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Köln ist keine Sportstadt

03.02.1999 - (idw) Universität zu Köln

33/99

Geographisches Institut legt Ergebnisse zum Köln Marathon vor

- Beim 2. Köln Marathon am 11. Oktober waren die Läufer begeistert vom Streckenverlauf. Schnelle Läufer zeigten sich mit der Versorgung sehr zufrieden. Allerdings hat sich die überregionale Anziehung abgeschwächt, und die Läufer zeigten sich nicht sehr unternehmungslustig. Auch wenn Kölner zum Marathon "Ja" sagen, so ist Köln noch längst keine Sportstadt. Dies sind die Wichtigsten Ergebnisse einer Studie, die unter der Leitung von Dr. Manfred Nutz am Geographischen Institut der Universität zu Köln erstellt worden ist.

Wie schon bei der Auftaktveranstaltung im letzten Jahr vergaben die Läufer überwiegend sehr gute und gute Noten für den Verlauf der Marathonstrecke in Köln. Der sternförmige Stadtkurs scheint somit äußerst beliebt. Auch die Atmosphäre entlang der Strecke, so wie sie die Teilnehmer während des Laufs empfunden haben, fand ein positives Echo, wenn auch nicht so deutlich wie beim 1. Köln Marathon. Zwar vergaben hier immerhin zwei Drittel der befragten Läufer eine eins, 1997 urteilten aber sogar drei Viertel so begeistert über die Atmosphäre. Im Gegensatz dazu benoteten die Teilnehmer die Versorgung am Streckenrand deutlich besser als im letzten Jahr. Während 1997 "nur" 37 Prozent die Versorgung mit "sehr gut" bewerteten, gaben in diesem Jahr 46 Prozent diese Note an. Vor allem die schnelleren Läufer unter 3 Stunden Laufzeit waren äußerst zufrieden.

Der Köln Marathon sollte Volksfest und Sportveranstaltung zugleich sein. Ein hohes Zuschaueraufkommen mit guter Stimmung stellte sich schon auf den ersten Kilometern ein. Der Start und die Deutzer Brücke, der Neumarkt und der Rudolfplatz, Barbarossa- und Chlodwigplatz reihen sich als erste Höhepunkte aneinander. Aber auch die stadtauswärtigen Abschnitte von Luxemburger und Berrenrather Straße (km 14/15), Dürener (km 20) und Neusser Straße (km 30/32) sowie das Konrad-Adenauer-Ufer in Höhe der Hohenzollernbrücke (km 37) und natürlich die Hohe Straße als Zielgerade haben sich als Zuschauermagneten erwiesen. Hier sind einige Unterschiede zum Vorjahr erkennbar: So z.B. ein höheres Zuschaueraufkommen am Neumarkt und an der ersten Passage des Rudolfplatzes in diesem Jahr, aber im vergangenen Jahr eine bessere Stimmung z.B. am Hohenstaufenring, Bonner Str. Nähe Schönhauser Str. oder auch im Bereich Aachener Str./Gürtel.

Die Marathonveranstaltung hat in diesem Jahr einen regionaleren Charakter als 1997. Verstärkt stammen die Läufer aus dem Verdichtungsraum an Rhein und Ruhr sowie aus dem Westen von Köln bis nach Aachen. Köln und Bonn standen sowohl 1997 als auch 1998 auf den beiden Spitzenplätzen. Allein aus diesen beiden Städten kam in diesem Jahr fast ein Viertel der Läufer. Städte wie Hamburg und Münster, die 1997 noch zu den "Top ten" der Herkunftsorte zählten, wurden von Wuppertal und Dortmund verdrängt. Besonders auffällig sind die Einbußen in vielen Orten der Nachbarländer Hessen und Rheinland-Pfalz sowie dem Saarland. Dies ist verwunderlich, da durch den späten Start des Laufes um 11.30 Uhr eine An- und Abreise am Marathon-Sonntag durchaus möglich gewesen wäre. Beim 1. Köln Marathon fiel der Startschuß bereits um 10 Uhr.

Obwohl der Startpunkt in Deutz hervorragend mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist, sind im Vergleich zu 1997 mehr Läufer mit dem PKW und weniger mit den umweltfreundlichen öffentlichen Verkehrsmitteln angereist. Es dominierten natürlich die öffentlichen Verkehrsmittel. Aber nutzten im vergangenen Jahr noch über zwei Drittel Bahn, Bus oder Zug, so waren es diesmal "nur" 60 Prozent. Mit dem Auto kam im Gegenzug jeder Vierte, 1997 nur jeder Sechste Läufer.

30 Prozent der befragten Läufer haben in Köln eine Übernachtungsgelegenheit gesucht, um am nächsten Morgen pünktlich am Start zu sein. Der Anteil der Übernachter stieg erwartungsgemäß mit zunehmender Entfernung zum Wohnort an. Vor allem ab einer Anreise von über 175 km nahm der Anteil derjenigen merklich zu, die eine Bleibe in der Domstadt suchten. Beim ersten Köln Marathon lag dieser Wert noch bei etwa 125 km. Von den Übernachtern sparten sich über die Hälfte das Geld für eine Unterkunft und quartierten sich bei Freunden oder Bekannten ein, deutlich mehr als im letzten Jahr. Die Kölner Hotels, die schon im Vorjahr nicht übermäßig von den Läufern aufgesucht worden sind, hatten in diesem Jahr einen noch schwächeren Zulauf mit nur 32 Prozent statt 43 Prozent aller Übernachter. Entsprechend wenig profitierte auch das Beherbergungsgewerbe von den Läufern in der Stadt. Wenn auch das Gesamtvolumen etwas über 200.000 DM wegen der geringen Übernachtungszahlen eher bescheiden für die Hotelerie ausfiel, gab doch immerhin jeder zweite der Übernachter deutlich über 150 DM am Marathonwochenende für seine Unterkunft aus.

Die Läufer verbanden mit dem Marathonbesuch in Köln nur wenige weitere Aktivitäten. So nutzte nur jeder Zehnte die Reise nach Köln auch zum Einkaufsbummel in der City und jeder Fünfte besichtigte die Stadt während des Kölnaufenthaltes. Spielten Kneipenbummel und Restaurantbesuch noch eine gewisse Rolle (30 Prozent) für die Läufer am Marathonwochenende, so übten Theater, Museum, Kino und Disco überhaupt keinen Reiz auf die Sportler aus. Natürlich besuchten viele das Rahmenprogramm mit der Läufermesse, aber doch jeder Dritte der Angereisten hat gar nichts in der Domstadt unternommen. So floß auch hier kaum Geld in die Kölner Kassen. Die meisten Läufer gaben weniger als 50,- DM am Marathonwochenende aus, wovon der größte Teil der Sportartikelbranche zu Gute kam.

Die Kölner hatten sich schon frühzeitig über die Großveranstaltung informiert, deutlich früher als 1997. Jeder zweite Kölner wußte länger als eine Woche vor der Veranstaltung Bescheid und hatte sich über die Zeitungen und Bekannte informiert. So hatte auch nur jeder fünfte Kölner Unannehmlichkeiten durch das Großereignis, und wenn dies vorkam, dann wurden die Bürger im weitesten Sinne mit Verkehrsproblemen konfrontiert. Trotz einiger Einschränkungen bescheinigten die Kölner der Marathonveranstaltung uneingeschränkt ein gutes Image, denn 80 Prozent konnten der Veranstaltung etwas Positives abgewinnen. Hier rangieren Geselligkeit/Unterhaltung und das Sportliche dicht hintereinander, gefolgt von dem Glauben an einen generellen Imagegewinn für Köln und der Vermutung, daß die Stadt ökonomische Vorteile durch den Lauf hat. So verwundert es nicht, daß die Kölner zu 86 Prozent für eine Wiederholung des Stadtmarathons sind, das sind 16 Prozent mehr als 1997. Für noch mehr sportliche Großveranstaltungen sprach sich jeder zweite Kölner aus. Ganz generell befürworteten die befragten Bürger Großveranstaltungen in Köln ohne wenn und aber. Sie sagen eindeutig "Ja" zum Ringfest, zum Radrennen "Rund um Köln", zum Geisterzug, zum Christopher-Street-Day und zum Medien-Bürgerfest in der Altstadt.

Der 2. Köln Marathon sollte sportliches Großereignis und Volksfest zugleich sein. Wenn man sich jedoch entscheiden müßte, dann würden zwei Drittel der Kölner die Veranstaltung eher als Sportereignis bezeichnen, für ein Drittel ist es eher ein Volksfest. Deshalb hat Köln aber noch längst kein Image als Sportstadt. Das Image von Köln sahen die befragten Bürger eher durch Medien, Universität und Messe geprägt. Auch die Kirchen und Musik wurden eher mit Köln in Verbindung gebracht als der Sport. Bis Köln mit seinen vielen Imagefacetten auch zur Sportstadt wird, sind noch einige Marathonkilometer zu absolvieren.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Manfred Nutz unter der Telefonnummer 0221 470 2591, der Fax-Nummer 0221 470 4917 und der Email-Adresse m.nutz@uni-koeln.de zur Verfügung.
Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web (http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.htm).

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