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Wissenschaftlicher Pressedienst Chemie 28/99

10.05.1999 - (idw) Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Tagung in Regensburg/Hintergrundbericht:
Chemiker besorgt über globale Wasserknappheit

Zunehmende Wasserknappheit weltweit wird die Chemiker schon bald vor neue Herausforderungen stellen. Dies wurde jetzt bei der Jahrestagung der Fachgruppe Wasserchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) deutlich, die vom 10. bis 12. Mai in Regensburg stattfand. Nach Ansicht des Vorsitzenden der Fachgruppe, Professor Dr. Fritz H. Frimmel, Karlsruhe, müssen der Schutz der nationalen und internationalen Gewässer sowie die Bereitstellung von Trink- und Brauchwasser daher künftig verstärkt im Zentrum des politischen Interesses stehen.

Der Versorgungsnotstand trifft insbesondere die Armutszonen der Welt. Doch auch die hochentwickelten Industrieländer stellt die ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit qualitativ gutem Trinkwasser vor Probleme. Mit technisch aufwendiger Trinkwasseraufbereitung wird der weiterschreitenden Verschmutzung der Gewässer begegnet.

Auf den ersten Blick scheinen die Wassermengen der Erde riesig. Dennoch ist die für den Menschen nutzbare Menge stark begrenzt und steht zudem nicht allen Menschen ausreichend zur Verfügung. Von den ca. 1.400 Millionen Kubikkilometer Wasser, die global zur Verfügung stehen, sind 97 Prozent Salzwasser in den Meeren. Von den verbleibenden drei Prozent sind 70 Prozent in den Polkappen eingefroren. Die restlichen 30 Prozent sind zu großen Teilen als Bodenfeuchte oder in Form von Tiefenwasser ebenfalls für den Menschen unzugänglich.

Für Bewegung in dem gigantischen Wasserkreislauf der Erde sorgen die immer wiederkehrenden Abläufe Verdunstung, Wolkenbildung, Regen, Versickerung und Rückfluß ins Meer. Doch auch dieser stete Wandel kann die Gesamtmenge von geschätzt 12.500 Kubikkilometer Wasser, die der Menschheit jährlich zum direkten Gebrauch zur Verfügung stehen, nicht wesentlich beeinflussen. Von dieser Wassermenge nutzt der Mensch bereits nahezu die Hälfte.

Die Nutzung von Wasservorkommen durch den Menschen hat in diesem Jahrhundert zudem dramatisch zugenommen. Zwischen 1900 und 1995 hat sich die globale Wasserentnahme mehr als versechsfacht und ist damit mehr als doppelt so schnell gewachsen wie die Weltbevölkerung. Dieses schnelle Wachstum ist in erster Linie auf die Zunahme von Bewässerungslandwirtschaft und dann auf industrielle und private Nutzung zurückzuführen. Problematisch ist dabei die zunehmende Beanspruchung von Grundwasserreserven, die sich nur langsam erneuern und gleichzeitig die wichtigste Trinkwasserquelle darstellen.

Empirische Beobachtungen zeigen, daß Wasserknappheit in einem Land etwa dann beginnt, wenn über zehn Prozent des sich jährlich erneuernden Wasserangebots von den Menschen wieder entnommen werden. Mittelhohe Wasserknappheit liegt vor, wenn dieses Verhältnis zwischen 20 und 40 Prozent liegt und bei mehr als 40 Prozent spricht man von hoher Wasserknappheit. Etwa 460 Millionen Menschen - das sind mehr als acht Prozent der Weltbevölkerung - leben in Ländern mit hoher, weitere 25 Prozent der Weltbevölkerung in Ländern mit mittelhoher Wasserknappheit.

Den Luxus des Trinkwassers aus der Leitung können zum Beispiel in Lateinamerika nur 80 Prozent und in Afrika sogar nur 34 Prozent der Gesamtbevölkerung genießen. Mehr als 1,1 Milliarden Menschen stehen täglich weniger als 20 Liter Wasser zur Verfügung, was laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) dem Mindestbedarf entspricht. Zwei Milliarden Menschen weltweit müssen verunreinigtes Wasser trinken. Jährlich sterben etwa vier Millionen Kinder und eine Million Erwachsene an Krankheiten, die durch verschmutztes Wasser verursacht wurden.

Deutschland gehört im weltweiten Vergleich mit seinen Wasservorräten zu den begünstigten Regionen dieser Erde. Hier ist es selbstverständlich, jederzeit auf sauberes Trinkwasser zugreifen zu können. Die Wasserqualität hat sich hierzulande in den letzten Jahren wesentlich verbessert. Aber auch in Deutschland sind die Trinkwasservorräte durch Einflüsse von Industrie und Landwirtschaft gefährdet. Etwa drei Viertel unseres Trinkwassers stammen hier, mit regionalen Schwankungen, aus dem Grundwasser. Dabei ist die Wasseranalytik ein wichtiges Hilfsmittel, um Mißstände, etwa Belastungen durch Dünger, Pflanzenschutzmittel und andere Schadstoffe, schnell offenlegen zu können.

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