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FAO: AUSSTERBEN WERTVOLLER NUTZTIERRASSEN HÄLT AN

07.09.1998 - (idw) Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen

NEUES INFORMATIONSSYSTEM IM
INTERNET GESTARTET


Rom, 7. September - Weltweit sind rund 30 Prozent der Nutztierrassen vom Aussterben bedroht. Darauf hat am Montag die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) aufmerksam gemacht. Vom Verlust wertvoller Nutztierrassen seien Industriestaaten und Entwicklungsländer gleichermassen betroffen.

Die FAO stellte deshalb ein neues internationales Informationssystem vor, das dazu beitragen soll, die bedrohten Rassen besser zu nutzen und zu schützen.

Mit dem computergestützten Informations- und Kommunikationssystem DAD-IS, das über Internet zugänglich ist und in mehreren Sprachen erscheint (http://www.fao.org/dad-is), will die FAO den Informationsaustausch über die Vielfalt der Nutztierrassen verstärken. Der Globale Aktionsplan für tiergenetische Ressourcen der FAO soll zugleich den Schutz und Nutzen der bedrohten Rassen verbessern. Die noch vorhandenen genetischen Ressourcen sollen erfasst und mit Zuchtprogrammen weiterentwickelt werden. Für Länder ohne Zugang zum Internet wird DAD-IS auch auf CD-ROM verfügbar sein.

In der DAD-IS-Datenbank ("Domestic Animal Diversity Information System") sind aus 180 Ländern Informationen über 5300 Nutztierrassen gespeichert, die in 12 000 Jahren aus 35 Arten gezüchtet wurden. Die Daten geben Auskunft über den noch vorhandenen Bestand der jeweiligen Rasse, ihre Leistungsfähigkeit, wo sie beheimatet sind und welche Eigenschaften sie besitzen.

Die Welternährungsorganisation schätzt, das rund zwei Milliarden Menschen zumindest teilweise für ihren Lebensunterhalt auf Nutztiere angewiesen sind.

"Für die Sicherheit der Welternährung ist es unerlässlich, die grosse Vielfalt an Nutztierrassen zu erhalten und ökonomisch zu nutzen, besonders angesichts von rund 800 Millionen unterernährter Menschen in den Entwicklungsländern", sagte Keith Hammond, Leiter der FAO-Fachgruppe für tiergenetische Ressourcen.

Hammond betonte, dass Nutztiere nicht nur Fleisch, Milchprodukte Eier und Wolle liefern, sondern vor allem in den Entwicklungsländern Dünger und Zugkraft. "Die Bauern sind auf diese Rassen und ihre genetische Vielfalt angewiesen, um Tiere zu züchten, die beispielsweise gegen Umweltveränderungen und Krankheiten widerstandsfähig genug sind. Hinzukommt, dass sie den Bauern Einkommen und das ganze Jahr über Arbeit bieten. Manche Nutzttierrassen überleben nämlich sogar in solchen Regionen, wo keine Landwirtschaft mehr möglich ist".

Die hochspezialisierte Viehzucht in Industrieländern mit der Konzentration auf wenige sehr produktive Rassen gefährde die Nutztiervielfalt am meisten, so die FAO. Die rasche Verbreitung "moderner Rassen" in Entwicklungsländern gehe zu Lasten vieler lokal angepasster Tierrassen, die beispielsweise an die oft schwierigen Klima- und Umweltbedingungen der Entwicklungsländer gewöhnt seien und insgesamt eine längere Lebensdauer hätten.

Hier einige Beispiele bedrohter Nutztierrassen:

- das Arvana-Kazakh Dromedar in Kasachstan, das unter extremen wüstenähnlichen Bedingungen überleben kann, wenig Wasser und Futter benötigt und dennoch nährstoffreiche Milch liefert. Von diesem Dromedar gibt es nur noch weniger als 1000 Tiere.

- Eine Schweinerasse, die es nur in Mosambik gibt, und die vermutlich gegen das sehr ansteckende Afrikanische Schweinepestfieber genetisch resistent ist.

- Das in Sibirien lebende Yakut-Rind, das selbst Temperaturen von Minus 60 Grad aushalten kann. Diese Rasse ist besonders genügsam, liefert Milch mit einem hohen Fettgehalt und ist ausserdem resistent gegen Tuberkulose, Leukose und Brucellose.Von dieser Rasse gibt es nur noch weniger als 900 Exemplare.

- In Indien sind 50 Prozent der einheimischen Ziegenrassen vom Aussterben bedroht; rund 80 Prozent des Geflügels in Indien stammen mittlerweile von "modernen"Rassen ab.

- China besitzt die Mehrzahl der weltweit vorhandenen Schweinerassen. Diese traditionellen Rassen allerdings werden zunehmend durch ''moderne" ersetzt. Die Chinesen haben inzwischen mit dem Schutz dieses wertvollen genetischen Materials begonnen.

Auch in den Industriestaaten sind viele wertvolle Nutzttierrassen vom Aussterben bedroht, betonte die FAO. In Europa treffe dies auf mehr als 20 Prozent der Nutztierrassen zu, für die es keine Schutz- und Nutzungsprogramme gebe.

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