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Am Mittwoch 28. Kolloquium Mathematik-Didaktik

22.02.1999 - (idw) Universität Bayreuth

Bayreuth (UBT). "Wie sage ich es meinem Kinde?", könnte man, etwas flapsig ausgedrückt, die Thematik des 28. Kolloquiums Mathematik-Didaktik überschreiben, das am Mittwoch (24. Februar, 10.00 Uhr, Hörsaal H 19, Gebäude Naturwissenschaften II) unter der Leitung von Professor Dr. Peter Baptist stattfinden wird. Und tatsächlich dreht sich das Kolloquium schwerpunktmäßig um ein von Bund und Ländern gefördertes Programm, das die Steigerung der Effizienz des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts zum Ziel hat.

Zielgruppe dieser Veranstaltung, die seit Jahren einen sehr guten und in allen Winkeln des Freistaats wahrgenommenen Ruf hat, sind Fachlehrerinnen und
-lehrer für Mathematik an Gymnasien und Fachoberschulen in Oberfranken und der nördlichen Oberpfalz. Seit Jahren ist es allerdings an der Tagesordnung, daß auch aus anderen bayerischen Gefilden Anmeldungen vorliegen.

Organisator Professor Baptist beschreitet selber den ersten der vier vorgesehenen Beiträge (10.15 Uhr) und will dabei "Anregungen für eine veränderte Aufgabenkultur" geben. Wenn man wirklich wolle, daß die Schüler selbständig würden, müssen sie bereits beim Lernen Eigenständigkeit erwerben, meint er. Keinen Sinn macht es, sie lediglich mit fertigen Lösungen und Ergebnissen, also reinen Fakten, vollzustopfen. Es gehe also vor allem darum zu lernen, wie man Lösungen bzw. Ergebnisse erzielt. Und: Wie kann man erreichen, daß die Schüler ihr Wissen auch anwenden können? In seinem Beitrag will Baptist Hinweise geben auf veränderte Vergehensweise beim Lösen bzw. beim Beschäftigen mit Aufgaben.

In einem zweiten Beitrag (11.15 Uhr) vermittelt dann Oberstudienrat R. Wiessner (E.-von-Behring-Gymnasium Spardorf) Erfahrungen einer Pilotschule des Bund-Länder-Programms. Innerhalb dieses Programmes nämlich kooperieren die Schulen in lokalen Netzwerken von jeweils sechs, wobei die Koordination der Arbeit der beteiligten Lehrkräfte durch eine sogenannte Pilotschule erfolgt. Über die Struktur und Zielsetzung des Programms, über kommulatives Lernen als wesentlicher Ansatz zur Steigerung der Effizienz des Mathematikunterrichts und über erste Erfahrungen aus der Arbeit im BLK-Programm wird Wiessner berichten.

Ein Plädoyer für das Nachdenken über die Lernziele des Mathematikunterrichts und über Leistungsbewertungen soll nach der Mittagspause (14.30 Uhr) der Beitrag von Professor Dr. K. Haefner (Universität Bremen) werden. Als Grundlage dient ihm, daß in der Schule nur "niedere Abstraktionen" der "real genutzten Mathematik" vermittelt werden. Deshalb steht zur Zeit auch die "Symbolmanipulation" sehr im Zentrum des deutschen Mathematikunterrichts. Bei dieser Schwerpunktsetzung bleiben Einsichten in Mathematisierung komplexerer Zusammenhänge für Schülerinnen und Schüler in aller Regel im Dunkeln. Das bedeutet laut Haefner, daß schwerpunktmäßig heute die falschen Lernziele verfolgt werden. Die machten bis in die 60er Jahr durchaus auch ihren Sinn, doch seit den 70er Jahren gibt es mathematische Expertensysteme, die in der Lage sind, eine Fülle von Symbolmanipulationen, graphischen Darstellung und insbesondere Lösungen auch komplexer mathematischer Aufgaben unmittelbar, schnell, zuverlässig und billig informationstechnisch abzuwickeln.

Den letzen Beitrag (15.30 Uhr) bestreitet Dr. U. Kofer von der DaimlerChrysler AG Stuttgart mit einem Beitrag über das Thema "Ressource Mensch - lebendiges Lernen als Antwort auf einen Wertewandel". Er meint, der Einsatz moderner Medien sei allein noch keine Garantie sich in Zeiten ständig neuer Informationen über Schlüsselqualifikationen und Systemdenken das richtige Wissen anzueignen. Entscheidend sei nicht das Medium, meint Kofer, sondern der Lernprozeß, der bei den Lernenden ablaufen soll. Sein Credo lautet: Wer in eigner Regie Aufgaben lösen soll muß das Suchen lernen, nicht die vorgegebenen Lösungen. Damit schließt sich der Kreis wieder zu dem Beitrag von Professor Baptist, denn Kofers Weg ist, den Lernprozeß so zu gestalten, daß die Lernenden beim Lernen selbständig werden. Jedenfalls fordert Kofer ein Umdenken bei allen Beteiligten, vom Personalmanager bis zum Lehrgangsteilnehmer.

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