigen wird, das der Germanist Professor Dr. Walter Gebhard (Lehrstuhl Neue deutsche Literaturwissenschaft, Didaktik der deutschen Sprache und Literatur) organisiert hat. Abgesehen von seiner unterschiedlichen Funktion hat der Garten auch in seinen verschiedenen Kulturräumen unterschiedliche Funktionen und Bedeutung und Wurzeln. Der Garten ist also auch ein sozialgeschichtliches Kulturthema. Dieses werden Hochschullehrer und Forscher unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen der drei Universitäten Bayreuth, Orleans (Frankreich) und Osaka Gakuin (Japan) beleuchten.
Das Kolloquium beginnt mit zwei Beiträgen, die die lange und zu den berühmten Erscheinungen wie den Tempel- und Trocken-Gärten des Zen-Buddhismus führende Tradition der japanischen Gärten behandelt - der eine davon durch einen selbst in der japanischen Kultur als Spieler der altjapanischen Laute Biwa versierten Musik-ethnologen.
Das nächste Referat berichtet - ausgehend von der Tatsache, daß sich die antiken Philosophenschulen von Plato bis Epikur in der kulturellen Einrichtung des Garten begründet haben - von der entscheidenden Kulturgeschichte des europäischen Gartens durch die Entdeckung des benediktinischen Klosters: Der Kloster- und Rückzugsgarten, Hortus reclusus, prägte die mittelalterliche Praxis nach dem Verlust der antiken Lustgartenkultur. Strukturierende Gegensätze prägen die Annäherung an das komplexe Thema: Nutz- gegen Prachtgarten; geschlossener gegen offenen Garten, kleiner Gewürz- gegen großen Villenpark, religiöser gegen weltlichen Garten, bürgerlicher gegen aristokratischen Prestige-Garten.
Der Garten als Kulturthema hat in den europäischen Ländern ganz bestimmte Ausprägungen gefunden: Neben venezianischen kommen französische Gärten in das Blickfeld. Umwandlungen der Versailler Gartens und des Landschaftsgartens von Ermenonville im Norden von Paris, der Rousseau gewidmet ist. Wie wird die Bedeutung einer Landschaft gestiftet? Wie entstehen auch in aufklärerischer Zeit mythische Bedeutungen? Eine Art "Kreislauf" zwischen Gartenerfahrung und Literatur behandeln auch die beiden Bayreuther Germanisten Peter Klotz und Armin Schäfer: Einmal geht es um die Spiegelung des Ordnungswandels in Goethes "Wahlverwandschaften", das andere mal um die Verdichtung von Bewegungs- und Seh-Formen von Gärten in der ästhetizistischen Lyrik Stefan Georges.
In die Geschichte der russischen Gärten führt ein weiterer Vortrag, der Botanischen Gärten und sibirischen Blumen Aufmerksamkeit schenkt; ganz in die Gegenwart führen dann Beobachtungen, die an bulgarischen Gärten gemacht werden können.
Daß es sich beim Garten um eine neue soziale Form handelt, wenn man sich um Arbeitergärten bemüht, handelt ein Beitrag aus französischer Sicht ab. Den weiten Bereich des europäischen Kolonialismus nimmt der Bayreuther Romanist und Afrikanist János Riesz ins Visier, wenn er zeigt, wie aus dem Leitbegriff der Kolonalisations-Legitimation mit "Zivilisation" der Gartenbau stellvertretend für das umfassendere Ziel der kolonialen Kulturbeherrschung eingesetzt wird.
Die abschließenden japanischen Beiträge referieren über die westliche Rezeption des japanischen Hauses und seiner Umgebung und stellen schließlich juristische Fragen anhand eines Unfalls, der in einem japanischen Vorgarten geschieht.
Umrahmt wird die Veranstaltung von einer Ausstellung der Bayreuther Fotografin Eva Kunzmann. In ihren Bildern werden Farben und Räume, das Spiel von Licht und Schatten in zahlreichen hortensischen Details aus verschiedensten europäischen Gegenden lebendig.
Die Veranstaltung stellt ein kleines Jubiläum dar, denn es handelt sich um das 10. Kolloquium von Wissenschaftler der drei Universitäten, die bereits seit 15 Jahren interdisziplinär und interkulturell zusammenarbeiten. Es geht ihnen dabei darum, so Professor Gebhard, aus der Sicht ihrer Fächer und im Spiegel unterschiedlicher Kulturen und nationaler Ausprägungen miteinander ins Gespräch zu kommen. So wurden etwa bereits die Probleme großer Städte und ihre Spiegelung in Literatur und Recht behandelt, nach der Bedeutung des Begriff "nationale Identität" gefragt, einmal "Aspekte der "Jugend", anschließend solche des "Alters und Alterns" umkreist und in exemplarischen Vorträgen analysiert.

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