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Selbstgängige Rottemietenbelüftung mit dem Dombelüftungsverfahren

23.02.1999 - (idw) Technische Universität Dresden

Terra Tec, die Umweltmesse in Leipzig (2. bis 5. März 1999)

Der Sauerstoff strömt durch den Dom: Geruchlos und kostengünstig verrotten Bioabfälle in der Miete

Biomüll, Gelber Sack, Altpapier, Altglas und Restmüll: Die Deutschen sind Weltmeister beim Sortieren ihres Abfalls. Damit sollte der ganze Müll ökologisch korrekt getrennt sein, doch weit gefehlt. Denn immerhin bis zu 30 Prozent biologisch abbaubare Abfälle landen im Restmüll. Und genau diese Stoffe stören auf der Mülldeponie: Sie werden ungewollt biologisch abgebaut, wobei das klimawirksame Methangas und Sickerwasser entstehen. Außerdem stören Deponien so manches Mal ganz empfindlich die Nasen der Anwohner.

Kurzfristige Abhilfe bringt ein neues und kostengünstiges Belüftungsverfahren für Rottemieten aus verschiedenstens Stoffen - von Restabfall bis Altholzgemischen, das die Arbeitsgruppe von Dr. Joachim Brummack vom Institut für Verfahrenstechnik und Umwelttechnik an der Technischen Universität Dresden zur Anwendungsreife entwickelt hat. Das sogenannte Dombelüftungsverfahren stellen die Dresdner Wissenschaftler auf der Leipziger Umweltmesse Terra Tec vom 2. bis 5. März 1999 erstmals vor (Halle 3, Stand A01). Es ist mittlerweile auf mehreren Standorten im Einsatz - ohne Gebläse und Stromeinsatz.

"Es gibt eine ganze Reihe von Abfallstoffen, die sich mittels Sauerstoff biologisch abbauen lassen", berichtet Dr. Joachim Brummack. In kleineren und mittleren Anlagen ist das Verrotten dieser Abfälle kostengünstig nur durch eine offene Rottemiete zu realisieren. Offene Rottenmieten werden ebenfalls zur Nachrotte nach geschlossenen Intensivrottesystemen genutzt. "Dabei tauchen einige Probleme auf", so Brummack, "durch die mangelhafte Belüftung der Abfallhaufen kommt es zu Geruchsbelästigungen. Es entsteht Sickerwasser, und der Mietenfuß vernäßt." Keine der bisher getesteten Lösungen zur selbständigen Belüftung ist in der Lage, einen konsequenten aeroben Prozeß (Zersetzung durch Sauerstoffzufuhr) zu gewährleisten. Die Alternative sind teure Zwangsbelüftungssysteme, die viele Kleinbetriebe nicht bezahlen können, und/oder die Mieten müssen häufig umgesetzt werden.

"Für unser Verfahren sind nur eine befahrbare Fläche, egal, ob eben oder schräg, sowie ein Gabelstapler und die Belüftungsdome notwendig. Das System wird ergänzt durch Zuluftkanäle, denn wo Abluft herausströmt, muß auch Frischluft zugeführt werden. Die Dome und die Kanäle sind einfach aus Stahlmatten hergestellt, wie sie beim Hausbau eingesetzt werden", erläutert Dr. Joachim Brummack.

Die Abfallmieten werden um den Dom herum angelegt. Im Mietenfuß liegen zwischen den Domen jeweils zwei Kanalrohre, die aus der Miete herausschauen. Brummack: "Diese speziell entwickelte Konstruktion bewirkt eine Luftströmung. Durch die Zugluftkanäle strömt Frischluft nach. Der Druck der Außenluft bringt die in der Kompostmiete erwärmte Luft in den sogenannten Entlüftungsdomen zum Aufsteigen. Der Haufen wird mit einer dicken Schicht aus fertigem Kompost abgedeckt, der wie eine Klimaanlage mit Luftreinigung wirkt. Die Wärme und Feuchte bleiben drin, denn sie werden für den Abbau gebraucht. Auftreffender Regen wird aufgesaugt und wieder verdunstet. Die Miete hat ihren eigenen Wasserhaushalt. Zusätzliches Wasser würde den Prozeß - wie oben beschrieben - stören. Damit wurde es möglich, Kompostmieten ohne Nutzung von Gebläsen bis ins Innere mit Sauerstoff zu versorgen." Nach sechs Monaten sind - ohne Umdrehen des Abfallhaufens - die biologisch abbaubaren Stoffen verrottet. Zurück bleibt der trockene Restmüll.

Bisher wurden mit dem Dombelüftungsverfahren rund 11.000 Tonnen Abfälle behandelt. "Getestet haben wir dieses neuartige Belüftungsverfahren bei Rottemieten mit Grünabfällen, Holz-Klärschlamm-Gemischen und Restabfällen", erläutert der Dresdner Wissenschaftler. Mit dem Land Brandenburg hat Brummack einen Forschungsauftrag abgeschlossen. Bei der größten kommunalen Deponie dieses Bundeslandes, in Cottbus, werden die Dresdner nachweisen, daß kein Sickerwasser entsteht und die Emissionswerte eingehalten werden können.

Weitere Informationen: Technische Universität Dresden, Institut für Verfahrenstechnik und Umwelttechnik, Dr. Joachim Brummack,

Telefon (03 51) 4 63-44 30, Fax (03 51) 4 63-71 26,
E-mail: Joachim.Brummack@mailbox.tu-dresden.de,
oder vom 2. bis 5. März 1999 auf der Leipziger Umweltmesse "Terra Tec" (Halle 3, Stand A01, Gemeinschaftsstand "Forschungsland Sachsen",
Telefon (03 41) 6 78-57 99, Fax (03 41) 6 78-58 00).

Birte Urban, Telefon (03 51) 4 63-30 37
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