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IWH-Wirtschaft im Wandel 2/1999

16.02.1999 - (idw) Institut für Wirtschaftsforschung Halle

Der Volltext mit Tabellen und Abbildungen zu den einzelnen Beiträgen steht im Internet unter http://www.iwh.uni-halle.de

Insolvenzrecht in Mittel- und Osteuropa: eine ökonomische Einschätzung

Wichtige Strukturreformen auf Unternehmensebene in den mittel- und osteuropäischen Transformationsländern können durch eine konsequente Anwendung des Insolvenzrechts vorangetrieben werden. Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist die Ausgestaltung der Insolvenzgesetze. Sie sollten insbesondere Anreize für Gläubiger schaffen, Insolvenzverfahren dann zu initiieren, wenn Unternehmen überschuldet oder zahlungsunfähig sind, um so die Unternehmenskontrolle zu verbessern. Trotz zahlreicher Novellierungen ist dies in einigen Transformationsländern noch nicht gelungen. Besonders in der Anfangsphase der Transformation wurden die Insolvenzgesetze nur zögerlich in Anspruch genommen. Zum einen sollte die Anpassungsfähigkeit der Unternehmen nicht überstrapaziert werden, zum anderen herrschten vielfach seitens der Regierungen Befürchtungen vor, daß umfangreiche Unternehmensinsolvenzen unweigerlich zu Massenarbeitslosigkeit führten. Die Schaffung stärkerer Gläubigeranreize und eine schärfere Anwendung der Insolvenzgesetze bieten jedoch die Chance für eine ungehindertere Kreditvergabe der Banken an den Unternehmenssektor und für eine stärkere Finanzdisziplin der Unternehmen.
Thomas Linne (thl@iwh.uni-halle.de)


Trinkwasserversorgung in Deutschland: wirksamer Grundwasserschutz notwendig

Im internationalem Vergleich ist Deutschland reichlich mit Wasserressourcen ausgestattet. So sind für die absehbare Zukunft kaum Mengenrestriktionen für die Trinkwasserversorgung gegeben, zumal der Verbrauch durch Wassersparen und verändertes Konsumverhalten abnimmt. Jedoch hat sich die Qualität des Grundwassers, das zu etwa 70 vH für die Trinkwasserproduktion genutzt wird, spürbar verschlechtert. Daran sind Pestizid- und Nitrateinträge aus intensiver Landwirtschaft wesentlich beteiligt. Eine intensivere Wasserreinigung zur Eleminierung der Schadstoffe oder eine Förderung tiefer liegenden, bislang weniger verschmutzten Grundwassers würde zusätzliche Kosten verursachen. Daher wird ein wirksamer Grundwasserschutz befürwortet. Dazu hat der Rat von Sachverständigen für Umweltfragen eine Reihe von Maßnahmen empfohlen, darunter eine verbindliche standort- und grundwassergerechte Landnutzung. Daraus resultierende Nachteile von Forst- und Landwirten müßten nach geltendem Recht mit Ausgleichszahlungen kompensiert werden. Das würde jedoch die Steuerzahler bzw. Wasserverbraucher und nicht die Schadensverursacher belasten. Zur Vermeidung der Grundwasserkontaminationen können künftig auch biotechnologische Innovationen wie ergiebigere resistentere Pflanzenmodifikationen oder selektiv wirkende Biopestizide beitragen. Diese Möglichkeit zur Erhöhung der Effizienz landwirtschaftlicher Produktion und zur gleichzeitigen Senkung von Pestizid- und Düngereinsätze sollte in Strategien des Grundwasserschutzes integriert werden.
Walter Komar kmr@iwh.uni-halle.de


Kontrastreicher Aufwärtstrend der Unternehmen
im ostdeutschen Verarbeitenden Gewerbe

Die Ertragslage im ostdeutschen Verarbeitenden Gewerbe hat sich in den letzten Jahren stetig verbessert. Nach amtlichen Angaben verringerten sich bis 1996 die Verluste deutlich. Laut IWH-Umfragen ist 1997 der Anteil der Verlustunternehmen auf weniger als ein Drittel gesunken.
Die Fortschritte in der Ertragslage vollzogen sich bei großer Differenzierung zwischen den Unternehmen. Ausgehend von der Ertragsentwicklung, dem Umsatz, der Beschäftigungsentwicklung und den Investitionen lassen sich vier Unternehmensgruppen identifizieren - Gewinner, Aufsteiger, Nachzügler und Verlierer. Die Gruppe der Gewinner ist dabei zwar nicht dominant, macht aber ein Viertel der Gesamtheit aus. Den größten Anteil hält die Gruppe der Nachzügler mit 30 vH.
Ergänzt um weitere Indikatoren, wie Innovationstätigkeit und Marketing, zeichnen sich die Gewinner vor allem durch Umsatzzuwachs sowie umfangreiche Marketingaktivitäten aus. Die Verlierer weisen dagegen neben hohen Personalkosten auch Defizite beim Marketing und bei den Innovation auf. Allerdings werden hier Bemühungen deutlich, diese Engpässe zu verringern und damit die Entwicklung der Ertragslage positiv zu beeinflussen.
Bärbel Laschke (lsk@iwh.uni-halle.de)


Branchenskizze: Ostdeutsche Chemische Industrie

Die Chemische Industrie Ostdeutschlands zählte lange Zeit zu den Sorgenkindern im Transformationsprozeß. Dies zeigen ausgewählte Strukturdaten, die bis zum Jahr 1997 vorliegen. Am aktuellen Rand deutet sich jedoch an, daß sich eine Wende zum Besseren vollzieht:
Der Umsatz erhöhte sich schon 1997 gegenüber 1996 um rund ein Sechstel auf 10,1 Mrd. DM; davon haben chemische Grundstoffe mit 55 vH und Pharmazeutika mit 16 vH die höchsten Anteile. Am kräftigsten stiegen die Lieferungen in das Ausland an: sie nahmen um knapp ein Drittel auf 2,8 Mrd. DM zu. Dadurch stieg die Exportquote auf 28 vH (1996: 24,5 vH); in der westdeutschen Chemischen Industrie belief sie sich vergleichsweise auf knapp 47 vH. 1998 hat sich die Umsatzausweitung fortgesetzt (Januar bis Oktober: 8,0 vH).
Die Steigerung des Umsatzes ging freilich nicht mit einer entsprechenden Produktionsentwicklung einher. Bedingt durch die laufenden Restrukturierungsmaßnahmen, die mit zeitweiligen Produktionsausfällen verbunden waren, hat sich die Produktion 1997 nochmals zurückentwickelt. Der Umsatz wurde u.a. durch den zeitweiligen Zukauf von Produkten gesichert. Der Rückgang der (arbeitstäglich bereinigten) Produktion ist indes gestoppt; seit Oktober 1997 werden fast durchweg monatlich höhere Produktionsvolumina gegenüber dem jeweiligen Vorjahreszeitraum erreicht.
Eine günstigere Entwicklung zeichnet sich auch bei der Beschäftigung ab. Nach einem jahrelangen massiven Arbeitsplatzabbau war 1997 zum ersten Male seit 1990 die Zahl der Beschäftigten in den ostdeutschen Chemiebetrieben (20 und mehr Beschäftigte) wieder leicht angestiegen. Zwar führt die Umstrukturierung in einzelnen großen Unternehmen noch zu Personalabbau, jedoch entstehen vor allem in kleinen und mittleren Chemiebetrieben neue Arbeitsplätze.
Wesentliche Gründe für die nun sichtbaren Fortschritte in diesem Industriezweig dürften vor allem sein:
- Die umfangreichen Investitionen - pro Arbeitsplatz ist im Zeitraum von 1991 bis 1997 mehr als doppelt so viel in neue Anlagen investiert worden wie in westdeutschen Chemiebetrieben - werden zunehmend produktionswirksam. 1996 wurden über 2 Mrd. DM in Anlagen, darunter 1,6 Mrd. DM in Ausrüstungen, investiert. 1997 und 1998 dürften nach den Ergebnissen des ifo-Investionstests vom Frühjahr 1998 jeweils ähnlich hohe Beträge verausgabt worden sein.
- Forschung und Entwicklung sowie die Nutzung moderner Verfahren und Technologien sind in vielen Betrieben ausgeweitet worden. Die Zahl der in Forschung und Entwicklung Beschäftigten ist nach Verbandsangaben von 1.750 (1993) auf etwa 2.100 (1997) angewachsen.
- Fortschritte im Marketing haben dazu geführt, daß Produktionsprofile und Erzeugnissortimente stärker auf die Anforderungen überregionaler Märkte ausgerichtet wurden.
Probleme und Schwächen zeigen sich nach den vorliegenden Daten vor allem in der Effizienz und Produktivität der Chemieproduktion.
Aus den Ergebnissen der Kostenstrukturstatistik für 1995 und 1996 geht hervor, daß die Kosten den Bruttoproduktionswert erheblich übertrafen. Es muß davon ausgegangen werden, daß auch 1998 eine Vielzahl von Unternehmen noch keine Gewinne realisiert. Im Vergleich zu westdeutschen Chemieunternehmen waren insbesondere die Kostenanteile für den Material- und Energieverbrauch sowie für Abschreibungen deutlich höher.

Bei der Arbeitsproduktivität, gemessen an der nominalen Bruttowertschöpfung je Beschäftigten, erzielten die ostdeutschen Chemieunternehmen 1996, vermutlich auch 1997 und 1998, nicht einmal die Hälfte des Wertes der westdeutschen Chemieindustrie. Erklärt werden kann dies u.a. mit den noch anhaltenden Restrukturierungsmaßnahmen und der Tatsache, daß viele Unternehmen nicht die Größe und Reputation haben, um Skaleneffekte und andere Vorteile, wie sie westdeutsche Unternehmen erreichen, zu realisieren. 1997 beschäftigten die ostdeutschen Chemiebetriebe im Schnitt 153 Per-sonen pro Betrieb, die westdeutschen dagegen 312.
Siegfried Beer (sbr@iwh.uni-halle.de)
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