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HNO-Infektionen im Kindesalter: Wann sind Antibiotika erforderlich?

14.05.1999 - (idw) Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

SPERRFRIST: 14. Mai 1999, 11.00 Uhr

(Aachen) Im Kindesalter heilen Mittelohrentzündungen zumeist ohne Probleme. Doch in ausgeprägten Fällen sind Antibiotika erforderlich, um Komplikationen zu vermeiden. Bei der Hals-Angina deuten aktuelle Studien darauf hin, daß die bisher übliche 10-tägige Penicillin-Behandlung durch eine 5-tägige Behandlung mit anderen Antibiotika ersetzt werden kann. Dies berichten Experten bei der 70. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie in Aachen aufmerksam.

"Bis zum zehnten Lebensjahr erkrankt ein Kind jährlich im Schnitt an drei bis acht unkomplizierten Atemwegsinfektionen", rechnet Dr. Horst Luckhaupt von der HNO-Klinik der Ruhr-Universität Bochum vor. Darum ist die Sorge mancher Eltern unbegründet, ihr häufig erkältetes Kind habe vielleicht einen Immundefekt.

Bei leichten Atemwegsinfektionen handelt es sich meistens um virale Infektionen, bei denen Antibiotika nicht wirksam sind. Der Nutzen einer vorbeugenden Immunglobulin-Behandlung sei, so Luckhaupt, bei wiederkehrenden unkompli-zierten Erkrankungen nicht bewiesen.

Doch auch bei bakteriellen Infektionen, etwa mit Streptokokken oder Haemophilus influenza, setzen HNO-Ärzte Antibiotika nur dann ein, wenn dies unbedingt nötig ist: "Die wachsende Resistenz vieler Bakterien gegen Antibiotika macht dies erforderlich", erklärt der HNO-Arzt.

Eine der häufigsten Infektionskrankheiten im Kindesalter ist die Mittelohr-entzündung. In etwa 60 Prozent der Fälle heilt die Krankheit ohne Antibiotika aus. Es genügen abschwellende Nasentropfen und Medikamente, die Fieber und Schmerzen lindern, etwa Paracetamol. Allerdings berichten HNO-Ärzte immer wieder über schwerwiegende Komplikationen, wenn akute Fälle nicht richtig behandelt werden. "Bei ausgeprägter Symptomatik und dem klinischen Vollbild der Erkrankung empfehlen wir daher eine Antibiotika-Behandlung für etwa sieben Tage", so Luckhaupt. Seine Begründung: "Durch die Antibiotika-Therapie sind schwere Komplikationen von drei auf 0,1 Prozent zurückgegangen."

Hals-Angina: Therapie-Empfehlungen auf dem Prüfstand

Eine Hals-Angina, verursacht durch A-Streptokokken, wird bislang für zehn Tage mit Penicillin behandelt. Obwohl es hierzulande keine penicillinresistenten A-Streptokokken gibt, versagt diese Therapie bei einem Drittel der Fälle. Offenkundig halten sich die Eltern in solchen Fällen nicht an die ärztliche Verordnung.

In einer Studie mit mehr als 5000 Kindern verglichen HNO-Ärzte und Pädiater die Wirksamkeit der 10-tägigen Penicillin-Therapie mit jener einer 5-Tages-Therapie mit anderen Antibiotika (Cephalosporin, Makrolid bzw. Amoxicillin). Resultat: Die Kurzzeitbehandlung erwies sich als genau so wirksam wie die längere Therapie. Es gab auch keine Unterschiede bei unerwünschten Arzneimittelwirkungen und der Häufigkeit von Komplikationen wie etwa rheumatischem Fieber. "Nach kompletter Auswertung der Studie", so das vorläufige Fazit von Luckhaupt, "könnte die seit Jahrzehnten gültige Therapie-Empfehlung zugunsten einer 5-Tages-Behandlung geändert werden." Dies wäre, so der Experte weiter, sicherlich ein wesentlicher Fortschritt, um die Compliance zu verbessern.

Rückfragen an:

Dr. med. Horst Luckhaupt
Universitäts HNO-Klinik, St.-Elisabeth-Hospital,
Bleichstr. 15, 44787 Bochum;
Fax: 0234-612281; Fax: 0234-612279

Pressestelle:
Barbara Ritzert; ProScientia GmbH,
Andechser Weg 17, 82343 Pöcking
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