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Neue Brust aus körpereigenem Gewebe

11.01.1999 - (idw) Klinikum der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Der Brustkrebs ist heute die häufigste bösartige Geschwulst der Frau. Statistisch wird jede 16. Frau im Verlaufe ihres Lebens an einem Mammakarzinom, so die medizinische Bezeichnung, erkranken. Nicht immer kann bei der Tumorentfernung die Brust erhalten werden. Oft müssen große Anteile entfernt oder sogar die gesamte Brust abgenommen werden. Aus körpereigenem Gewebe kann eine neue Brust geformt werden.

Allein 1997 waren weltweit beinahe acht Millionen Frauen von einem Brustkrebsleiden betroffen. Das Mammacarcinom, so der medizinische Fachbegriff, stellt damit die häufigste Krebserkrankung der Frau dar. Die frühe Erkennung ist wie bei allen Krebserkrankungen sehr wichtig. Je früher die Diagnose gestellt werden kann, desto besser sind die Heilungsaussichten und die Chancen, daß bei der Tumorentfernung die Brust erhalten werden kann. Leider kann nicht immer "erhaltend" operiert werden. Dies hängt unter anderem von der Größe des Tumors ab. Zudem kann eine Teilerhaltung der Brust zu einem ästhetisch schlechten Ergebnis führen. Dann ist es notwendig, sogar die gesamte Brust zu entfernen. Neben der Diagnose belastet die resultierende Deformation bzw. der Verlust der Brust die Patientinnen ganz erheblich.

Die Korrektur bzw. die Wiederherstellung nach einer Amputation kann durch Ersatz des entfernten Gewebes erfolgen. Die Möglichkeiten der Brustrekonstruktion sind vielfältig. Prinzipiell unterscheidet man zwischen der Verwendung von Fremdmaterial in Form von Brustimplantaten und Methoden für die körpereigenes Gewebe zur Formung der neuen Brust verwandt werden.

Hierbei wird in einer drei- bis fünfstündigen Operation Gewebe vom Rücken, Unterbauch oder Gesäß entnommen und an neuer Stelle zur Brust geformt. Dabei können Muskel-, Fett- sowie Hautanteile verpflanzt (transplantiert) werden. Anwachsen und überleben kann das so transplantierte Gewebe aber nur, wenn die für seine Ernährung wichtigen Blutgefäße bei der Entnahme erhalten und an neuer Stelle wieder an den Blutkreislauf des Körpers angeschlossen werden. Die frisches Blut zuleitenden Gefäße (Arterien) und die das sauerstoffarme Blut abführenden Gefäße (Venen), die einen Durchmesser von nur ein bis zwei Millimeter aufweisen, werden dazu an entsprechende Gefäße genäht. Das kann nur mit einem speziellen Operationsmikroskop erfolgen, denn das verwendete Nahtmaterial aus Kunststoff ist dünner als ein Haar. Mit diesen Methoden der Brustrekonstruktion durch patienteneigenes Gewebe kann die Verwendung von Implantaten vermieden und ein gutes optisches Ergebnis erzielt werden.

Die Wahl der zur Verfügung stehenden Methoden wird in Abhängigkeit der vorangegangenen Operation und erst nach einem ausführlichen und unverbindlichen Aufklärungsgespräch in dem die Vor- und Nachteile der verschiedenen Methoden besprochen werden gemeinsam mit der Patientin getroffen. Die Gewebeentnahme aus dem Bauch bietet sich natürlich bei vielen Frauen wegen des meist vorliegenden Überschusses in diesem Bereich an. Kann aufgrund von Voroperationen das Gewebe dort nicht entnommen werden bieten meistens noch der Rücken oder das Gesäß ausreichende Mengen. Die Entscheidung wird für jede Patientin individuell getroffen. In einigen Fällen können für eine gewisse Zeit auch sogenannte Expander zur Anwendung kommen. Hierbei handelt es sich um auffüllbare Kammern, die unter die Haut gebracht und ihrer Dehnung dienen. Ist die Haut erst einmal wieder auf Brustgröße gebracht, kann der Expander entweder durch ein Implantat oder wie oben beschrieben, durch patienteneigenes Gewebe ersetzt werden. Bei der Wahl der Schnittführung wird natürlich darauf geachtet, daß entstehende Narben so unsichtbar wie möglich gelegt werden.

Die Kosten für eine solche Operation an die sich einige Tage stationäre Behandlung in der Klinik anschließen, übernimmt in der Regel die Krankenkasse.

Autoren: Prof. Dr. Wolfgang Schneider und Dr. Marcus Ernest Tammer, Klinik für Plastische, Wiederherstellungs- und Handchirurgie am Universitätsklinikum Magdeburg, Tel. 0391/ 67 15519, http://www.med.uni-magdeburg.de/fme/zchi/kpwh/

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