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21. Baden-Württemberg-Kolloquium "Südasien: Die Herausforderung des Globalisierungsprozesses"

23.02.1999 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Forum für besonders begabte und engagierte Studierende - Baden-württembergisches Wissenschaftsministerium und Universität Heidelberg haben ausgewählte Studierende der Landesuniversitäten vom 2. bis 5. März 1999 nach Bad Herrenalb eingeladen

Top-aktuell ist auch in diesem Jahr das Thema des "Baden-Württemberg-Kolloquiums". "Südasien: Die Herausforderung des Globalisierungsprozesses" steht im Blickpunkt der Veranstaltung, zu der das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und die Universität Heidelberg ausgewählte Studierende der Landesuniversitäten vom 2. bis 5. März 1999 in die Evangelische Akademie Bad Herrenalb eingeladen haben. Das "Baden-Württemberg-Kolloquium" ist eine junge, aber bereits etablierte Einrichtung: ein Forum für besonders begabte und engagierte Studierende. Sein wichtigstes Ziel ist es, die Interdisziplinarität des wissenschaftlichen Denkens zu fördern.

Wird die Globalisierung die bestehenden Mißstände verewigen?

Im Westen ebenso wie in Südasien suggeriert der Begriff "Globalisierung" weit mehr als die zunehmende internationale wirtschaftliche Verflechtung. Er erzeugt die Vorstellung, daß sich Kulturen, Politik, das gesamte gesellschaftliche Leben unter dem Gesetz globaler Märkte und globaler Medien und Kommunikationsströme verändern werden. Es wird die Befürchtung laut, daß globale Entwicklungen zur Erosion bestehender regionaler Eigentümlichkeiten führen. Diese verschwinden jedoch nicht, sondern werden zum Sprengsatz in der Globalisierung, indem sie in gewaltsam auftretende Gegenpositionen münden. Solche Positionen können sich etwa in religiösen Konflikten und neuen Nationalismen artikulieren. Ferner wirft die Globalisierungsproblematik die Frage auf, wie die bestehende strukturelle Ungleichheit zwischen Nord und Süd und in Südasien selbst im Zuge der Globalisierung weiter verlaufen wird. Auf eine Vielzahl von Fragen sucht das "21. Baden-Württemberg-Kolloquium" Antworten: Wird die Globalisierung die bestehenden Mißstände verewigen oder wird sie umgekehrt strukturellen Wandel ermöglichen?

Die Debatte um die Globalisierung steht in bezug auf Südasien (geographisch der indische Subkontinent mit der Indischen Union, Pakistan, Bangladesh, Sri Lanka und Nepal als wichtigsten Staaten) unter einem doppelten Vorzeichen. Es geht um Globalisierungsvorgänge in Südasien selbst, aber auch um eine globalisierte südasiatische Präsenz außerhalb Südasiens. Sie beruht auf einer auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet namhaften südasiatischen Population im Westen, vor allem in Großbritannien und Nordamerika (Vereinigte Staaten und Kanada).

In Südasien und der großen südasiatischen Diaspora im Westen - beide noch gezeichnet von Jahrzehnten postkolonialer Bestimmtheit und in ihren intellektuellen Eliten mittlerweile gebeutelt von der Diskussion um die Postmoderne - gilt Globalisierung vielfach als die Besiegelung des Zerfalls der eigenen kulturellen Identität. Dies erzeugt, vor allem unter den Intellektuellen, heftige Reaktionen, die jedoch nicht unter der so einladenden Rubrik "Fundamentalismus" abgelegt werden können. Sie spaltet die wirtschaftlichen und intellektuellen Eliten in Globalisierungseuphoriker und deren erbitterte Kontrahenten. Bestimmte Kreise, gerade der Diaspora, holen in dieser Situation mit professionell eingesetztem publizistischen und materiellen Aufwand zum Gegenschlag aus und suggerieren eine geistige Globalisierung, die von Südasien ausgehen werde und in der sich die kulturellen und religiösen Werte des Subkontinents unaufhaltsam über die Welt verbreiten würden.

Bedrohung oder Zukunftsträume - zwischen beiden liegen viele Wirklichkeiten, die das "21. Baden-Württemberg-Kolloquium" aufzeigen möchte.

Globalisierung - doch nur ein anderes Wort für Kolonisierung?

Eröffnet wird das 21. Kolloquium am 3. März um 9.30 Uhr durch Rektor Prof. Dr. Jürgen Siebke und den Geschäftsführenden Direktor des Südasien-Instituts (SAI) der Universität Heidelberg, Prof. Dr. Hans-Georg Bohle. In das Tagesthema "Politische Aspekte" führen dann Prof. Dr. Dietmar Rothermund (SAI) und Dr. Harish Khare von "The Hindu"/ New Delhi ein, gefolgt von dem SAI-Politologen Prof. Dr. Subrata Mitra und Prof. Dr. Roger Ballard, University of Manchester. Eine Diskussionsrunde schließt den Tag ab: "Globalisierung - doch nur ein anderes Wort für Kolonisierung?"

Am zweiten und dritten Tag des Kolloquiums stehen wirtschaftliche und kulturelle Aspekte im Vordergrund. Die Rednerliste umfaßt nicht nur Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Heidelberg, sondern auch Dr. Seshu Bhagavathula aus dem Daimler-Benz Research Centre India und Soumitra Bhattacharya von der Robert Bosch GmbH Stuttgart. Das Kolloquium endet mit einer Diskussionsrunde "Intellektuelle Globalisierungsszenarien", die auch Proben aus dem Internet bietet.

Kolloquium: erfolgreiche Förderung

Das "Baden-Württemberg-Kolloquium" ist zu einem erfolgreichen Bestandteil der Förderung des studentischen Nachwuchses im Südwesten geworden. Das Wissenschaftsministerium schuf dadurch in Zusammenarbeit mit den Universitäten und mit wesentlicher Unterstützung interessierter Wirtschaftsunternehmen ein Forum, das besonders begabten und engagierten Studierenden die Gelegenheit gibt, über die Fachgrenzen hinaus mit Wissenschaftlern und Experten aus der Praxis ins Gespräch zu kommen und über ausgewählte Themen zu diskutieren.

Rückfragen bitte an:

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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