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Prof. Dr. Karl Schneider gestorben

28.12.1998 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Emeritierter Lehrstuhlinhaber für Englische Philologie und langjähriger Direktor des Englischen Seminars der Universität Münster

Prof. Dr. Karl Schneider, emeritierter Lehrstuhlinhaber für Englische Philologie und langjähriger Direktor des Englischen Seminars der Universität Münster, ist am 26. Dezember 1998 im Alter von 86 Jahren gestorben. Der Sprachwissenschaftler lehrte und forschte von 1953 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1977 an der Westfälischen Wilhelms-Universität.

Der aus Brückrachdorf (Kreis Neuwied) stammende Wissenschaftler studierte von 1932 bis 1936 an der Universität Gießen Anglistik, Germanistik, Vergleichende Sprachwissenschaft, Romanistik und Philosophie. 1936 promovierte er mit einer Arbeit aus dem Bereich der Vergleichenden Sprachwissenschaft. Die Universitäten Gießen, Marburg und Manchester (Großbritannien), wo er als "German Assistant" zwei Jahre tätig war, bildeten die nächsten Stationen des Sprachwissenschaftlers. In Marburg habilitierte sich Schneider 1951 mit einer grundlegenden Untersuchung zur Deutung der germanischen Runennamen, die ihn zu einer international anerkannten Autorität auf dem Gebiet der Runenforschung machte.

1953 kam er nach Münster und übernahm eine Diätendozentur an der Westfälischen Wilhelms-Universität, wo er im folgenden Jahr zum Professor ernannt wurde. Von 1959 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1977 war Prof. Schneider Lehrstuhlinhaber für Englische Philologie und Direktor des Englischen Seminars der Universität Münster. Ehrenvolle Rufe an andere Universitäten lehnte er in den Jahren 1953 und 1958 ab.

In den 24 Jahren seiner Lehr- und Forschungstätigkeit an der Universität Münster hat sich Prof. Schneider besonders um die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses gekümmert. Unter seiner Leitung entstanden zahlreiche hervorragende Dissertationen, die Schüler von ihm sind heute als anglistische Lehrstuhlinhaber im In- und Ausland tätig.

Als Dekan der Philosophischen Fakultät in den Jahren 1965 und 1966, als Mitglied im Senat und in anderen Gremien der Universität Münster hat sich Prof. Schneider auch um die akademische Selbstverwaltung verdient gemacht.

Das wissenschaftliche Interessengebiet des Anglisten umspannte den Gesamtbereich der Englischen Philologie und Sprachgeschichte: altenglische und mittelenglische Literatur, vergleichende indogermanische Sprachwissenschaft und Kulturgeschichte, englische Versgeschichte und englische Lyrik der Moderne. Prof. Schneider hat jeden seiner Forschungsgegenstände nie isoliert, sondern stets im gesamtkulturellen Kontext gesehen; dadurch gelangen ihm Einsichten von überzeugender Aussagekraft.

Anläßlich seines 70. Geburtstages wurde Prof. Schneider von Freunden und Schülern mit einer Festschrift geehrt, deren Beiträge auf die reiche Vielfalt seines Schaffens aufmerksam machten.

Prof. Schneider hatte sich in den letzten Jahren durch intensive Beschäftigung mit dem Sprach- und Kulturkreis Japan ein ganz neues Gebiet erschlossen. Bei seinen Besuchen in Japan hielt er Vorträge über die Entwicklung der englischen Dichtung des aus gehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts sowie über altenglische Heldendichtung. Zu Prof. Schneiders großer Freude veröffentlichte die Sophia-Universität in Tokio Vorlesungen, die er dort über das altenglische Heldenepos "Beowulf" gehalten hatte.

Einen Höhepunkt der intensiven Kontakte bildete 1994 die Gründung des mit 500.000 US-Dollar ausgestatteten "Schneider-Sasakawa-Fonds", der seitdem Studierenden und Wissenschaftlern der Philosophischen Fakultät einen Aufenthalt in Japan ermöglicht. Prof. Dr. Shoichi Watanabe von der Sophia-Universität, einer der Mit-Direktoren der japanischen "Sasakawa Foundation", hatte diesen Stipendienfond aus Dankbarkeit gegenüber seinem Doktorvater Prof. Schneider initiiert.

In seiner Arbeit als Forscher und Hochschullehrer hat es Prof. Dr. Karl Schneider verstanden, philologische Akribie mit originellen, von persönlichem Engagement getragenen Ansätzen zu verbin den. Seine Lehrveranstaltungen trugen immer die Prägung sorgfältig ausgearbeiteter Systematik; dies half seinen Hörern sehr, sich einen Zugang zu der ihnen bis dahin unvertrauten Materie zu verschaffen.

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