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Wenn sich künstliche Gelenke lockern

12.01.1999 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Jedes Jahr werden in Deutschland rund 80.000 Menschen mit einem künstlichen Hüft- oder Kniegelenk versorgt. Der Einsatz einer solchen Endoprothese aus Stahl oder Titan befreit die Patienten von ihren durch Erkrankungen oder Verschleiß verursachten Gelenkbeschwerden und verhilft ihnen zu neuer Bewegungsfreiheit. Die künstlichen Gelenke halten jedoch nicht ewig, sondern beginnen sich vielmehr im Schnitt nach etwa zehn Jahren zu lockern. Mit der Problematik von Endoprothesenlockerungen beschäftigen sich an die 300 Mediziner am Freitag und Samstag kommender Woche, 22./23. Januar 1999, bei einer Tagung der Klinik für Allgemeine Orthopädie der Universität Münster.

Im Rahmen dieser Veranstaltung wird über das Vorgehen bei septischer oder aseptischer Endoprothesenlockerung kontrovers diskutiert. Während eine septische Lockerung durch eine Infektion im Bereich des künstlichen Gelenks hervorgerufen wird, können die Ursachen für eine aseptische Lockerung vielfältig sein: Häufig handelt es sich um eine allmähliche Auflösung des beim Einsatz der Endoprothese verbrauchten Zements, andere oder zusätzliche Ursache kann ein durch ständige Beanspruchung aufgetretener Abrieb der aus Polyethylen bestehenden Oberfläche des künstlichen Gelenks sein.

Wenn sich ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk lockert steht über kurz oder lang eine Wechseloperation, das heißt der Austausch der gelockerten Endoprothese durch eine neue, an. Eine solche Wechseloperation ist aber nicht ohne Probleme. Da beim Entfernen des alten Gelenks in der Regel auch Knochengewebe mit entfernt wird, muß die neue Prothese entsprechend länger sein, was die Implantation erschwert. Darüber hinaus ist das Weichteilgewebe, mit dem das Kunstgelenk abgedeckt wird, durch die vorangegangene Operation meistens geschädigt beziehungsweise vernarbt, was nach Wechseloperationen wiederum Infektionen Vorschub leisten kann.

Nicht selten erhalten Patienten im Laufe ihres Lebens nicht nur einmal, sondern aufgrund der sich wiederholten Lockerungen gleich mehrmals ein neues Gelenk. Mit jeder Wechseloperation wachsen jedoch aufgrund schwindenden oder geschädigten Knochen- und Weichteilgewebes die Schwierigkeiten bei der Implantation. Aus diesem Grund richten die Orthopäden ihre Anstrengungen darauf, die Haltbarkeitsrate der Endoprothesen zu verlängern. Gewisse Erfolge sind hier in den letzten Jahren bereits erzielt worden. Im Rahmen der Tagung in Münster wird unter anderem darüber berichtet, wie durch Zusatz von Antiobiotika zum Zement die Keimabwehr gesenkt und damit das Auftreten septischer Lockerungen hinausgeschoben oder gar verhindert werden kann. Ein weiterer Anastz, der in Münster ebenfalls vorgestellt wird, ist die Bestrahlung zur Vorbeugung von Weichteilverknöcherungen.

Neben neuen Materialien und neuen OP-Techniken beim Einsatz künstlicher Gelenke diskutieren die Orthopäden auch über den richtigen Zeitpunkt von Wechseloperationen. Denn das richtige Timing für die Implantation eines neuen Gelenks ist für den Erfolg der Operation von entscheidender Bedeutung. Wenn beispielsweise eine Infektion Auslöser für eine Lockerung war, so muß in jedem Fall das Abklingen der Entzündung abgewartet werden.

Die Tagung zum Thema "Aspetische und septische Endoprothesenlockerungen" findet in der Reihe "Münsteraner Streitgespräche" statt und beginnt am 22. Januar um9 Uhr im Lehrgebäude des Zentralklinikums der Westfälischen Wilhelms-Universität. Die wissenschaftliche Leitung der Veranstaltung liegt bei Prof. Dr. Winfried Winkelmann, Direktor der Klinik für Allgemeine Orthopädie der Universität Münster, und seiner Mitarbeiterin Dr. Susanne Fuchs.
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