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Winterlarven gehen unter dem Schnee auf Pirsch

15.12.1998 - (idw) Senat der Bundesforschungsanstalten im Geschäftsbereich des BMVEL

Weichkäfer gehören zu den häufigsten Käfern in Mitteleuropa. Im Hochsommer tummeln sich die länglichen, meist rotschwarz gefärbten Sechsbeiner gern in großer Zahl auf Doldenblütlern. Wenig bekannt sind allerdings ihre Larven, die sich einen außergewöhnlichen Lebenswandel leisten: Sie leben im Winterhalbjahr und sind in teilweise hoher Dichte auf Ackerflächen aktiv. Wissenschaftler der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) in Braunschweig haben sich im Schnee auf die Suche gemacht.


Weichkäfer auf einer Gerstenähre. Die Larven sind im Winter häufig auf Äckern zu finden.
Die winteraktiven Larven der Weichkäfer werden auch "Schneewürmer" genannt. Insektenkundler sind auch nur Menschen. Deshalb ziehen es die meisten vor, in den wärmeren Zeiten des Jahres ins Freiland zu gehen und wintertags im geheizten Labor die Fänge des Sommers aufzuarbeiten. Mit Recht, denn auch von den meisten Kerbtieren ist im Winter draußen kaum etwas zu sehen. Sie überdauern an geschützten Stellen und warten auf bessere Zeiten. Es gibt allerdings auch Ausnahmen.

Die Larven der Weichkäfer (Canthariden) gehören dazu. Sie haben sich darauf spezialisiert, im Winter, wo es für sie außer klirrender Kälte nur wenig natürliche Feinde gibt, ein aktives Leben zu führen. Die BBA-Wissenschaftler Christa Langenstück und Dr. Udo Heimbach sind ihnen auf der Spur gewesen. Mit Hilfe von Bodenfallen fingen sie auf Ackerflächen in der Umgebung von Braunschweig zahlreiche dieser dunklen, samtig behaarten Larven, die auch Schneewürmer genannt werden. Um sie näher zu bestimmen, mußten die Larven im Labor zu erwachsenen Käfern großgezogen werden. Es zeigte sich, daß den Agrarökologen Exemplare aus neun verschiedenen Arten in die Fallen gegangen waren.

Die Tiere waren auch bei leichtem Frost aktiv. Erst bei Temperaturen von unter -10 °C nahm ihre Aktivität auf den Äckern deutlich ab. In ihrem Freßverhalten waren die Larven im Labor nicht wählerisch, sie bevorzugten allerdings tierische Kost (Insektenlarven und -puppen). Bei rein pflanzlicher Ernährung brauchten sie länger für ihre Entwicklung, und ihre Sterblichkeitsrate war erhöht.

Die Forscher aus der Biologischen Bundesanstalt schätzen, daß die Larven durchaus eine Bedeutung als Gegenspieler von Schädlingen in Agrarbiotopen, zum Beispiel überwinternden Blattläusen oder Ackerschnecken, haben. Aufgrund ihrer anhaltenden Aktivität auch in Kälteperioden könnten sie diese Schaderreger dezimieren und damit deren Startpopulation im Frühjahr senken. In Modellversuchen im Freiland zeigten die beiden winterharten Wissenschaftler, daß Canthariden-Larven den Blattlausbefall im Winterweizen reduzieren, sofern die Läuse im unteren Bereich der Pflanzen saugen.


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