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Fanny Hensel-Mendelssohn ist eine Komponistin der Universität Dortmund

14.01.1999 - (idw) Universität Dortmund

Falsch! Aber der Eindruck muß entstehen, wenn immer wieder Ersteinspielungen der lange Zeit verborgenen Chorwerke und Musikstücke von Fanny Hensel an der Universität Dortmund zu Gehör gebracht werden. Nicht ohne Grund: Der Musikwissenschaftler und Dirigent des renommierten Kammerchors der Universität, Prof. Dr. Willi Gundlach arbeitet seit Jahren an der Neuentdeckung der Komponistin. Er sorgte bereits für die Herausgabe etlicher bisher nicht publizierter Notenblätter. Der Kammerchor, mit einem durchaus reichen Repertoire von der Renaissance bis zur Neuzeit hervorgetreten, ist als erster zu nennen, wenn es um die Wiedergabe und Interpretation von Werken der Zeitgenossin des jungen Johann Wolfgang Goethe geht. Jetzt ist eine neue CD da: "Fanny Hensel-Mendelssohn: Zum Fest der heiligen Cäcilia - Szene aus Faust II - Lieder & Duette".

Daß Fanny Hensel 1805 mit dem Familiennamen Mendelssohn geboren wurde und ihre musikalische Ausbildung gemeinsam mit dem 1809 geborenen Bruder erhielt, dem berühmten Felix Mendelssohn Bartholdy, muß erwähnt sein. Im Mendelssohnschen Haus in Berlin wurde gemeinsam musiziert und gesungen. Dazu wurden im Familien- und Freundeskreis die Werke von Dichtern wie Tieck, Klopstock und Heine gelesen und besprochen. Für Fanny stand Goethe im Mittelpunkt. Bei seinem Freund Carl Friedrich Zelter komponierte sie ihre ersten Lieder zu Goethes Texten. Dem berühmten Weimarer Dichter stellte sie 1922 selbst ihre ersten Lieder vor. Sie gefielen ihm außerordentlich, berichtet Fannys Mutter Lea.

Fanny Hensel hat zu spät - erst kurz vor ihrem Tod - den Plan gefaßt, die über reine Hausmusik hinausgehenden Werke zu veröffentlichen. Vom Beruf der Komponistin hatte ihr Bruder abgeraten. Doch ihre Lieder und Chorwerke zählen zu den bemerkenswertesten Kompositionen ihrer Zeit.

Die neue CD des Kammerchors der Universität Dortmund ist als digitale Erstausgabe bei Thorofon Classics (CTH 2398) erschienen. Sie folgte der ersten Einspielung der "Chorlieder, Duette, Terzette" (CTH 2299) und dem Album "Kantaten von Fanny Hensel & Felix Mendelssohn (und die Orgelwerke von F. Hensel)" (CTH 2346) im gleichen Musikverlag. Auch diesmal bedurfte es freundlicher Unterstützung bei der Herausgabe der musikalischen Raritäten, sie kam von der Kulturstiftung Dortmund.

"Zum Fest der heiligen Cäcilia" entstand 1833 innerhalb weniger Tage. Bei der Aufführung zum Cäcilientag (22.11.) wurde die Musik in der damals sehr beliebten Form eines "lebenden Bildes" der Mitwirkenden dargeboten. Dabei wirkte Fannys Ehemann, der Kunstmaler Hensel, gestaltend mit. Die Spontaneität der Komponistin prägt das Werk insgesamt. Den Klavierpart spielt sie selbst, ohne ihn vollständig aufzuschreiben. So wurde er von Diether de la Motte, Musikhochschule Wien, für die Neuausgabe und Ersteinspielung durch den Kammerchor der Universität Dortmund behutsam ergänzt.

1843 hat Fanny Hensel die erste Szene aus Goethes "Faust II" vertont. Der lyrische Charakter spiegelt sich in der Besetzung mit einem vierstimmigen Elfenchor, der - einschließlich der Solostimmen aus dem Chor und dem Solo-Sopran des Ariel - nur mit Frauen besetzt ist. Anders als bei "Cäcilia" ist hier der Klavierpart höchst anspruchsvoll. Die Erfolgreiche erste Aufführung bei der häuslichen Sonntagsmusik ermutigte Fanny Hensel nach einer Zeit der Resignation, neu mit dem Komponieren zu beginnen. Auch die Faust-Szene ist nun durch Willi Gundlachs Arbeit erstmals auf Tonträgern zu hören.

Das trifft auch auf viele der Lieder und Duette zu, die auf der neuen CD vorgestellt werden. Sie entstanden überwiegend zwischen 1835 und 1843. Die Duette und Sololieder nach Gedichten von Goethe belegen die stilistische Vielfalt der Musikerin. Die vier Chorlieder stammen aus den letzten Lebensjahren der 1847 plötzlich verstorbenen Komponistin.

Das Duett "Schlafe du, schlafe süß" und der "Liederzyklus für Felix" schließen die Präsentation von neuen alten Liedern einer der begabtesten deutschen Komponistinnen, die zu Lebzeiten öffentlich wenig Aufmerksamkeit fand, ab. Hier handelt es sich um intime Musikstücke, die noch heute die enge Verbindung der Mendelssohns offenbaren.

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