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DFG bewilligt interdisziplinäre Forschergruppe "Erhöhung des Resistenzpotentials der Gerste"

12.02.1999 - (idw) Justus-Liebig-Universität Gießen

Die Förderung einer neuen Forschergruppe an der Justus-Liebig-Universität zum Thema "Erhöhung des Resistenzpotentials der Gerste", an der fünf Institute der Fachbereiche Agrarwissenschaften und Umweltsicherung, Biologie sowie Ernährungs- und Haushaltswissen-schaften beteiligt sind, hat der Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) jetzt bewilligt. Das Verbundprojekt ist als interdisziplinärer Ansatz zur Erarbeitung zukunfts-orientierter Prinzipien des Pflanzenschutzes konzipiert und wird im Interdisziplinären Forschungszentrum für Umweltsicherung (IFZ), das Ende dieses Jahres fertiggestellt wird, angesiedelt werden. Mit entscheidend für die positive Einschätzung des Verbundprojektes durch die DFG war auch der geplante Umzug der beteiligten Institute ins IFZ. Neben dem bereits etablierten großen Sonderforschungsbereich "Landnutzungskonzepte für periphere Regionen" (SFB 299) wird damit die neue Forschergruppe als "Resistenzschwerpunkt" einen weiteren profilbildenden Forschungsansatz im IFZ bilden. Von seiten der beteiligten Wissenschaftler werden erhebliche synergistische Effekte durch die räumliche Nähe der von der DFG geförderten Großprojekte erwartet. Sprecher der Forschergruppe ist Prof. Dr. Karl-Heinz Kogel, Institut für Phytopathologie und Angewandte Zoologie am Fachbereich Agrarwissenschaften und Umweltsicherung.

"Erhöhung des Resistenzpotentials der Gerste"
Neue interdisziplinäre Forschergruppe von der Deutschen Forschungsgemeinschaft bewilligt

Die Förderung einer neuen Forschergruppe an der Justus-Liebig-Universität zum Thema "Erhöhung des Resistenzpotentials der Gerste", an der fünf Institute der Fachbereiche Agrarwissenschaften und Umweltsicherung, Biologie sowie Ernährungs- und Haushaltswissenschaften beteiligt sind, hat der Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) jetzt bewilligt. Das Verbundprojekt ist als interdisziplinärer Ansatz zur Erarbeitung zukunftsorientierter Prinzipien des Pflanzenschutzes konzipiert und wird im Interdisziplinären Forschungszentrum für Umweltsicherung (IFZ), das Ende dieses Jahres fertiggestellt wird, angesiedelt werden. Mit entscheidend für die positive Einschätzung des Verbundprojektes durch die DFG war auch der geplante Umzug der beteiligten Institute ins IFZ. Neben dem bereits etablierten großen Sonderforschungsbereich "Landnutzungskonzepte für periphere Regionen" (SFB 299) wird damit die neue Forschergruppe als "Resistenzschwerpunkt" einen weiteren profilbilden-den Forschungsansatz im IFZ bilden. Von seiten der beteiligten Wissenschaftler werden erheb-liche synergistische Effekte durch die räumliche Nähe der von der DFG geförderten Großprojekte erwartet. Sprecher der Forschergruppe ist Prof. Dr. Karl-Heinz Kogel, Institut für Phytopathologie und Angewandte Zoologie am Fachbereich Agrarwissenschaften und Umweltsicherung.

In dem Verbundprojekt soll der Sachverstand von Pflanzenschützern (Institut für Phytopatho-logie und Angewandte Zoologie, Prof. Kogel), Pflanzenzüchtern (Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung I, Prof. Dr. Wolfgang Friedt), Populationsbiologen (Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung II, Prof. Dr. Wolfgang Köhler), Ernährungphysiologen (Institut für Pflanzenernährung, Prof. Dr. Sven Schubert) und Bodenökologen (Institut für Allgemeine und Spezielle Zoologie, Prof. Dr. Volkmar Wolters) gebündelt werden. Bei der Vergabe des Projektes an die Justus-Liebig-Universität hat die Qualität des Hochschulstandortes eine wichtige Rolle gespielt, da hier die Möglichkeit zur Verknüpfung von angewandter Agrarforschung mit jüngst entwickelten biotechnologischen Ansätzen gesehen wurde. In Gießen kann eine agronomisch äußerst relevante Fragestellung vom Laborexperiment bis zur unabdingbaren Prüfung im Feldanbau gebündelt an einem Hochschulort bearbeitet werden.

Ausgehend von der seit langem bekannten Tatsache, daß Pflanzen ein molekulares Abwehrsystem besitzen, mit dem sie sich vor Krankheitserregern wie Pilzen, Bakterien oder Viren schützen können, sollen in dem neuen Verbundprojekt Verfahren entwickelt werden, welche die "Abwehrkraft" (Resistenz) von Kulturpflanzen verstärken. Die geplanten Forschungsarbeiten zielen damit auf die effektivere Ausnutzung von Krankheitsresistenzen, die eine natürliche Ei-genschaft von Pflanzen darstellen. Durch die permanente Intensivierung der Landwirtschaft in den zurückliegenden Jahrzehnten, die u.a. auch mit einer Tendenz zur Monokultur einherging, sind Schaderreger - unerwünschterweise - so massiv gefördert worden, daß die natürlichen Resistenzmechanismen der Kulturpflanzen nicht in jedem Fall genügend Schutz bieten. Nach neueren Erkenntnissen können die natürlich vorhandenen Resistenzen aber durch gezielte Maßnahmen des Pflanzenschutzes gefördert werden. Dieses als Resistenzaktivierung oder "systemisch aktivierte Resistenz" (SAR) bezeichnete Phänomen stellt eine neues Prinzip des Pflanzenschutzes dar, das durch eine Abkehr vom Prinzip der direkten Bekämpfung von Krankheitserregern mit Pestiziden gekennzeichnet ist.

Das Verbundprojekt muß auch unter dem Gesichtspunkt betrachtet werden, daß eine Versorgung der Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln ohne die Entwicklung neuer alternativer Methoden der Pflanzenproduktion in Zukunft nicht gewährleistet werden kann. Trotz großartiger Erfolge der Landwirtschaft in unserem Jahrhundert, wie beispielsweise der Verdoppelung der Weizenproduktion seit den sechziger Jahren, hungern heute - nach neuesten Erhebungen der Welternährungsorganisation FAO - weltweit etwa 800 Millionen Menschen. Die Ernährungslage wird sich in Zukunft kaum entschärfen, denn die Bevölkerung wird bis zum Jahre 2050 von heute rund sechs Milliarden auf etwa zehn Milliarden Menschen anwachsen, die verfügbare Anbaufläche aber bei etwa 1,4 Milliarden Hektar konstant bleiben, wenn nicht - etwa durch Bodenerosion - sogar abnehmen. Im Kontext dieser Zahlen muß zudem bedacht werden, daß trotz intensiver Pflanzenschutzmaßnahmen jährlich noch etwa 30 % der Welternte durch Schadorganismen verlorengehen. Nach Einschätzung der meisten Fachleute kann eine ausrei-chende Versorgung mit Nahrungsmitteln nur durch eine weitere Optimierung traditioneller Verfahren des Pflanzenanbaus und die Entwicklung qualitativ neuartiger Prinzipien des Pflanzenschutzes gewährleistet werden. Der Resistenzforschung kommt in diesem Bereich eine wesentliche Bedeutung zu, da die gezielte Nutzung natürlicher Krankheitsresistenzen wesentlich zu einer nachhaltigen, umweltschonenden Landwirtschaft beitragen kann.

Weitere Informationen in dem Artikel von Karl-Heinz Kogel u.a.: "Resistenzaktivierung von Kulturpflanzen" im Wissenschaftsmagazin der Justus-Liebig-Universität Gießen ("Spiegel der Forschung", Nr. 2, Oktober 1998) oder im Internet unter:

www.uni-giessen.de/~gh1009/dfg-sar/home.htm (SAR-Forschergruppe)

Kontaktadresse:

Prof. Dr. Karl-Heinz Kogel
Institut für Phytopathologie und Angewandte Zoologie
Fachbereich Agrarwissenschaften und Umweltsicherung
Ludwigstraße 23
35390 Gießen
Tel.: 0641/99-37490
Fax 0641/99-37499
e-mail: Karl-Heinz.Kogel@agrar.uni-giessen.de
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