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Gewebeentnahme bei Verdacht auf Brustkrebs: Nadel ersetzt Skalpell

11.05.1999 - (idw) Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

SPERRFRIST: 11. Mai 1999, 11.00 Uhr

Die Entnahme einer Gewebeprobe mit Hilfe einer Hohlnadel kann tausenden von Frauen im Rahmen der Brustkrebsdiagnostik einen operativen Eingriff ersparen. Auf dem Deutschen Röntgenkongress in Wiesbaden präsentieren Experten ihre Erfahrungen mit den schonenden minimal-invasiven Methoden der Gewebe-entnahme.

Entdecken Ärzte bei einer Mammographie, einer Ultraschallaufnahme oder einem Magnetresonanz-Tomogramm der weiblichen Brust verdächtige Strukturen, müssen diese genauer diagnostiziert werden. Erst die Untersuchung einer Gewebeprobe (Biopsie) gibt Klarheit, ob es sich um eine gutartige Veränderung oder um einen bös-artigen Tumor handelt.

Derzeit werden solche Gewebeproben zumeist operativ gewonnen. Erforderlich sind eine Vollnarkose und ein mehrtägiger Krankenhaus-aufenthalt. Nicht selten ist der Eingriff viel zu radikal, das Resultat kosmetisch frag-würdig. Schätzungsweise 300.000 Frauen müssen sich pro Jahr in Deutschland dieser Prozedur unterziehen.

Schon seit einigen Jahren gibt es eine Alternative zur Operation: Die sogenannte Stanzbiopsie. Bei diesem Verfahren wird eine Hohlnadel unter Röntgenkontrolle in digitaler Sofortbildtechnik zur verdächtigen Stelle geschoben und eine Gewebeprobe quasi ausgestanzt. Eine örtliche Betäubung genügt.

Inzwischen liegen erste Erfahrungen mit einer Weiterentwicklung der "Nadel-technik" vor, der sogenannten Vakuumbiopsie. Bei diesem Verfahren wird das zu untersuchende Brustdrüsengewebe - ebenfalls unter Röntgenkontrolle - durch eine seitliche Nadelöffnung im Uhrzeigersinn erst angesaugt und dann abgeschnitten.
Das Verfahren ist vor allem bei kleinen Veränderungen (unter einem Zentimeter Durchmesser) und bei Mikroverkalkungen sinnvoll, in einem Bereich, in dem die anderen Techniken eine geringere Treffsicherheit haben.

Der Grund für die größere Genauigkeit: Die Ärzte können mit dieser Technik im Vergleich zur Stanzbiopsie bei einem einzigen Eingriff mehr und vor allem zusammenhängendes Gewebe gewinnen. Die kleinen Veränderungen können sogar vollständig entfernt werden. Stellt sich bei der nachfolgenden Laboruntersuchung heraus, daß in der Probe keine bösartigen Zellen enthalten sind, ist diese Diagnose sehr verläßlich, da das Gewebe vollständig entfernt und untersucht wurde. Das diagnostische Verfahren wird dann gleichzeitig zur Therapie. Werden bösartige Zellen entdeckt, ist eine Nachoperation erforderlich.

Vakuumbiopsie wird von Frauen sehr gut akzeptiert

Das Team um Professor Sylvia Heywang-Köbrunner von der Klinik für Diagnostische Radiologie der Universität Halle hat die Vakuumbiopsie seit 1996 bei mehr als 600 Patientinnen eingesetzt. Bisherige Nachuntersuchungen belegen, daß den Ärzten dabei keine bösartige Veränderung entgangen ist. Bei 94 Prozent der Frauen gab es bei dem Mini-Eingriff keinerlei Komplikationen, bei sieben Prozent traten kleine Blutergüsse auf. Die Hälfte der Frauen gab an, daß sie keinerlei Schmerzen empfunden habe, die andere Hälfte bezeichnete den Eingriff als "gut tolerabel". Insgesamt 95 Prozent der Frauen würden sich dem Eingriff nochmals unterziehen.

Qualitätsmanagement bei der Mammographie ist wichtig

Ob sich eine Frau einer Gewebeentnahme unterziehen muß, hängt entscheidend vom Qualitätsmanagement der vorausgegangenen Mammographie ab. Je besser dieses ist, also je besser die Ärzte aufgrund des Röntgenbildes eine Veränderung beurteilen können, desto weniger Frauen müssen sich einer Gewebeentnahme unterziehen. Daß in den USA bei zehn Frauen eine Gewebeentnahme erforderlich ist, damit ein einziger bösartiger Tumor gefunden wird, hält Sylvia Heywang-Köbrunner für nicht akzeptabel: "Dies kann kein Maßstab für Deutschland sein."

Für die Expertin ist ein Verhältnis von einem "Treffer", also einem entdecktem Brustkrebs, auf fünf Biopsien erstrebenswert und machbar. Bei 40.000 Brustkrebs-Neuerkrankungen in Deutschland wären das jährlich 200.000 Biopsien. Die Radiologin zeigt sich zuversichtlich, daß die bisherige Zahl der Biopsien (300.000) durch die Einführung eines Qualitätsmanagements bei der Mammographie deutlich gesenkt werden kann: "Die Erfahrung aus anderen Ländern zeigt, daß die Zweitbefundung des Mammogramms durch einen ärztlichen Fachkollegen die Zahl der unnötigen Biopsien halbiert." Dabei, betont Heywang-Köbrunner, "sollte der überwiegende Anteil der Biopsien mit den neuen Nadeltechniken durchgeführt werden, die schonend, treffsicher und kosteneffektiv sind".

Rückfragen an:
Prof. Dr. med. Sylvia Heywang-Köbrunner
Universität Halle, Medizinische Fakultät, Klinik für Diagnostische Radiologie
Magdeburger Straße 16, 06097 Halle, Tel. 0345-557-1799, Fax: 0345-557-1804

E-mail: sylvia.heywang@medizin.uni-hal-l.de
und
Privat Dozentin Dr. med. Ingrid Schreer
Universitätsklinikum Kiel, Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe,
Mamma-Zentrum, Michaelisstraße 16, 24105 Kiel
Tel. 0431-597-2166, Fax: 0431-597-2185, e-mail: SCHREER@email.uni-kiel.de

Pressestelle:
Barbara Ritzert; ProScientia GmbH,
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Tel.: 08157-93 97-0; Fax: 08157-93 97-97
e-mail: 100676.2433@compuserve.com

Während des Kongresses:
Rhein-Main-Hallen, Wiesbaden, Büro Nr. 3, I. OG, Rheinstraße 26, 65185 Wiesbaden;
Tel: 0611-144-203; Fax: 0611-144-405
Ansprechpartner: Sabine Steimle
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