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Jeder zweite Arbeitnehmer hat innerlich gekündigt

17.09.1998 - (idw) Technische Universität Dresden

Die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer hat ihren Job innerlich gekündigt. Sie sind oft krank, arbeiten unmotiviert, bringen keine eigenen Ideen mehr ein und lassen alles liegen, sobald die offizielle Arbeitszeit zuende ist. Zum 41. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Psychologie wird der Münchner Forscher Prof. Dr. Dieter Frey eine Studie vorstellen, die diese Aussage belegt.
Der Psychologe, der während des Kongresses mit dem Deutschen Psychologie-Preis 98 ausgezeichnet wird, hat gemeinsam mit seinen Mitarbeitern 3000 Arbeitnehmer aus Maschinenbau, Schiffbau, der Automobilindustrie, Pharmazie und von Versicherungen gefragt, wie zufrieden sie mit ihrer Arbeit sind, wie stark sie sich mit ihrer Arbeit identifizieren und wieviel Verantwortung sie in ihrem Job übernehmen.
Dieter Frey: "Das Ergebnis ist alamierend." Nur die Hälfte der Be-fragten ist bereit, sich für ihren Job einzusetzen. Alle anderen klagen über mangelnde Transparenz, fühlen sich von ihren Chefs schlecht behandelt und vermissen Rückmeldungen. In der Folge resignieren sie und setzen ihre Arbeit nur noch automatisch fort.
Für viele dieser Menschen beginnt das wertvolle Leben erst nach Feierabend. Gerade dadurch geht aber den Unternehmen wertvolles Potential verloren. Denn während engagierte Arbeitnehmer nach Dienstschluß erwiesenermaßen besonders kreativ werden und Ideen entwickeln, schalten ihre frustrierten Kollegen ab, sobald sie zu-hause sind. Dieter Frey: "Und die Unternehmen verlieren dadurch bares Geld."
Um das zu verhindern sollten Arbeitgeber nach den Ergebnissen des Forschers dafür sorgen, daß ihre Angestellten und Arbeiter mo-tiviert bleiben. Das gelingt vor allem durch kurze Wege, konstruktive Rückmeldung, durch Sinn- und Wissensvermittlung, klare Zielvere-inbarungen und größtmögliche Mitwirkung und -Gestaltung der Ar-beitnehmer. Dieter Frey: "Soetwas durchzusetzen ist natürlich schwer, weil gerade Führungskräfte um ihre Macht bangen." In ihren Augen verliert ihr Selbstwert, wenn sie ihre Macht teilen sollen. Darum sollten nach Meinung von Dieter Frey Trainings gerade hier ansetzen und den Führungskräften zeigen, daß das Interesse aller über dem Einzelinteresse steht. Dieter Frey: "Andere groß werden zu lassen, ist eben nicht gleichbedeutend mit Selbstwerteinbuße."

Jana Miesen
Telefon (03 51) 4 63-59 62 oder 32 59
Telefax (03 51) 4 63-72 95
e-mail: dgps98@rcs.urz.tu-dresden.de
http://physik.phy.tu-dresden.de/psycho/kongress/dgps98.html
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