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Tropische Blaualgen auf Nordkurs

08.09.1998 - (idw) Forschungsverbund Berlin e.V.

Über die Ursachen rätseln Experten noch/"global warming" nicht überzeugend/Projekt im Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei Berlin (IGB) soll weiteren Aufschluß bringen

Tropische Blaualgen auf Nordkurs
Über die Ursachen rätseln Experten noch/"global warming" nicht überzeugend/Projekt im Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei Berlin (IGB) soll weiteren Aufschluß bringen

Wärmeliebende Arten der fadenförmigen Blaualgengattungen Anabaenopsis, Aphanizomenon und Cylindrospermopsis dehnen ihren Lebensraum immer weiter nördlich aus. In den Sommermonaten 1998 haben Algenspezialisten des Berliner Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) drei Arten dieser Gattung (Cylindrospermopsis raciborskii, Anabaenopsis elenkinii und Aphanizomenon issatschenkoi) in dem mecklenburgischen See Lieps (bei Neubrandenburg) erneut nachgewiesen (erstmals 1990). Die Lieps ist das nördlichste bisher bekannte Fundgebiet der Art Cylindrospermopsis raciborskii.

Inzwischen haben Mitarbeiter des IGB sowie der Universitäten in Berlin und Cottbus zahlreiche Seen in Berlin und Brandenburg als Besiedlungsgebiet der genannten Blaualgenarten erkannt.

Deren eigentlicher Lebensraum sind die tropischen und subtropischen Zonen, doch drangen sie, zunächst über Südeuropa, immer weiter nordwärts vor.

Die Interpretation dieses Wanderzuges reicht von "bisher übersehen" bis "Resultat des global warming". Gegen ein "Übersehen" spricht, daß Wasserproben in den befallenen Gewässern seit vielen Jahren algenkundlich ausgewertet werden.

Vielmehr ist von einer Arealerweiterung dieser Arten auszugehen, über deren Ursachen derzeit nur spekuliert werden kann. Besonders günstige Ernährungsbedingungen in den Gewässern kommen ganz sicher auch in Betracht. Was das "global warming", betrifft, so geben die IGB-Experten zu bedenken, daß in den Jahren des Hauptvorkommens der Blaualgen die mittlere Wassertemperatur niedriger war als in Jahren geringerer Besiedlung.

Die Blaualgen könnten aber durch Mutation kälteresistenter geworden und an die Verhältnisse in kühleren Klimazonen besser angepaßt sein. Ein Projekt der ungarischen Limnologin Judit Padisák, Gastwissenschaftlerin am IGB, über die Expansion wärmeliebender Blaualgen in Gewässern verschiedener geographischer Zonen soll weiteren Aufschluß bringen.

Ansprechpartner im IGB:
Dr. Lothar Krienitz, Tel. 033082 699-0
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