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Umweltprobleme eines industriellen Ballungsraumes

05.02.1999 - (idw) Universität zu Köln

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Neuer Sonderforschungsbereich an der Universität zu Köln

Mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) nahm mit Jahresbeginn der Sonderforschungsbereich 1651 "Umweltprobleme eines industriellen Ballungsraumes" (http://www.uni-koeln.de/math-nat-fak/geomet/meteo/Inter/sfb419.html) an der Universität zu Köln seine Arbeit auf. An dem Forschungsprojekt werden Wissenschaftler aus zahlreichen Disziplinen - vom Arbeitsmediziner über Botaniker, Betriebswirtschaftlern, Juristen bis hin zu Zoologen - naturwissenschaftliche Lösungsstrategien und sozio-ökonomische Implikationen von Umweltprobleme eines industriellen Ballungsraumes erarbeiten. Auf einer Pressekonferenz stellte heute der Erste Prorektor Professor Dr. Tassilo Küpper das neue Projekt der Öffentlichkeit vor. Mit diesem Vorhaben erhöht sich die Zahl der Sonderforschungsbereiche an der Universität zu Köln auf neun (siehe Anlage). Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Kolleg mit 2,3 Millionen DM jährlich. Die zentrale Verwaltung und Koordination liegt in den Händen von Professor Dr. Peter Speth vom Institut für Geophysik und Meteorologie der Universität zu Köln.

Der Sonderforschungsbereich umfaßt drei Teile und zwar den Teilbereich A "Belastungsdiagnosen; Entwicklung zukunftsorientierter Technologien", wobei es zum Beispiel um "Chemische und ökologische Regelung der Wasserqualität in eutrophen Freizeitseen" oder um "Herkunfts- und Situationsanalyse von Luftschadstoffen - Gebäudebegrünungssysteme als innovative Minderungsstrategien" geht; der Teilbereich B hat die "Simulation und Vorhersage möglicher Folgen von Umwelteinflüssen und Vermeidungsstrategien" zum Gegenstand, wobei zum Beispiel die "Sensitivität des quantitativen und qualitativen Grundwasserdargebots in Nordrhein-Westfalen hinsichtlich globaler Klimamodifikationen" gemessen wird; der dritte Teilbereich C umfaßt "Gesundheitliche und sozio-ökonomische Sensitivität auf Umwelteinflüsse; Steuerungs- und Verhaltensstrategien" und beinhaltet zum Beispiel Untersuchungen zur "Gesundheit im industriellen Lebensraum - Einflüsse von Umweltfaktoren und Schadstoffen auf chronische Entzündungsreaktionen im oberen Respirationstrakt des Menschen".

Die industrielle Entwicklung führte zu Ballungsräumen, deren Belastung für die dort ansässigen Menschen kurz-, aber auch langfristige Auswirkungen hat. Hinzu kommen in Zukunft mögliche Klimaveränderungen, die direkte und indirekte Wirkungen haben können. Einige der mit der Belastung zusammenhängenden potentiellen Folgen und Probleme werden im Sonderforschungsbereich anhand von Beispielen für den industriell geprägten und dicht besiedelten Lebensraum von Nordrhein-Westfalen untersucht. Auf der Basis von naturwissenschaftlichen und medizinischen Analysen, Simulationen und Prognosen werden unter Berücksichtigung von sozialen, ökonomischen und rechtlichen Aspekten Lösungsansätze vorgeschlagen, die nach Möglichkeit auch auf andere Regionen übertragbar sein sollen. Für die zukünftige Entwicklung industrieller Ballungsräume sind die Versorgung mit Trink- und Brauchwasser sowie die umweltverträgliche Entsorgung des Abwassers und Abfalls von existentieller Bedeutung. Besonders die Qualitätssicherung und ausreichende Verfügbarkeit des Trinkwassers wird hier durch die Verschmutzung des Grundwassers durch Altlasten, Deponien und den Eintrag durch Düngung, Pestizide und Hormone zunehmend gefährdet. Mögliche Klimaschwankungen und die damit verbundenen Änderungen der Niederschlagsintensität, der Abflußmengen in Fließgewässern und damit des Grundwasserdargebotes können diese Problematik noch verstärken. Davon sind auch Gewässer betroffen, die der Erholung und dem Freizeitsport dienen. Analytische und prognostische Untersuchungen zu diesem Themenkreis der anthropogenen Beeinflussung des Wasserhaushaltes und deren Folgen - einschließlich der potentiellen Gefährdung durch belastetes Trinkwasser- stehen im geplanten Sonderforschungsbereich im Vordergrund. Dabei ist zum Teil auch die Betrachtung der bisherigen zeitlichen Entwicklung notwendig, um daraus Erkenntnisse für die Zukunft gewinnen zu können. Um umweltverträgliche Konzepte für zukünftige Planungen und deren Umsetzung entwickeln zu können, sind zukunftsorientierte Technologien zur Erkundung und Analyse des jetzigen Zustands des Bodens notwendig. Neben dem Wasserhaushalt werden im industriellen Ballungsraum auch die atmosphärischen Bedingungen entscheidend von anthropogenen Einflüssen geprägt. Dies bezieht sich vor allem auf in der Zukunft mögliche Änderungen von Witterungsverhältnissen und auf die Belastung der Luft mit Schadstoffen. Hierzu werden Untersuchungen zu Auswirkungen auf den Menschen bezüglich Erkrankungen der Atemorgane durchgeführt. Zur Abschätzung heutiger und zukünftiger Szenarien der Schadstoffbelastung wird der Kausalkette "Emission-Transmission-Immission" besondere Beachtung geschenkt. Sowohl durch experimentelle Arbeiten als auch durch Simulationsrechnungen werden Verminderungsstrategien vorgeschlagen. Dabei werden auch durch globale Vorgänge gesteuerte zukünftige Klimaszenarien hinsichtlich ihrer regionalen Auswirkung berücksichtigt. Erarbeitete naturwissenschaftliche Lösungsansätze zur Verringerung von Umweltproblemen werden anhand von Beispielen auf sozio-ökonomische Folgen hin untersucht. Hierbei werden auch Reaktionsmöglichkeiten von Unternehmungen hinsichtlich der Auswirkungen von zukünftigen Klimaszenarien einschließlich versicherungswirtschaftlicher Teilaspekte behandelt. Um naturwissenschaftliche Erkenntnisse in konkreten Fällen in die Praxis umsetzen zu können, werden im Rahmen von Fallstudien innerhalb einzelner Regionen Nordrhein-Westfalens Grundlagenarbeiten zu sozio-ökonomischen und institutionellen Lösungsmechanismen für eine regionale nachhaltige Entwicklung durchgeführt. Hierbei werden sowohl ökonomische als auch soziale Gesichtspunkte im Vordergrund stehen. Da industrielle Ballungsräume als Standorte energieerzeugender und energieintensiver Industrien von Verminderungsstrategien bezüglich Emissionen von Luftschadstoffen besonders betroffen sind, werden regional- und energiewirtschaftliche Implikationen möglicher Maßnahmen untersucht. Es ist Ziel des Sonderforschungsbereiches, auf der Basis von naturwissenschaftlichen Lösungsstrategien und sozio-ökonomischen Implikationen konkrete Umsetzungsmöglichkeiten der wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Praxis vorzuschlagen. Dies kann wegen der Vielfalt und Komplexität von Umweltproblemen nicht vollständig erfolgen, sondern erfordert eine Orientierung an Fallbeispielen. Hierzu werden interdisziplinäre Lösungsansätze unter Beteiligung der Natur- und Humanwissenschaften herangezogen. Die Notwendigkeit einer solchen Interdisziplinarität wurde in der Vergangenheit im allgemeinen unterbewertet, es deutet sich aber an, daß die zukünftige Entwicklung zur Lösung von Umweltproblemen schwerpunktmäßig in diese Richtung verlaufen wird. Die für den Sonderforschungsbereich notwendige Interdisziplinarität wird dadurch gewährleistet, daß an den meisten der Teilprojekte unterschiedliche Disziplinen beteiligt sind. Darüber hinaus sind die Teilprojekte auch untereinander vernetzt. Unsere Erfahrungen innerhalb der ersten drei Projektjahre in bezug auf die Erarbeitung von in die Praxis umsetzbaren Lösungsstrategien sollen auch anderen zugänglich gemacht werden. Sie können möglicherweise dazu führen, daß für die weiteren Antragsphasen eine Gewichtsverschiebung von den Naturwissenschaften mehr zu den Humanwissenschaften hin erfolgt. Das hohe Maß von Interdisziplinarität unterscheidet das Arbeitsprogramm des geplanten Sonderforschungsbereiches von anderen Aktivitäten, die z.B. in anderen Sonderforschungsbereichen oder z.B. am Potsdam-Institut für Klimafolgeforschung und am Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle durchgeführt werden. Dabei treten Überschneidungen hinsichtlich einiger fachspezifischer Probleme auf, die eine externe Kooperation mit diesen und anderen Institutionen sinnvoll erscheinen lassen. An der Universität zu Köln werden in allen sieben Fakultäten Forschungsarbeiten zur Umwelt- und Klimaforschung durchgeführt. Diese werden zum überwiegenden Teil in Einzelvorhaben bearbeitet. Hierdurch ist ein großes Potential auf diesen Gebieten vorhanden, und dadurch ist im allgemeinen die für den geplanten Sonderforschungsbereich notwendige Grundausstattung gewährleistet. Jedoch erscheint die inneruniversitäre Kommunikation ebenso wie die interdisziplinäre Kooperation bisher unterentwickelt. Die Einrichtung eines Sonderforschungsbereiches würde eine Konzentration der vorhandenen Kräfte nach sich ziehen und Synergieeffekte freisetzen. Durch die Einrichtung des Sonderforschungsbereiches sollen Bezüge zur Lehre hergestellt werden. Neben Fortbildungsveranstaltungen, Seminaren, Kolloquien und Ringvorlesungen sollen Anstrengungen zur Einrichtung eines Studienganges (oder auch eines Aufbaustudienganges durch das Anbieten von einzelnen Studienbausteinen) "Umwelt" weiter verfolgt werden. Weiterhin wird daran gedacht, ein Graduiertenkolleg einzurichten. Es kann erwartet werden, daß auch durch diese Maßnahmen die Berufsaussichten des wissenschaftlichen Nachwuchses gefördert werden.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Frank Steffany unter der Telefonnummer 0221 470 3684, der Fax-Nummer 0221 470 5161 und der Email-Adresse steffany@meteo.uni-koeln.de zur Verfügung.
Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web (http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.htm).

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