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Krankenhäuser im Vergleich

10.02.1999 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Über 200 Vertreter aus fast allen deutschen Herzzentren diskutierten jetzt in Münster mit hochrangigen Repräsentanten des Bundesgesundheitsministeriums, der Krankenkassen und der Kostenträger über Krankenhausbetriebsvergleich und die Effizienzmessung in der Krankenversorgung. Diese Fachtagung wird jährlich gemeinsam von der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie der Westfälischen Wilhelms- Universität Münster, der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie des Herzzentrums Duisburg und der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie ausgerichtet.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Diskussion stand die Umsetzung des seit Beginn dieses Jahres vorgeschriebenen Krankenhausbetriebsvergleichs. Die Ansätze der Kostenträger stellen die Krankenhäuser nicht zufrieden, da individuelle Risikostrukturen ihrer Auffassung nicht genügend berücksichtigt sind. Die bisherigen Vergleiche fußen auf den an die Kostenträger laut Sozialgesetzbuch zu übermittelnden Daten, also den Diagnosen und den erbrachten Leistungen. Die Vergleiche berücksichtigen aber nicht die individuelle Leistungsstruktur der verschiedenen Krankenhäuser - es würden also Äpfel mit Birnen verglichen, betonten die Kritiker.

So wird zuweilen ein universitäres Hochleistungszentrums mit kleinen Kreiskrankenhäusern verglichen. Die Leistungserbringer, also die am Patienten tätigen Ärzte und Ärztinnen, fordern dagegen differenzierte Vergleiche. Sie sind auch bereit, sich aktiv an der Entwicklung von konsensfähigen Vergleichsmodellen über ihre medizinischen Fachgesellschaften zu beteiligen. "Nicht der Billigste ist automatisch der Beste, sondern derjenige, der die höchste Qualität, und diese kostengünstig, erbringt", hieß es in Münster. Dabei sei die Beurteilung der Qualität nicht nur auf den primären Leistungsprozeß zu beschränken, sondern auch unter Berücksichtigung der volkswirtschaftlichen Langzeitauswirkung durchzuführen. So könne beispielsweise in der Koronarchirurgie die Verwendung von Venen auf kurze Sicht günstiger sein als der Gebrauch von Arterien. Wie die Mediziner betonten, neigen jedoch die Venenbypässe langfristig vermehrt zu Verschlüssen, was dann eine teure Wiederholungsoperation notwendig mache. So sei die Verwendung von Arterien primär der aufwendigere Eingriff, der aber dann die wenigsten Folgekosten verursache.

Gerade die Herzchirurgen haben durch ihre Aktivitäten in der Vergangenheit gezeigt, daß sie sich aktiv an der Diskussion um die Finanzierbarkeit von Gesundheitsleistungen beteiligen und um eine kostengünstige Leistungserbringung bemühen. Im Rahmen multizentrischer Kalkulationen haben sie ihre Kosten ermittelt und transparent publiziert. Zu prüfen ist, was passiert, wenn unter weiteren Kostenreduktionen Leistungen eingeschränkt werden müssen. Auf Basis dieser Kalkulationen muß daher offen diskutiert werden, wie die durch die demographischen Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur notwendigen Leistungszuwächse zu finanzieren sind. Dabei müssen sich die Politiker auch mit der Frage der Rationierung auseinandersetzen. "Mögliche Formen der Rationierung sind gesellschaftlich zu entscheiden und nicht dem Leistungserbringer selbst zu überlassen, wenn der Patient auch weiterhin in jedem Haus die gleichen Chancen haben soll", wurde bei der Tagung in Münster betont.

Karl Heinz Tuschen vom Bundesgesundheitsministerium machte die Intentionen des Gesetzgebers zum Krankenhausbetriebsvergleich deutlich und wies darauf hin, daß die Umsetzung im Rahmen der Selbstverwaltung noch nicht befriedigend erfolgt ist. Dr. Werner Gerdelmann vom Verband der Angestellten-Krankenkassen stellte dar, daß er sich seit über 25 Jahren um eine Methode zum Betriebsvergleich bemüht, aber hofft, daß nun doch in absehbarer Zeit Lösungen gefunden werden. Die anschließende Podiumsdiskussion zeigte aber deutlich, daß die Positionen der verschiedenen Interessensvertreter noch weit von einer Annäherung entfernt sind.

In seinem Vortrag zum Arbeitszeitgesetz stellte der kaufmännische Direktor des Universitätsklinikums Tübingen, Rüdiger Strehl, deutlich heraus, daß die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben durch die gleichzeitige faktische Budgetdeckelung verhindert werde. In diesem Zusammenhang wurde beispielsweise die Frage aufgeworfen, wo das das Geld für die Einstellung zusätzlicher Mitarbeiter herkommen solle?

Eugen Münch, Vorstandsvorsitzender der Rhön-Klinikum AG, verdeutlichte anschaulich das Konzept eines privaten Leistungserbringers. Durch optimale Krankenhausstruktur werde in den privaten Herzzentren ein reibungsloser Ablauf ermöglicht, so daß die Leistung kostengünstiger erbracht werden könne. Diese Möglichkeiten hätten die dual finanzierten öffentlichen Krankenhäuser häufig nicht. Die notwendigen Strukturänderungen könnten wegen Engpässen derzeit nicht umgesetzt werden - hier bestehe Handlungsbedarf, betonte Münch.

Darüber hinaus wurde bei der Tagung in Münster auch der Einfluß von patientenidividuellen Risiken auf die Kosten ausführlich diskutiert. Diese Thematik wurde wurde auch im wissenschaftlichen Poster von Dr. Ute Tochtermann aus Heidelberg deutlich, die den Posterpreis gewann.

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