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Einführung eines Studiengangs Wirtschaftsrecht an der Juristischen Fakultät der Universität Minsk

05.02.1999 - (idw) Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Nach Durchführung eines entsprechenden Vorprojekts im Jahre 1997 hat die Europäische Kommission dem Institut für Europäisches Wirtschaftsrecht zu Ende des Jahres 1998 1,2 Millionen Mark für ein TEMPUS-TACIS-Projekt zur Verfügung gestellt. Gemeinsam mit der Juristischen Fakultät der Universität Graz soll an der Belorussischen Staatlichen Universität in Minsk ein Studiengang "Wirtschaftsrecht" aufgebaut werden. Koordinator und zugleich Initiator ist Prof. Dr. Wolfgang Blomeyer als geschäftsführender Vorstand des Instituts für Europäisches Wirtschaftsrecht. An der Universität Graz wird das Programm geleitet von Prof. Dr. Grünwald. Von der Juristischen Fakultät in Erlangen sind vor allem beteiligt die Professoren Dres. Veelken, Greger, Vieweg, Ziemske und seitens der WiSo-Fakultät die Professoren Dres. Herrmann und Reiß.

Die Arbeiten an diesem Projekt begannen Anfang 1999. Bereits am 3. Februar 1999 hat in Erlangen eine erste große Konferenz der Vertreter aller drei Fakultäten stattgefunden. Daran teilgenommen haben von seiten der Universität Minsk der Dekan der Minsker Juristischen Fakultät, Dr. Godunow, mit mehreren Professoren und Mitarbeitern, der Leiter des Auslandsamtes der Universität Minsk, und von seiten der Universitäten Erlangen-Nürnberg und Graz sämtliche beteiligten Professoren. Besprochen wurden die Details des Arbeitsprogramms für die drei Projektjahre. Nachdem sich der Studiengang im Genehmigungsverfahren bei den zuständigen Ministerien befindet, geht es nun darum, die zu lehrenden wirtschaftsrechtlichen Fächer auszuwählen und inhaltlich zu strukturieren. In einem weiteren Schritt müssen die den Dozenten und Studenten zur Verfügung zu stellenden Lehrmaterialien vorbereitet werden, wobei man sich in Inhalt und Konzeption an entsprechenden deutschen Lehrwerken orientieren wird. Dafür konnte in den letzten zwei Jahren bereits ein kleines Team aus deutschsprachigen Juristen in Minsk und russischsprachigen Juristen in Erlangen zusammengestellt werden. Das Hauptaugenmerk wird darauf liegen, möglichst viele junge Minsker Dozenten in dieses Team einzubeziehen, was zunächst den Erwerb der deutschen Sprachkenntnisse voraussetzt. Schließlich werden Erlanger und Grazer Professoren in Sommerakademien in Weißrußland die für das Programm in Betracht kommenden Dozentinnen und Dozenten auf ihre neue inhaltliche und methodische Aufgaben vorbereiten.

Die Juristische Fakultät der Belorussischen Staatlichen Universität in Minsk ist die größte weißrussische Juristische Fakultät. Sie hat derzeit etwa 3.000 Studenten und über 100 Dozenten. Davon sind 16 als Professoren zugleich Institutsdirektoren. Weitere 60 Doktoren sind als Assistenten tätig. Jährlich werden an der Fakultät rund 600 Studenten nach dem Bestehen einer anspruchsvollen Aufnahmeprüfung neu aufgenommen. Die Zahl der Bewerber liegt wesentlich höher. Der Finanzbedarf der Fakultät wird überwiegend durch Studiengebühren gedeckt; etwa die Hälfte der besten Studienbewerber erhalten ein Stipendium. Das Studium dauert im Grund- und Hauptstudium insgesamt fünf Jahre, wobei im Grundstudium zahlreiche allgemein bildende Pflichtfächer besucht werden müssen, deren Lehre in Deutschland Aufgabe der Gymnasien ist.

Ebenso wie in Rußland hat auch in Weißrußland in den letzten sieben Jahren eine umfassende Gesetzesreform zu einer größeren Zahl neuer Kodifikationen geführt. Vor allem ist ein Zivilgesetzbuch entstanden. Das Eindringen marktwirtschaftlicher Elemente in das Wirtschaftssystem Weißrußlands bringt neue Anforderungen an das Berufsbild der Juristen. Vor allem ausländische, aber auch inländische Unternehmen und staatliche Behörden und Gerichte benötigen immer häufiger qualifizierte Juristen, die über fundierte wirtschaftsrechtliche und auch wirtschaftliche Kenntnisse verfügen. Die wachsende Zusammenarbeit fordert darüber hinaus zunehmend mehr fachspezifische Fremdsprachenkenntnisse.

Die beteiligten drei Fakultäten wollen ihre Zusammenarbeit über das Projekt hinaus fortsetzen. Es besteht in den russischen Staaten ein großes Interesse am deutschen Recht, das man für ebenso vorbildlich hält, wie die Ausbildung an den Juristischen Fakultäten in Deutschland. Noch besteht das Ziel der juristischen Ausbildung in Weißrußland vor allem im Auswendiglernen von Gesetzen und juristischen Lehrmeinungen der Professoren. Das Projekt soll dazu beitragen, die jungen Juristen im juristischen Denken zu fördern und es ihnen so zu ermöglichen, mit künftigen Gesetzen und Rechtsproblemen fertigzuwerden. Die zur juristischen Arbeit erforderlichen technischen Hilfsmittel, insbesondere Datenbanken, werden in die neue Ausbildung integriert. Die drei Fakultäten hoffen mit diesem Projekt auch ihre Internationalisierung zu intensivieren.

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