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Studentenfreundlich und anwendergerecht

12.01.1999 - (idw) Universität Ulm

Landeslehrpreis Baden-Württemberg;
Kooperationspreis Wissenschaft-Wirtschaft für gentechnologisch hergestellten Thyreotropin-Rezeptor und neuartiges Nahfeldmikroskop

Studentenfreundlich und anwendergerecht
Verleihung des Landeslehrpreises und des Kooperationspreises Wissenschaft-Wirtschaft 1998/99

Zwei Auszeichnungen mit Tradition werden in einen gemeinsamen Festakt der Universität Ulm am 15. Januar 1999 verpackt: der in diesem Jahr zum sechsten Mal vergebene, mit 20.000 Mark dotierte Landeslehrpreis geht in Ulm an Prof. Dr. Uwe Schöning, Leiter der Abteilung Theoretische Informatik; den Kooperationspreis Wissenschaft-Wirtschaft, 1995 an der Universität Ulm eingerichtet und mit insgesamt ebenfalls 20.000 Mark dotiert, teilen sich Prof. Dr. Ulrich Loos, Abteilung Innere Medizin I, und die Physiker Dr. Olaf Hollricher, Wolfgang Ibach und Prof. Dr. Othmar Marti, Leiter der Abteilung Experimentelle Physik.

Perlen der Informatik

Didaktisch durchdachter Aufbau, brillante Präsentation und exzellente Skripten gelten unter Ulmer Studierenden als Markenzeichen des Unterrichts von Schöning, der sich außerdem als Autor mehrerer einschlägiger Standardwerke (erst kürzlich erschienen "Perlen der Informatik" und "Algorithmen - kurzgefaßt") einen Namen gemacht hat. Mit 43 Jahren jüngster Ordinarius der Ulmer Fakultät für Informatik und zudem einer ihrer Gründungsprofessoren, hat Schöning Curriculum und Prüfungsordnung des Ulmer Diplom-Studiengangs maßgeblich mitgestaltet - eine Prüfungsordnung übrigens, deren Fassung von 1993 bereits viele der jetzt aktuellen Innovationen wie zum Beispiel studienbegleitende Prüfungen vorwegnahm. Als Fachautor, Referent und Organisator einschlägiger Kongresse genießt er auch internationales wissenschaftliches Renommee.

Rezeptor aus der Retorte

Die Anwendung von Gentechnologie und Molekularbiologie bei Schilddrüsenerkrankungen steht im Mittelpunkt der Forschungen von Prof. Dr. Ulrich Loos. In Zusammenarbeit mit der Firma BRAHMS Diagnostika GmbH, Berlin, gelang ihm und seiner Arbeitsgruppe zuletzt die weltweit erstmalige gentechnische Herstellung eines funktionsfähigen Thyreotropin-Rezeptors. Mit seiner Hilfe können körpereigene TSH-Rezeptor-Antikörper und die von ihnen verursachte Basedow-Krankheit analysiert werden - ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einer besseren Diagnostik.

Loos' Partnerfirma verdankt dem 1996 gestarteten Kooperationsprojekt zwei internationale Patente nebst technischem Know-how für die TSH-R-Autoantikörper-Bestimmung. Die Universität Ulm erhielt Drittmittel sowie Apparate und weiteres Arbeitsmaterial. Die TSH-R-Herstellung in der Retorte bedeutet einen wissenschaftlichen Durchbruch. Bis heute hat sich die Arbeit in vier Publikationen, drei Vorträgen auf internationalen Kongressen und zwei Dissertationen niedergeschlagen.

Mit der gentechnologischen Verfügbarkeit von TSH-R sind zugleich die Weichen für ein neues Verfahren der Basedowtherapie gestellt: die medikamentöse Induktion der TSH-R-Toleranz durch Dämpfung der T-Zell-Aktivität. Dazu muß der Rezeptor in großem Maßstab hergestellt werden, wofür Loos bereits ein weiteres Kooperationsprojekt aufgelegt hat, diesmal mit der Boehringer-Ingelheim-Pharma KG, Biberach.

Kombi-Präzisionsmikroskop

Die Kooperation der Abteilung Experientelle Physik, namentlich ihres Abteilungsleiters Prof. Dr. Othmar Marti und seiner Mitarbeiter Dr. Olaf Hollricher und Wolfgang Ibach, mit der Ulmer Firma WITec, Wissenschaftliche Instrumente und Technologie GmbH, ist sozusagen ein Familienprojekt, die WITec nämlich ihrerseits eine Ausgründung der Abteilung. Die Jungunternehmer - zu ihren Kunden gehören Industriegiganten wie die BASF oder Henkel - sind Experten für Hochleistungsmikroskope, genauer gesagt: für Entwicklung, Aufbau und Vertrieb von anwendergerechten Spezialentwicklungen auf der Grundlage der Rastersondenmikroskopie, die einen Forschungsschwerpunkt der Abteilung Experimentelle Physik bildet. Jüngstes Produkt ist ein kombiniertes optisches Mikroskop, das die guten Bedieneigenschaften des konventionellen mit der überragenden optischen Auflösung des neuartigen Nahfeldmikroskops vereint. Optische Nahfeldmikroskope unterlaufen die beim herkömmlichen Mikroskop gegebene Begrenzung des Auflösungsvermögens durch die Länge der Lichtwellen auf die Weise, daß sie statt einer Linse eine optische Apertur (Eingang) benutzen, deren Durchmesser viel kleiner als die verwendete Lichtwellenlänge ist. Bei der Aufnahme muß die Apertur in exakt gleichbleibendem Abstand von wenigen Nanometern über die Probe geführt werden. Als Nebenprodukt erhält der Anwender dabei zusätzlich ein nanometergenaues Topographiebild der Probe.

Die Preisverleihung findet am Freitag, dem 15.1.1999, 10.00 Uhr im Hörsaal 20 der Universität Ulm auf dem Oberen Eselsberg statt. Auf dem Programm steht neben einer Ansprache des baden-württembergischen Ministers für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Klaus von Trotha, ein Festvortrag von Dr. Augustin Siegel, Bereichsleiter Forschung und Technologie der Firma Carl Zeiss, Oberkochen, zum Thema "Know-how-Transfer Universität - Industrie: Gibt es Verbesserungspotential?"

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