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Bergung Filchner-Station, Antarktis

15.12.1998 - (idw) Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung

"Polarstern" gut gerüstet in die Antarktis
Bergung der Filchner-Station auf dem Programm

Nach einer zweimonatigen Generalüberholung in der Lloydwerft Bremerhaven startet das deutsche Forschungsschiff "Polarstern" in der Nacht vom 15. auf den 16. Dezember in die Antarktis. Von Januar bis Mai 1999 wird das Schiff des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) für ozeanographische und biologische Untersuchungen im antarktischen Weddellmeer unterwegs sein. Neben dem wissenschaftlichen Programm sind die Versorgung der deutschen Überwinterungsstation Neumayer und die Bergung der Filchner-Sommerstation geplant. Die Bergung hat bei dieser "Polarstern" Reise eine hohe Priorität. Die unbemannte Station befindet sich auf einer 2900 Quadratkilometer großen Eisinsel, die sich Anfang Oktober vom Filchner-Rønne-Schelfeis gelöst hatte und nun im Weddellmeer driftet. Nach der gegenwärtigen Planung und Einschätzung der Eisverhältnisse wird "Polarstern" um den 25. Januar 1999 die Eisinsel erreichen und mit den Bergungsarbeiten beginnen.
Zunächst jedoch ist auf dem Weg nach Kapstadt, während des ersten Fahrtabschnitts, eine letzte Überprüfung aller Umbauten und Neuinstallationen vorgesehen, die im Rahmen einer Grundüberholung von FS "Polarstern" in den letzten acht Wochen auf der Lloyd-Werft durchgeführt wurden. Am 9. Januar beginnt der zweite Fahrtabschnitt, und die "Polarstern" setzt ihren Weg in Richtung Antarktis zur Neumayer-Station fort, um diese mit Material und Treibstoff zu versorgen. Mit an Bord ist dann auch das neue Überwinterungsteam (zwei Frauen, sieben Männer), die ihre Kollegen an der Station nach fast fünfzehn Monaten ablösen. Außerdem werden Personal und Material für die Feldprogramme entladen. Zu diesen gehört z.B. der vierte Abschnitt der Vorerkundung für das europäische Projekt einer tiefen Eisbohrung in Dronning Maud Land. Die Polarflugzeuge des AWI sind an der Prinsesse Märtha Küste mit Magnetik- und Gravimetriemessungen eingesetzt, um weitere Daten zur Struktur des Untergrundes der Antarktis zu erheben.
Schwerpunkt des wissenschaftlichen Programms auf der "Polar-stern" ist die Ozeanographie. Dazu gehört die Aufnahme von Verankerungen mit Strömungsmessern, die 1998 am Kontinentalab-hang westlich des Filchnergrabens ausgebracht wurden, und von Pegelverankerungen. Hydrographische Schnitte werden ausgeführt, um den Austausch der Wassermassen zwischen dem Hohlraum unter dem Schelfeis und dem offenen Weddellmeer zu erfassen. Zur Untersuchung der Eisbergdrift sollen zehn Eisberge mit Satellitensendern markiert werden, um sie über ein Jahr zu verfolgen. Vier meteorologische Bojen werden für das Bojennetz des Weltklimaforschungsprogramms auf Eisschollen ausgebracht. Eine Boje mit ozeanographischen Sensoren in der Nähe des Eisbergs mit der Filchner-Station soll Daten über die Abgabe und Auswirkung von Schmelzwasser dieses Eisbergs liefern.
Während des dritten Fahrtabschnitts vom 18. März bis zum 10. Mai stehen Untersuchungen zum globalen Kohlenstoffkreislauf im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeit an Bord. Sie sind Teil der internationalen Joint Global Ocean Flux Study (JGOFS). Hierbei sollen jene Prozesse quantitativ erfaßt werden, die an der Kohlendioxidaufnahme des Ozeans aus der Atmosphäre, dem Einbau in organische Verbindungen durch Algen und dem Transport in die Tiefen des Meeres maßgeblich beteiligt sind. Die diesjährige Expedition soll klären, wie sich im April/Mai die Entwicklung nach der anfänglichen Algenblüte fortsetzt und welche Menge organischen Kohlenstoffs schließlich gegen Ende der Wachstumsperiode als totes Material in größere Meerestiefen absinkt.

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