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Dialogkultur der Renaissance

05.05.1999 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Jenaer Anglisten starten großes Forschungsprojekt

Jena (05.05.99) "In der Renaissance ist der Dialog als kulturelles und literarisches Phänomen und als eigenständige Gattung neu entdeckt worden", erläutert Prof. Dr. Wolfgang G. Müller. Den hohen formalen Standard und die umfassende Präsenz des Dialogs in der englischen Kultur kann der Anglist von der Friedrich-Schiller-Universität Jena nun näher untersuchen. Gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Dr. Axel Hübler und Doktoranden wird er ab Juni "Dialog und Gesprächskultur in der englischen Renaissance" in einem umfangreichen Projekt erforschen. Möglich wird dies durch eine Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), die gerade Sachmittel und mehrere Doktorandenstellen für mindestens zwei Jahre bewilligt hat. "Für einen Einzelantrag ist das eine bemerkenswerte Bewilligung", kommentiert Müller.

Das Vorhaben, das acht literatur- und sprachwissenschaftliche Teilprojekte vereint, will den Dialog in seinem historischen Kontext und seiner geschichtlichen Bedingtheit untersuchen. Im Mittelpunkt der Forschungen stehen Anstands-, Erziehungs- und Rhetorikbücher aus dem 15. und 16. Jahrhundert. "Sie haben im Hinblick auf die Gesprächskultur der Epoche normsetzende Kraft", weiß Müller aus früheren Studien. Diese Norm will man jetzt in allen literarischen Sparten - von zielfreier Literatur bis zu zweckgerichteten Dialogen - näher ausleuchten.

"Shakespeare spielt dabei eine zentrale Rolle", wird der herausragende Autor jener Zeit in das Forschungskonzept eingefügt. ""Bei Shakespeare treten so gut wie alle Phänomene auf, denen sich die neuere, auch linguistische, Dialogforschung widmet", so Müller, der gerade in den Vorstand der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft gewählt worden ist. Doch im Gegensatz zu den Monologen sind die Dialoge im Werk des englischen Dramatikers (1564-1616) bisher kaum untersucht worden, obwohl sie einen zentralen Aspekt seiner Bühnenkunst bilden. Auch andere Dramatiker und Gattungen, etwa der Roman, und nicht-literarische (Gebrauchs-)Texte der Epoche "sollen im Hinblick auf die dialogische Komponente untersucht werden".

Dabei werden die Jenaer Anglisten zunächst Grundlagenforschung zu leisten haben. Der Literaturwissenschaftler Wolfgang G. Müller will sich vor allem den rhetorischen und poetischen Komponenten des Dialogs widmen sowie seiner Präsentation in Lehrbüchern. Der Linguist Axel Hübler wird die Gestik als bedeutenden Bestandteil des Gesprächs erforschen. Sie war damals von solchem Überschwang, daß vor dem Zerrbild des "gestikulierenden Affen" gewarnt wurde.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Wolfgang G. Müller/Prof. Dr. Axel Hübler
Institut für Anglistik/Amerikanistik der Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 4, 07743 Jena
Tel.: 03641/944510, Fax: 03651/944502
e-mail: x7muwo@rz.uni-jena.de


Friedrich-Schiller-Universität
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Axel Burchardt M. A.
Fürstengraben 1
07743 Jena
Tel.: 03641/931041
Fax: 03641/931042
e-mail: hab@sokrates.verwaltung.uni-jena.de
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