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Preisregen für Albert-Ludwigs-Universität

14.12.1998 - (idw) Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Gleich drei Leibniz-Preise für Freiburger Wissenschaftler Rektor Jäjger gratuliert zum höchstdotierten deutschen Forschungspreis

14.12.1998


Preisregen für Albert-Ludwigs-Universität

Gleich drei Leibniz-Preise für Freiburger Wissenschaftler
Rektor Jäger gratuliert zum höchstdotierten deutschen Förderpreis

Der Hauptausschuß der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat am letzten Freitag, den 11. Dezember 1998, die Preisträger im Gottfried Wilhelm Leibniz-Programm der DFG für 1999 bestimmt. An die Freiburger Albert-Ludwigs-Universität gehen gleich drei der insgesamt zehn Preise, die in der Re-gel mit drei Millionen Mark dotiert sind. Stärker theoretisch, ohne größeren appa-rativen Aufwand arbeitende Wissenschaftler erhalten 1,5 Millionen Mark. Die Mittel sind für Forschungsarbeiten in einem Zeitraum von fünf Jahren vorgese-hen. Der Leibniz-Preis ist damit der höchstdotierte deutsche Förderpreis für Wis-senschaftler. Ziel des Leibniz-Programms, das 1985 eingerichtet wurde, ist es, die Arbeitsbedingungen herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissen-schaftler zu verbessern, ihre Forschungsmöglichkeiten zu erweitern, sie von ad-ministrativem Arbeitsaufwand zu entlasten und ihnen die Beschäftigung beson-ders qualifizierter jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu er-leichtern.

Aus gut 180 Vorschlägen, die u.a. von wissenschaftlichen Hochschulen, von der Max-Planck-Gesellschaft sowie von bisherigen Preisträgern eingegangen sind, wurden folgende drei Wissenschaftler der Albert-Ludwigs-Universität als Leibniz-Preisträger 1999 ausgewählt:

Professor Dr. Bernd Bukau (44), Institut für Biochemie und Molekurlarbio-logie (3 Millionen Mark)
Bernd Bukau studierte Biologie in Besançon, Santa Cruz und Konstanz; er ar-beitete zunächst als Lehrer in der Schule, bevor er in Konstanz in Mikrobiologie promovierte. Nach einer Postdoc-Zeit in den USA und anschließender Arbeit als Projektgruppenleiter im Zentrum für Molekulare Biologie in Heidelberg, übernahm er 1997 den Lehrstuhl für Biochemie an der Universität Freiburg. Das zentrale Thema seiner Arbeiten der letzten Jahre sind die molekularen Mechanismen der Proteinfaltung in der Zelle - eine der Grundfragen der Molekularbiologie. Hierbei konzentriert sich sein Interesse auf die Funktion und Regulation der sogenannten Chaperone, die in der Zelle bei der Faltung von Proteinen assistieren und diese kontrollieren. Besonders wichtig ist die Rolle der Chaperone unter Streßbedin-gungen, z. B. dem Hitzeschock, bei denen es in der Zelle zu Proteinmißfaltungen kommt. Seine neuesten Untersuchungen konzentrieren sich auf die Frage, in-wiefern und durch welchen Mechanismus verschiedene Chaperonsysteme in zellulären Faltungsprozessen als Teil eines funktionellen Netzwerkes kooperie-ren.

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Professor Dr. Ulrich Herbert (47), Historisches Seminar (1,5 Millionen Mark)
Nach dem Studium der Geschichte, Germanistik und Volkskunde arbeitete Ulrich Herbert zunächst als Gymnasiallehrer, bevor er 1985 in Essen promoviert wurde und sich sieben Jahre später habilitierte. Von 1992 bis 1995 leitete er die For-schungsstelle für Geschichte des Nationalsozialismus in Hamburg; seitdem ist er Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Freiburg. Ulrich Herberts Gebiet ist die Zeitgeschichte. Bereits seine Dissertation zum Thema "Fremdarbeiter" im Rahmen der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches verfolgte nicht lediglich die Wirtschafts- und Arbeitseinsatzpolitik der deutschen Behörden im Reich oder den besetzten Gebieten, sondern stellte darüber hinaus die spezi-fische, ideologisch bedingte Verschränkung von Sozialpolitik und Rassismus heraus. Wissenschaftlich besonders bekannt wurde Ulrich Herberts Monographie über Werner Best unter dem Titel "Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft", in der weltanschauliche Überzeugungen und rationale Umsetzung durch das Herrschaftssystem des Nationalsozialismus im Kontext gesehen werden. Diese Studie gilt zugleich als wegweisende Untersu-chung zur Kontinuitätsproblematik vor und nach 1945 sowie zur Verdrängungs-arbeit politischer und gesellschaftlicher Eliten in der frühen Bundesrepublik. Nach Auffassung des Nominierungsausschusses wird mit Ulrich Herbert ein junger Historiker ausgezeichnet, der in der aktuellen Diskussion um die jüngere deut-sche Vergangenheit ein gewichtiges Wort zu sprechen hat.

Professor Dr. Joachim Ullrich (42), Physikalisches Institut (3 Millionen Mark)
Joachim Ullrich studierte Experimentalphysik an der Universität Frankfurt am Main, wo er 1987 am Institut für Kernphysik promovierte und sich 1994 habili-tierte. 1997 erhielt er einen Ruf auf seinen jetzigen Lehrstuhl an der Universität Freiburg. In der Zwischenzeit arbeitete er als eine Art wissenschaftlicher Globe-trotter an verschiedenen Instituten in unterschiedlichen Ländern, wobei es ihm fast immer um die Impuls- und Energieanalyse der bei den Stoßprozessen von Elementarteilchen entstehenden Atombruchstücke ging. Für die simultane Mes-sung von Impuls und Energie mehrerer Fragmente hat Joachim Ullrich die so-genannte Rückstoßionen-Impuls-spektroskopie entwickelt. Der Anwendungsbe-reich derartiger Meßanlagen reicht von Zerfallsprozessen im atomaren Bereich bis zu Impulsverteilungsmessungen von Elektronen bei Festkörper- und Oberflä-chenuntersuchungen.

Der Rektor der Albert-Ludwigs-Universität, Professor Dr. Wolfgang Jäger, gra-tulierte den drei Preisträgern ausdrücklich zu ihrem spektakulären Erfolg. "Es ist eine absolute Ausnahme, daß allein drei von zehn Preisen gleich an eine Hoch-schule in Deutschland gehen", freut sich Rektor Jäger über diesen Preisregen für die Albert-Ludwigs-Universität. Jägers Freude ist deshalb um so größer, da die Bewerber vom Rektor persönlich vorgeschlagen werden. "In seiner Wertigkeit ist der Leibniz-Preis im deutschen Wissenschaftssystem vergleichbar mit dem No-belpreis", betont der Freiburger Universitäts-Rektor und fährt fort: "Daß der Frei-burger Universität von zehn Preisen allein drei Auszeichnungen zugesprochen wurden, ist Ausdruck der hohen Forschungsqualität an unserer Universität". Von der Landesregierung in Stuttgart erhofft sich Rektor Jäger eine Honorierung die-ser Auszeichnung: "Schließlich ist ständig von einer leistungsorientierten Mittel-vergabe an die Hochschulen des Landes Baden-Württemberg die Rede."

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