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Katholischer Kirchenhistoriker erhält Ehrendoktor in Lund

20.01.1999 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Die Theologische Fakultät der Universität von Lund in Schweden wird am 28. Mai im Dom von Lund Prof. Dr. Arnold Angenendt, Direktor des Seminars für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms- Universität Münster, zum Ehrendoktor promovieren.

Arnold Angenendt ist einer der international renommiertesten deutschen Kirchenhistoriker. Er wurde 1934 in Goch am Niederrhein geboren und 1963 nach dem Studium der Theologie, Geschichte und Kirchengeschichte zum Priester geweiht, worauf er als Kaplan in Vreden im Münsterland tätig war. Weiteren Studien in Bonn, Rom und Paris folgte die Habilitation (1975) und die Berufung auf Lehrstühle in Toronto/Kanada und Bochum, bevor er 1981 zunächst den Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft, 1983 den Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte in Münster übernahm. 1997 wurde er in die Akademie der Wissenschaften von Nordrhein-Westfalen aufgenommen.

Auch das Ausland wurde schon früh auf den deutschen Kirchenhistoriker aufmerksam. Neben einem fortlaufenden 'kleinen Grenzverkehr' mit den Niederlanden und Frankreich sind dabei vor allem die Membership am Institute for Advanced Study in Princeton/USA (1986/87) sowie 1997 - als der erste Geistliche überhaupt - eine Einladung an die Akademie der Wissenschaften in Moskau hervorzuheben. Im Frühjahr 1999 wird sich eine Gastprofessur in Paris anschließen, gefolgt von einer Vortragsreise durch die USA im bevorstehenden Herbst.

Diese internationale Beachtung dürfte darauf zurückzuführen sein, daß ihn seine Forschungsbiographie nicht nur räumlich an die Grenzen der katholischen Welt und darüber hinaus führte. Angenendt hat durch seine Forschungstätigkeit die deutsche Kirchengeschichte in Richtung auf neue methodische Ansätze, etwa der Sozial- und Mentalitätsgeschichte erweitert und so im interdisziplinären Diskurs die wichtige Schlüsselfunktion der Kirchengeschichte zum Verständnis der Beziehungen zwischen Christentum- und allgemeiner Zivilisationsgeschichte betont. Dieser Beitrag hat sich in Münster darin niedergeschlagen, daß er nun bereits zum dritten Male in einem interdisziplinären Sonderforschungsbereich der Westfälischen Wilhelms- Universität mitarbeitet. Konsequent hat Angenendt auch daran gearbeitet, nationale Fixierungen der Geschichtsforschung aufzubrechen. Seine großen Darstellungen sind ausnahmslos von europäischer Perspektive getragen. In einem laufenden Forschungsprojekt zur Liturgiegeschichte soll zusätzlich der Bogen vom Früh- und Spätmittelalter zum 20. Jahrhundert gespannt werden.

Die Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Theologische Fakultät der Universität Lund unterstreicht dieses Forschungsprofil noch einmal in besonderer Weise: Die Würdigung von Angenendts Forschungstätigkeit, insbesondere seiner monumentalen 'Geschichte der Religiosität des Mittelalters', erfolgt durch evangelische Theologen in einem Land, das im allgemeinen gerade durch seine hochgradig individualisierte und säkularisierte Gesellschaft gekennzeichnet wird, und in dem nur eine winzige Minderheit der Bevölkerung der katholischen Konfession angehört.


Ein Foto von Herrn Prof. Dr. Angenendt kann bei der KNA Bild in Frankfurt/Main (Bild Nr. 21741/24) abgerufen werden.
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