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Business-Plan-Wettbewerb: Idee Bayreuther Biochemiker prämiert

05.02.1999 - (idw) Universität Bayreuth

Business-Plan-Wettbewerb: Idee Bayreuther Biochemiker prämiert
VERMEHRUNG KRANKHEITSERREGENDER VIREN
GENTECHNISCH GEZIELT HEMMEN
Erster Schritt zur High-Tech-Firma für Roland Kreutzer und Stefan Limmer

Bayreuth (UBT). Die Vermehrung krankheitserregender Viren dadurch zu verhindern, daß man durch eine bestimmte biotechnologisch hergestellte Substanz dem dafür verantwortlichen Gen quasi den "Befehl gibt", diese Fähigkeiten nicht auszuüben ist eine faszinierende Idee. Wissenschaftler wie die beiden Bayreuther Biochemiker und Privatdozenten Dr. Roland Kreutzer und Dr. Stefan Limmer sprechen davon, die "Genexpression", also die Umsetzung der genetischen Information der viralen Gene, spezifisch zu hemmen. Man erhofft sich davon, sehr effektiv und mit wenig Nebenwirkungen die Krankheitserreger zu bekämpfen und entsprechende Therapeutika zu entwickeln und wenn das klappt, dann läßt sich damit Geld verdienen.
Daß dies eine gute, ja sogar preiswürdige Idee ist, fanden auch die strengen Juroren des sogenannten Business-Plan-Wettbewerbs Nordbayern und kürten die dahinter steckende Geschäftsidee von Kreutzer und Limmer zu den zehn besten von 124 eingereichten. Zwei Jurys, eine 19köpfige Unternehmer-Jury und neun Venture-Captial-Juroren hatten zuvor die Geschäftspläne nach Kriterien wie "Wachstumspotential" und "Finanzierbarkeit" sowie der Qualität der Ausarbeitung der einzelnen Business-Plan-Elemente abgeklopft. Die beiden Bayreuther Wissenschaftler haben damit die mit einer entsprechenden Prämierung verbundene erste Wettbewerbsstufe, nämlich die Darstellung der Geschäftsidee, erreicht. Zwei weitere, der nun folgende Grob-Business-Plan und dann in der nächsten Phase dessen Detailierung sollen folgen.
Doch zurück zur Geschäftsidee. Die Therapie viraler Krankheiten, davon mußten Kreutzer und Limmer ausgehen, ist auch heute noch eine der schwierigsten Aufgaben der Medizin. Die derzeit gängigen antiviralen Therapeutika sind meist recht wenig spezifisch und haben starke Nebenwirkungen. Also in den Prozeß der Umsetzung der genetischen Information eingreifen und sie dann zu hindern sich auszubreiten - das wär´s. Zudem stehen wirkungsvolle, universell anwendbare und dennoch spezifische Verfahren zur Hemmung der Genexpression bisher kaum zur Verfügung.
Dr. Kreutzer und Dr. Limmer wollen deshalb eine Substanzklasse auf der Basis von Ribonukleinsäuren entwickeln, die sogenannte Genblock-RNA, die für die gezielte Hemmung der Genexpression beliebiger Gene verwendet werden kann. Sie könnte nahezu uneingeschränkt bei Viruserkrankungen eingesetzt werden. Und mehr noch: Im Prinzip könnte damit jede Krankheit, die auf einer zu starken Expression eines bestimmten Gens beruht, bekämpft werden können. "Mit unserer Genblock-RNA stünde in vielen Fällen sogar erstmals ein wirksames Medikament für eine große Zahl von Krankheiten zur Verfügung", schrieben Kreutzer/Limmer in der Zusammenfassung ihres eigenen Business-Plans.
Wegen der hohen Selektivität vermuten sie auch weniger Nebenwirkungen und gleichzeitig eine bessere Wirksamkeit. Ein weiterer wichtiger Vorteil der Substanzklasse ist, daß sich aufgrund des besonderen Wirkungsmechanismus bei einer Therapie nicht so leicht resistente Virusstämme entwickeln können, wie das bei anderen Medikamenten der Fall ist.
Für die Zukunft erwarten sich die beiden Bayreuther Biochemiker die Vermarktung der Lizenzen für die Genblock-RNA als Medikament sowie den Einsatz der Substanzklasse als "Forschungswerkzeug" (Research-Tool), um damit Entwicklungsvorgänge in der medizinischen und molekularbiologischen Forschung zu studieren.
Zufrieden über den Anklang, den der Business-Plan-Wettbewerb in Nordbayern gefunden hat, zeigten sich nicht nur die Preisträger, die am 3. Februar in der Nürnberger Meistersinger-Halle gekürt wurden, sondern auch die Wettbewerb-Ausrichters von der internationalen Unternehmensberatung McKinsey & Co. Dort sprach man bei dieser Flut innovativer Geschäftsideen von einem "sensationellen Ergebnis" im Vergleich zu den vorausgegangenen Wettbewerben in München (140 Einreichung 1997, 97 Einreichungen ein Jahr später) sowie Berlin mit 100 Einreichungen 1997.
Von den 124 nordbayerischen Geschäftsideen, von denen im übrigen gut die Hälfte aus dem akademischen Bereich kamen, stammten 22 Geschäftsideen aus Oberfranken, davon vier aus Bamberg, drei aus Bayreuth, drei aus Hof und zwei aus Coburg. Von denen hatte allerdings am Schluß nur die Idee der beiden Bayreuther Biochemiker die Nase vorn.

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