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Drachen zeigen Zähne auf kaiserlicher Kleidung

13.01.1999 - (idw) Universität Dortmund

"Chinesische Drachenrobenfragmente aus der Ming- und Qing-Dynastie". Das ist der Titel einer ungewöhnlichen Ausstellung, die Studierende des kulturgeschichtlichen Studiengangs "Vergleichende Textilwissenschaft" an der Universität Dortmund erarbeitet haben. Das Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. Heide Nixdorff wurde bereits im Mitte Dezember im Foyer der Bibliothek vorgestellt. Es konnte aber kurzfristig auch noch in die Ausstellungen anläßlich der 3. Dortmunder Forschungstage im Dortmunder Harenberg City Center (25. bis 28. Januar 1999) einbezogen werden.

Die Ausstellung erlaubt einen Blick in wissenschaftliche Arbeit am Institut für Textilgestaltung / Kulturgeschichte der Textilien. China als Wiege für diverse textile Technologien hat über Handelswege (u. a. die Seidenstraße) einen bedeutenden Einfluß auf die asiatische und europäische Kulturgeschichte der Textilien genommen.

Die systematische Aufarbeitung geschichtlicher Dokumente über das Gewinnen pflanzlicher Rohstoffe, über die Faseraufbereitung, Seidenraupenzucht, Spinnerei, Haspelei und Entwicklung der Webstuhltechnologie, zum wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Umfeld sowie zur Ikonographie textiler Dokumente ermöglicht exemplarisch einen komplexen Zugang zum kulturwissenschaftlichen und kulturvergleichenden Arbeiten.

Die vier ausgestellten Stofffragmente wurden in zwei Seminaren zur "Analyse und Interpretation historischer Textilien" bearbeitet. Aufgabe war, die Textiltechnologie, die semantischen Ebenen des Bildes, Kanon und Stil, Fragen zu Herkunft und Gebrauch zu ermitteln. Die Objekte entstammen en dem Gewandtyp der Drachenrobe, dem jifu. Dieses charakterisiert seinen Träger als Repräsentanten der Mitte, als Bindeglied zwischen spiritueller und materieller Welt: das Gewand als Universum, der Kragen als Tor zum Himmel, der Kopf in der Sphäre des Geistigen.

Dieser Kanon erfährt in der Ming- Dynastie (1368 - 1644) eine ikonische Fixierung, die sich bis zum Untergang des chinesischen Kaiserreiches (1911) erhält. Die vordergründige, rasch lesbare semantische Struktur ist von einer zweiten durchsetzt, von Symbolen und Schriftzeichen, die die Gewänder bestimmten Rängen und Personen zuordnen: der kaiserlichen Familie oder auserwählten Hofbeamten bzw. hohen Würdenträgern von Tributvölkern.

Stilistische Veränderung, besonders an den Naturformen, gehen häufig mit Regierungswechseln einher und lassen auf Neubesetzungen in den Webereien schließen. Das Studium dieser Inhalte vermittelt ein textilwissenschaftliches Grundwissen, eröffnet kontextuelle Fragen zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte und bietet - durch die zugrundeliegende dualistisch geprägte Weltsicht - ein Beispiel für einen Bekleidungsstil einer hierarchischen Gesellschaftsstruktur. In China findet sie ihren Niedergang mit der Übernahme europäischer Moden gegen Ende des ersten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts.
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