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Neues Institut für Minimal-invasive therapeutische Interventionen

13.01.1999 - (idw) Technische Universität München

High-Tech-Operationstrakt in Betrieb genommen

An der Chirurgischen Klinik und Poliklinik der TU München im Klinikum rechts der Isar wurde soeben der modernisierte und mit neuester Technik ausgestattete Operationstrakt in Betrieb genommen. Der integrierte interventionelle Arbeitsplatz ist im Rahmen der Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten des neuen Instituts für Minimal-invasive therapeutische Interventionen (MITI) entstanden.


Der interventionelle Arbeitsplatz im High-Tech Zeitalter

In der Chirurgie vollzieht sich der dritte historische Wandel in der Geschichte dieses Zweigs der Medizin als wissenschaftliches Fach: Nach der Phase der großartigen Pionierleistungen am Ende des letzten und zu Beginn dieses Jahrhunderts (Eroberung von Organen und Körperhöhlen) und der darauf folgenden Entwicklung von Rekonstruktionsmethoden (bis hin zur Organtransplantation) ist die neue Phase charakterisiert durch das Streben nach größerer Effizienz, Minimierung von Aggressivität bzw. Invasivität des chirurgischen Eingriffs und der zunehmenden Beachtung der postoperativen Lebensqualität. Diese Ziele können nur durch die umfassende Nutzung moderner Hochtechnologie erreicht werden.

Voraussetzung dafür ist unter anderem eine entsprechend moderne technische Infrastruktur in den Operationssälen, die heute treffend als "Interventionsarbeitsplätze" bezeichnet werden sollten, da der eigentliche operative Eingriff im traditionellen Sinn zwar immer noch vorrangig ist, aber auch andere invasive Behandlungsverfahren ergänzend durchgeführt werden (z.B. Endoskopie, Angiographie usw.).

Am TUM-Klinikum rechts der Isar wird daher jetzt der neue High-Tech-Operationstrakt in Betrieb genommen, der allen Anforderungen der modernen minimal-invasiven Chirurgie gerecht wird und durch den Einsatz innovativer Techniken zukunftsweisende Maßstäbe setzt. Bei der Modernisierung des OP-Traktes wurde insbesondere die Anbindung an ein Hochleistungsnetz zur schnellen Datenübertragung berücksichtigt. Außerdem ist der Arbeitsplatz mit modernen Displays, insbesondere für kombinierte laparoskopisch-endoskopische Eingriffe ausgestattet. Alle Endgeräte für die Telekonsultation und Telepräsenz sind installiert und ermöglichen, daß während einer Operation räumlich entfernt arbeitende Spezialisten zur Diagnostik und Therapieplanung hinzugezogen werden können. Gerade für Anwendungen der Telemedizin ist eine hervorragende technische Ausstattung erforderlich, die eine gute Bild- und Sprachqualität garantiert. Der Prototyp einer Telestrationseinheit - bestehend aus OP-Leuchte mit integrierter Kamera und Laserpointer - wird im neuen High-Tech-OP bereits eingesetzt. Sie gewährt dem Konsiliar den genauen Einblick in das Operationsfeld und ermöglicht ihm, per Laserpointer auf bestimmte Stellen zu verweisen. Diese Technik wird derzeit noch erprobt und weiterentwickelt. Später könnte sie in medizinisch unterversorgten Regionen der dritten Welt oder in Flächenstaaten sinnvoll eingesetzt werden. Im High-Tech-OP kann sich der Operateur intraoperativer Navigationssysteme bedienen. Dabei lokalisiert ein Sensor unter dem OP-Tisch das Untersuchungsinstrument, das der Chirurg führt. Diese teilweise noch experimentelle Technik ermöglicht es, beispielsweise ein Ultraschallbild in eine 3D-Darstellung umzuwandeln.


Das Institut für minimal-invasive therapeutische Interventionen (MITI)

Die Einrichtung dieses zukunftsweisenden OP-Traktes am Klinikum rechts der Isar ist ein wichtiger Aspekt der Forschungs- und Entwicklungsinitiative der TUM auf dem Gebiet der Medizintechnik und integraler Bestandteil der Aufgaben des "Instituts für Minimal-invasive therapeutische Interventionen" (MITI), das eigens gegründet wurde. Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines interdisziplinären gastroenterologisch-chirurgischen Arbeitsplatzes. Hier sollen alle Untersuchungsbefunde der präoperativen Diagnostik dem Operateur während des Eingriffs verfügbar gemacht werden. Die interaktive Betrachtung der mit unterschiedlichen Methoden und bildgebenden Verfahren gewonnenen Befunde kann Ausgangspunkt für völlig neue therapeutische Strategien sein. Zudem wird durch die Vernetzung verschiedener medizinischer Disziplinen auch eine schnellere und sicherere Diagnostik ermöglicht. So können Qualität und Effizienz gesteigert werden, bei gleichzeitiger Reduktion der Kosten und Folgekosten. Das Münchner Projekt führt die Fachbereiche Gastroenterologie, Visceralchirurgie und Röntgendiagnostik zusammen. Der Arbeitsschwerpunkt liegt auf der Erschließung weniger invasiver Behandlungsmöglichkeiten bei Erkrankungen von Ösophagus, Leber, Gallenwegssystemen, Pankreas sowie Dünn- und Dickdarm.

Die innovativen Elemente dieses Projektes sind:
- Schaffung eines "virtuellen" integrierten Arbeitsplatzes, der krankheitsbezogen orientiert und organisiert ist. Wesentliches Element ist die leistungsfähige interaktive Vernetzung zwischen den beteiligten Abteilungen und Instituten.
- Entwicklung eines prä- und intraoperativen Navigationssystems als Bindeglied zwischen den verschiedenen bildgebenden Verfahren
- Entwicklung und Einsatz eines Navigationssystems als Bindeglied von Bildgebung und Interventionsinstrumenten im Sinne der Therapieplanung und Therapiedurchführung. Ein weiterer Aspekt ist auch die Instrumentenführung und -koordination durch externe Telemanipulatoren.
- Kombination bildgebender Verfahren wie Computertomographie, Ultraschall und Kernspintomographie mit den optischen Verfahren (Endoskopie, Laparoskopie) unter Einsatz der Navigation
- Entwicklung der virtuellen Laparoskopie sowie deren Fusion mit der realen Laparoskopie
- Kombination und Visualisierung der 2D/3D-Bilddatensätze mit den optisch gewonnenen Bilddaten (Endoskopie, Laparoskopie) und den räumlichen Positionen der Interventionsinstrumente

Das umfassende Forschungs- und Entwicklungskonzept ist interdisziplinär angelegt. Darüber hinaus wird eng mit beteiligten Entwicklungsfirmen zusammengearbeitet.

Am Projekt MITI sind beteiligt:

- Chirurgische Klinik und Poliklinik der TU München (Prof. Jörg Rüdiger Siewert)
- II. Medizinische Klinik und Poliklinik der TU München (Prof. Meinhard Classen)

- Institut für Röntgendiagnostik der TU München (Prof. Paul Gerhardt)
- Firma Siemens Medizintechnik, Erlangen
- Institut für Medizinische Physik der Universität Erlangen (Prof. Willi Kalender)
- Firma 3D-Echotec, Hallbergmoos
- Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Oberpfaffenhofen

Die Gesamtkosten des Projektes werden für die nächsten zwei Jahre 6,5 Millionen Mark betragen, wovon 2,4 Millionen Mark bei der Bayerischen Forschungsstiftung als Fördermittel beantragt wurden.


Kontakt:
PD Dr. med. Hubertus Feussner
Chirurgische Klinik und Poliklinik
Klinikum rechts der Isar
Tel: (089) 4140-2030; Fax (089) 4140-4940
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