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Festkörperphysiker tagen in Münster

26.02.1999 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Über 3000 Teilnehmer werden zur Frühjahrstagung des Arbeitskreises Festkörperphysik der deutschen Physikalischen Gesellschaft vom 22. bis 26. März 1999 an der Universität Münster erwartet.

Die mit Anbruch der Semesterferien eingekehrte Ruhe auf dem Gelände der Universität Münster wird diesmal nicht von langer Dauer sein. Bereits 14 Tage vor Ostern wird sich ein großer Teil der verwaisten Hörsäle eine Woche lang wieder mit Leben füllen. Statt der Studierenden werden indes über 3000 Physiker die Hörsaalbänke drücken. Denn vom 22. bis 26. März ist es mal wieder soweit: Der Arbeitskreis Festkörperphysik der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) veranstaltet seine traditionelle Frühjahrstagung in Münster. Dieser alle zwei Jahre an der Westfälischen Wilhelms-Universität stattfindende Kongreß ist der mit Abstand größte überhaupt, der an dieser Universität ausgetragen wird. Einer der Höhepunkte der Veranstaltung wird diesmal der Beitrag des letztjährigen Nobelpreisträgers für Physik Prof. Dr. Horst L. Störmer sein, der in einem der acht Plenarvorträge über seine Forschungsarbeiten berichtet.

Keine Frage, daß eine Tagung in dieser Größenordnung einer enormen Organisationsarbeit bedarf. Während die DPG die inhaltliche Konzeption und die Einladung der Referenten übernommen hat, liegt die gesamte Logistik in den Händen von Dr. Horst Fehmer, Akademischer Oberrat am Physikalischen Institut der Universität Münster. Wenngleich diese bereits die vierte große Physikertagung ist, die von ihm organisiert wird, so ist der Aufwand doch nach wie vor beachtlich. Seit Oktober vergangenen Jahres läuft die heiße Phase, seitdem ist der münstersche Physiker ausschließlich mit Kongreßvorbereitung beschäftigt. Und parallel hat er auch schon die nächste Frühjahrstagung im Jahr 2001 im Kopf, für die er bereits jetzt die erforderlichen Hörsäle reservieren ließ.

Daß bei einer Teilnehmerzahl von über 3000 ein Veranstaltungsraum nicht ausreicht, liegt auf der Hand. Die über 2600 Vorträge, die das diesjährige Tagungsprogramm umfaßt, werden in insgesamt 32 über die ganze Innenstadt verteilten Hörsälen stattfinden. Ob Schloß, Fürstenberghaus oder Juridicum - alles wird in dieser Woche fest in Physikerhand sein. Zusätzlich wird auf dem Hindenburgplatz wieder ein 1000 Quadratmeter großes Zelt aufgebaut werden, in dem unter anderem Industrie und Verlage neue physikalische Geräte und Fachliteratur präsentieren.

Wie in den vergangenen Jahren wird die Tagung gemeinsam mit dem Fachausschuß Festkörperphysik der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft sowie der Nederlandse Naturrkundige Verenigung veranstaltet. Entsprechend kommen die Teilnehmer auch nicht nur aus Deutschland, sondern aus ganz Europa. Unter den Referenten sind überdies mehrere außereuropäische Wissenschaftler vornehmlich aus den USA und aus Israel. Neben dem fachlichen Austausch auf hochkarätiger Expertenebene gilt die Frühjahrstagung in Münster auch als attraktives Forum für Nachwuchswissenschaftler. Viele von ihnen haben hier erstmals die Gelegenheit, ihre Forschungsprojekte öffentlich zu präsentieren.

Das einschließlich der Vortragszusammenfassungen über 500 Seiten starke Tagungsprogramm bietet einen breiten Überblick über die neuesten Forschungsergebnisse , unter anderem aus der Halbleiterphsyik, des Magnetismus, der Metallphysik, der Tieftemperaturphysik und der Vakuumphysik. So wird Nobelpreisträger Störmer beispielsweise über den von ihm entdeckten gebrochenzahligen Quanten-Hall-Effekt berichten, Prof. Dr. Jochen Schneider aus Hamburg neue Möglichkeiten der Forschung mit einem Freie-Elektronen-Laser für Röntgenstrahlen vorstellen und der amerikanische Physiker Stuart Parkin über den Riesenmagneto- Widerstandseffekt berichten, für den kürzlich eine deutsche Arbeitsgruppe mit dem Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten ausgezeichnet wurde.


Weitere wissenschaftliche Akzente haben die Veranstalter durch Symposien gesetzt, in denen es unter anderem um nanokristalline Materialien geht. Die winzigen Partikel mit Abmessungen von wenigen millionstel Millimetern besitzen ungewöhnliche elektronische und magnetische Eigenschaften, die beispielsweise in leistungsfähigen Transformatoren Anwendung finden. Andere Symposien haben metallpysikalische Probleme der Mikroelektronik zum Thema oder befassen sich mit Halbleiterbauelementen aus organischen Materialien. In der Tieftemperaturphysik geht es um Fortschritte bei der Anwendung von Hochtemperatur- Supraleitern.

Ein besonderer Höhepunkt der Tagung ist die Festsitzung am Mittwoch, dem 24. März, bei dem der renommierte Walter-Schottky-Preis verliehen wird. Preisträger ist diesmal Dr. Thomas Herrmannsdörfer von der Universität Bayreuth. Den Festvortrag hält Prof. Dr. Joachim Treusch, Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Jülich, zum Thema "Jahrhundertwende: ist unsere Forschung fit für die Zukunft?" Auf großes Interesse dürfte auch der öffentliche Abendvortrag stoßen, in dem sich der Philosoph Prof. Dr. Jürgen Mittelstraß aus Konstanz am selben Tag um 20 Uhr im Hörsaal F 1 mit dem Thema "Zwischen Naturwissenschaft und Philosophie. Versuch einer Neuvermessung des Geistes" auseinandersetzt. Tagungsorganisator Fehmer hofft derzeit noch darauf, daß eine Übertragung in andere Hörsäle ermöglicht wird, um dem erwarteten großen Zulauf auf diese Veranstaltung gerecht zu werden.

Ebenfalls nicht nur an physikalische Insider richtet sich eine in diesem Jahr erstmals organisierte kleine Ausstellung mit Bildern, in denen eine Brücke zwischen Physik und Kunst geschlagen wird. Schon Tradition bei den Physikertagungen in Münster ist dagegen der Lehrertag, bei dem Physiklehrern ein Einblick in aktuelle Forschungsergebnisse geboten wird. Dies soll diesmal auch besonders anschaulich geschehen: Um den Effekt von Supraleitung zu demonstrieren, wird eine Modelleisenbahn über ein supraleitungserzeugtes Magnetfeld rauschen und dabei sogar senkrecht eine Häuserwand hinaufklimmen.

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