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"Sicker und quicker" aus dem Krankenhaus

05.02.1999 - (idw) Universität Bielefeld

Nach Ansicht von Professorin Dr. Doris Schaeffer vom Institut für Pflegewissenschaft an der Universität Bielefeld kommen Patienten heute als Folge des Bettenabbaus und der Kürzung der Verweildauer im Krankenhaus in fast allen europäischen Ländern "sicker und quicker", also rascher und kranker als noch vor einigen Jahren, in die häusliche Umgebung zurück. Pflegedienste seien daher stärker als zuvor mit akut und schwerkranken Patienten konfrontiert, die mehr, andere und teurere Pflege benötigen. Verstärkt werde dies durch neue technologische Entwicklungen (Heimbeatmung, Heimdialyse, künstliche Ernährung, Infusionstherapie), die mittlerweile so weit ausgereift sind, daß Schwerkranke erstmals weitgehnd außerhalb der Mauern des Krankenhauses behandelt und betreut werden können. Für die ambulanten Versorgungseinrichtungen und besonders für die häusliche Pflege geht mit dieser Entwicklung allerdings ein weitreichender Wandel einher, stellte Doris Schaeffer auf dem 7. Gesundheitswissenschaftlichen Kolloquium zum Thema "Ambulant vor stationär" fest, zu dem das Institut für Pflegewissenschaft Fachleute aus dem In- und Ausland eingeladen hatte. Einerseits werde die Pflege in Zukunft noch weiter an Bedeutung gewinnen, andererseits erhalte sie verbunden damit neue und ganz anders gelagerte Aufgaben und ein weitaus höheres Maß an Verantwortung. Wissenschaftler aus Österreich, den Niederlanden, England und der Schweiz zeigten, wie ihre Länder versuchen, mit diesem weitgreifenden Verantwortungswandel in der ambulanten Pflege umzugehen.

Professorin Schaeffer: "Diese Herausforderungen sind nicht nur in Deutschland, sondern auch in allen anderen Ländern zu bewältigen. Überall wird die Krankenhausversorgung begrenzt und ganz in Einklang damit mehr auf ambulante und häusliche Versorgungskonzepte gesetzt nicht zuletzt, um die Lebensqualität der Erkrankten zu verbessern."

Mit dem Kolloquium hat das Institut für Pflegewissenschaft ein Thema angesprochen, das vielen Praktikern unter den Nägeln brennt nicht zuletzt weil die Anpassung an den Bedarf an ambulanter Schwer- und Schwerstkrankenpflege in Deutschland noch nicht befriedigend gelöst ist. So herrschte am Ende auch unter den Teilnehmern Übereinstimmung darin, daß das Ineinandergreifen von Medizin und Pflege verbessert werden müßte und mehr noch: neue Formen der multiprofessionellen Versorgung gesucht werden müßten. Nur so seien die neuen fachlichen und organisatorischen Herausforderungen, die mit der Grenzverschiebung zwischen Krankenhaus und ambulanter Versorgung einhergingen, zu bewältigen. Zugleich seien strukturelle und qualifikatorische Veränderungen in der ambulanten Pflege vonnöten. Hier sei die Politik gefragt nicht einzig um die Pflegequalität, sondern vor allem um die Lebensqualität all derer zu verbessern, die mit schwerer Krankheit und mehr oder minder dauerhafter Beeinträchtigung ihrer Gesundheit leben müssen.

Weitere Informationen: Institut für Pflegewissenschaft an der Universität Bielefeld, Prof. Dr. Doris Schaeffer, Tel: 0521/106-3895.
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