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Zahl der in Deutschland mit einer HIV-Infektion lebenden Menschen erreicht neuen Höchststand

02.02.1999 - (idw) Robert Koch-Institut

2.2.1999

Zahl der in Deutschland mit einer HIV-Infektion lebenden Menschen erreicht neuen Höchststand

Nach aktuellen Schätzungen des Robert Koch-Instituts hat die Zahl der in Deutschland lebenden HIV-infizierten Menschen mit etwa 37.000 Personen Ende des Jahres 1998 einen neuen Höchststand er-reicht. "Durch die neuen Kombinations-therapien ist die Zahl der neu an AIDS erkrankten Personen und der AIDS-Todesfälle mit jeweils etwa 800 im Jahr 1998 erfreulicherweise auf den niedrigsten Stand seit über zehn Jahren zurückgegangen," so Prof. Dr. Reinhard Kurth, Leiter des Robert Koch-Instituts, " gleichzeitig gibt es jedoch keinen Anhalt für einen Rückgang der HIV-Neuinfektionen. Immer noch infizieren sich in Deutschland jedes Jahr über 2.000 Personen neu mit dem HI-Virus." Seit dem Beginn der HIV/AIDS-Epidemie Anfang der achtziger Jahre sind in Deutschland über 21.000 Menschen an AIDS erkrankt und über 16.000 an den Folgen der HIV-Infektion gestorben.

Von den neuen Möglichkeiten in der Therapie profitieren die ver-schiedenen Gruppen in unterschiedlichem Maße. Während die Zahl der neu diagnostizierten AIDS-Erkrankungen bei homo- bzw. bisexuellen Männern im Vergleich zu 1995 um zwei Drittel zurück-ging, beträgt der Rückgang bei den intravenös Drogenabhängigen etwa 60 % und bei heterosexuell Infizierten sogar "nur" 33 %. Ver-meiden oder hinausschieben läßt sich eine AIDS-Erkrankung mit Hilfe der neuen Therapien natürlich nur, wenn die HIV-Infektion bekannt ist und medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden kann. Eine offenbar gleichbleibend große Gruppe von Personen scheint aber Infektionsrisiken zu verdrängen und Testangebote nicht wahrzunehmen: ein Indiz dafür ist die Tatsache, daß die Zahl der AIDS-Patienten, die keine Angaben zum vermuteten Infektionsweg machen konnten oder wollten, gegenüber dem Jahr 1995 nahezu un-verändert blieb. Die Zahl der AIDS-Erkrankungen bei Personen, die in Deutschland leben und aus ausländischen Gebieten stammen, in denen sich die HIV-Infektion in der gesamten Bevölkerung stark ausgebreitet hat, nahm sogar zu.

Durch die Verlängerung der Zeitspanne zwischen HIV-Infektion und der Diagnose von AIDS bzw. zwischen AIDS und Tod, wird die Zahl der zu versorgenden HIV- bzw. AIDS-Patienten bei einer gleichblei-benden Zahl von HIV-Neuinfektionen weiter anwachsen.

Die HIV-Epidemie in Deutschland wird weiterhin in erster Linie durch die Neuinfektionen in der Gruppe der homo- bzw. bisexuellen Männer, die etwa die Hälfte aller Neuinfektionen ausmachen, ge-prägt. Der Anteil der Fälle mit vermuteter heterosexueller Übertra-gung hat in den letzten Jahren zugenommen und liegt derzeit bei etwa 17 %. Der Anteil von Personen aus Gebieten mit starker HIV-Ausbreitung unter den neu diagnostizierten HIV-Infektionen hat ebenfalls zugenommen und beträgt jetzt 18 %. Das Spritzen von Dro-gen stellt neben dem sexuellen Übertragungsweg auch heute mit etwa 14 % der Neuinfektionen ein nicht zu vernachlässigendes Infektions-risiko dar. Der Anteil der Frauen unter den neu diagnostizierten HIV-Infektionen lag 1998 bei 22 %. Die bei rechtzeitiger Einleitung ent-sprechender Vorbeugemaßnahmen weitgehend vermeidbare Übertra-gung einer HIV-Infektion von der Mutter auf das Kind spielt in Deutschland aus epidemiologischer Sicht keine bedeutsame Rolle.

Der neuesten Einschätzung von UNAIDS und WHO zufolge ist die HIV-Epidemie in vielen Ländern der Dritten Welt außer Kontrolle. Da bekannt ist, daß 95 % der täglich 16 000 HIV-Neuinfektionen in Entwicklungsländern erfolgen, in denen der Krankheitsverlauf mangels medikamentöser Therapie innerhalb von wenigen Jahren tödlich verläuft, hat sich die HIV-Infektion mittlerweile zum größten Killer aller Infektionskrankheiten entwickelt, gefolgt von der Tuber-kulose und der Malaria. 5,8 Millionen Neuinfektionen allein im Jahr 1998 bringen die Zahl der derzeit lebenden HIV-Infizierten weltweit auf über 33 Millionen. In Deutschland sowie in den meisten Ländern Westeuropas und Nordamerikas ist die HIV-Epidemie stabil, aber bei weitem noch nicht gestoppt.

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