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Altes Testament zwischen Religionsgeschichte und Philosophie

19.02.1999 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Prof. Dr. Hans-Peter Müller, Direktor des Alttestamentlichen Seminars der Evangelischen Fakultät der Universität Münster, wird am 21. Februar 65 Jahre alt. Zum Ende des Wintersemesters wird der international renommierte Wissenschaftler emeritiert.

Prof. Dr. Hans-Peter Müller, langjähriger Professor für Altes Testament und Religionsgeschichte und Direktor des Alttestamentlichen Seminars der Evangelisch- Theologischen Fakultät der Universität Münster, wird am 21. Februar 65 Jahre alt. Am Ende des Monats wird der international renommierte Wissenschaftler, den die New York Academy of Sciences 1996 zu ihrem aktiven Mitglied machte, emeritiert.

Geboren 1934 in Berlin, studierte Müller in Berlin und Basel Evangelische Theologie, Orientalistik und Philosophie. 1957 und 1959 legte er vor der Evangelischen Kirche von Berlin und Brandenburg das Erste und Zweite Theologische Examen ab. Nach der Ordination war er von 1959 bis 1964 Pfarrer in Berlin-Friedenau. Aus dem Pfarramt heraus erfolgte 1963 die Promotion in Heidelberg über ein Thema aus der Offenbarung des Johannes.

1966 begann die erste wissenschaftliche Karriere in Münster, als Müller Assistent bei Prof. Smend wurde, sich 1967 über die "Ursprünge und Strukturen alttestamentlicher Eschatologie" habilitierte und 1971 zum Wissenschaftlichen Rat und Professor ernannt wurde. 1978 wurde er zum Professor für "Altes Testament und Spätisraelitische Religionsgeschichte" an die Universität Hamburg berufen. Doch schon 1983 folgte er dem Ruf aus Münster und übernahm den Lehrstuhl für Altes Testament, dessen Bezeichnung - den weitgespannten Interessen seines Inhabers folgend - 1985 um den Zusatz "und nordwestsemitische Literaturen" und 1995 "und Religionsgeschichte" erweitert wurde.

Prof. Müller hat das Profil der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Münster nachhaltig mitgeprägt. Auf der einen Seite vermittelte er dem Fach Altes Testament einen deutlichen philologischen und religionsgeschichtlichen Schwerpunkt. Er leitete die Forschungsstelle "Sprache, Literatur und Religion des nordwestsemitischen Raums" und gab hier seit 1988 die von ihm begründete "Zeitschrift für Althebraistik" heraus. Auf der anderen Seite wirkte er - seinen orientalistischen, religionsgeschichtlichen und philosophischen Interessen folgend - weit über sein eigentliches Fachgebiet und die Theologie hinaus und initiierte vielfältige interdisziplinäre Diskurse. Viele werden sich noch an die von Prof. Müller mit anderen geleiteten Ringvorlesungen erinnern, die sich jedesmal eines hohen Interesses in der Münsteraner Öffentlichkeit erfreuten.

Prof. Müller hat sich immer für eine Offenheit der Theologie hin zu den anderen Wissenschaften eingesetzt. So ist es auch kein Wunder, daß er mit zu den Gründungsmitgliedern des "Arbeitskreises zur Erforschung der Religions- und Kulturgeschichte des Antiken Vorderen Orients (AZERKAVO)" gehörte. Im beantragten Sonderforschungsbereich "Funktionen von Religion in antiken Gesellschaften des Vorderen Orients" nimmt er nicht nur die Aufgabe eines Teilprojektleiters wahr, sondern auch die des Sprechers einer der vier Projektgruppen. Von 1995 bis 1996 hat Prof. Müller seiner Fakultät als Dekan gedient.

Der Jubilar kann auf eine reiche Forschungstätigkeit zurückblicken. Schwerpunkte seiner Forschungen bildeten neben der nordwestsemitischen Philologie, die alt- und neutestamentliche Apokalyptik, die israelische Weisheit, das Hohelied, dem er einen Kommentar widmete, und die Biblische Urgeschichte. In weit über 100 Aufsätzen, von denen die wichtigsten in drei Sammelbänden zusammengestellt sind, hat er nicht nur die alttestamentliche Fachforschung vorangetrieben, sondern zugleich auch eine anspruchsvolle theologisch-philosophische Gesamtkonzeption entfaltet. Typisch für seine Arbeit ist auf der einen Seite die breite und unvoreingenommene Einbeziehung des religionsgeschichtlichen Vergleichsmaterials in die Auslegung biblischer Texte und theologische Reflexion. Hier geht es ihm um die Grundlegung für eine christliche Theologie der Religionen als Basis eines interreligiösen Dialogs. Auf der anderen Seite bemüht sich Müller um eine philosophische Interpretation seiner biblischen und religionsgeschichtlichen Ergebnisse auf der Linie einer evolutionären Erkenntnistheorie und der modernen Humantheologie.

Die anstehende Emeritierung bedeutet für Prof. Müller noch lange nicht das Ende seiner Forschungstätigkeit. Die Entlastung von den universitären Aufgaben erlaubt es ihm, liegengebliebene Projekte in Angriff zu nehmen. Als erstes steht eine große "Religionsgeschichte der Phöniker, Punier und Aramäer" auf dem Programm.

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