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"Felix Droese: Einschluß - Materialcollagen 1980-1999"

17.05.1999 - (idw) Justus-Liebig-Universität Gießen

Vierte Ausstellung im Rahmen des Projektes 'Kunstgeschichte und zeitgenössische Kunst'

Nach den Ausstellungen Josef Felix Müller: frühe Bilder - neue Skulpturen, Adrian Schiess - Malerei und "... verhalten zu ...". Christine und Irene Hohenbüchler erarbeitet eine vierte Projektgruppe von Studierenden der Kunstgeschichte derzeit eine Ausstellung mit dem 1950 in Singen/Hohentwiel geborenen, in der Nähe von Düsseldorf lebenden Künstler Felix Droese. Die Ausstellung ist in der Zeit vom 11. Juni bis zum 11. Juli 1999 unter dem Titel Felix Droese: Einschluß - Materialcollagen 1980-1999 in der Kunsthalle Gießen zu sehen. Die Vernissage findet am 10. Juni 1999 um 19.00 Uhr (Kongreßhalle, Berliner Platz) statt.

Mit Felix Droese wird im Rahmen der 1996 begonnenen Ausstellungsreihe 'Kunstgeschichte und zeitgenössische Kunst' des kunsthistorischen Seminars der Justus-Liebig-Universität Gießen ein Künstler präsentiert, der seit seiner Teilnahme an der documenta 7 (1982) und der 43. Biennale Venedig (1988) fester Bestandteil des deutschen Kunstgeschehens ist. Die Pro-jektarbeit unter der Leitung von Prof. Dr. Marcel Baumgartner, die der überwiegend theore-tisch ausgerichteten Ausbildung einen praxisbezogenen Aspekt zur Seite stellt, umfaßt neben dem Kennenlernen organisatorischer Probleme bei der Vorbereitung von Ausstellungen auch die direkte Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst und Künstlern. Ergebnisse dieses Dialogs zwischen Studierenden und Künstler sind ein wichtiger Bestandteil der Begleitpubli-kation, die im Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, erscheint.

Felix Droese gehört zu den wenigen deutschen Künstlern seiner Generation, in deren Werk Politik und Geschichte eine zentrale Rolle spielen. Dabei reicht das Spektrum von der Ausein-andersetzung mit der jüngeren deutschen Vergangenheit bis zur aktuellen Stellungnahme im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien. Daneben steht jedoch gleichwertig eine Beschäftigung mit existentiellen Fragen, bei der dem Künstler Rückgriffe auf eine traditionelle religiöse Bildsprache ebenso selbstverständlich sind wie der Rekurs auf theo-logische Diskussionen.

Im Zentrum der Ausstellung werden die dreißigteilige Arbeit Das blaue Wunder oder vom falschen Gebrauch der Wörter,1991, und die druckgraphische Folge Die Wahrheit sprießt aus der Erde hervor (Psalm 85,12), 1988-1999, stehen. Beide sind aus der Bürgerinitiative 'Ge-staltwechsel' hervorgegangen. Diese hatte sich 1988 zum Ziel gesetzt, einen Bunker in Köln-Ehrenfeld, der im Zweiten Weltkrieg in unmittelbarer Nähe einer in der Reichspogromnacht 1938 zerstörten Synagoge gebaut worden war, in eine Gedenkstätte mit Archiv, Dokumenta-tionszentrum, einem Kindergarten sowie Ausstellungs- und Wohnräumen umzuwandeln. 1991 waren dort in einem provisorischen Ausstellungsraum Zeichnungen von Kindern aus Theresi-enstadt präsentiert worden. Die dreißig flachen Kästen, in denen nach dem Abbau der Ausstel-lung die Schilder mit den Namen und den Lebensdaten der Kinder zurückgeblieben waren, wurden von Felix Droese bearbeitet und erstmals 1992 unter dem Titel Das blaue Wunder oder vom falschen Gebrauch der Wörter im Raum Trinitatis, Köln, ausgestellt.

Den Holzschnitt Die Wahrheit sprießt aus der Erde hervor, der den zitierten Vers aus dem 85. Psalm in hebräischen Schriftzeichen zeigt, hatte Felix Droese 1988 für die Finanzierung der Kölner Initiative geschaffen. Seither druckt er ihn auf unterschiedlichste Trägermaterialien; neben gewöhnlichem Papier sind es Ausstellungs- und Werbeplakate, vor allem aber Zeitungs-seiten mit Berichten zur Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. Dabei kommt es nicht nur zu einer komplexen, vielfältige Assoziationen freisetzenden Überla-gerung von Bild und Text, sondern durch die Verwendung des immer gleichen Motivs in un-terschiedlichen Konstellationen wird auch Geschichte sinnlich faßbar.

Die Ausstellung mit Felix Droese ist deshalb auch als ein Beitrag zu dem seit Anfang 1997 an der Justus-Liebig-Universität bestehenden Sonderforschungsbereich 'Erinnerungskulturen' (http://www.uni-giessen.de/~g81013) zu verstehen: als Hinweis auf die spezifische "Erinnerungsweise" des Künstlers und als Plädoyer für seine Kompetenz in bezug auf den Umgang mit der Geschichte.


Kontaktadresse:
Prof. Dr. Marcel Baumgartner
Professuren für Kunstgeschichte
Otto-Behaghel-Str. 10
35394 Gießen
Tel.: 0641/99-28281 oder 0641/99-28280
Fax: 0641-9928289
e-Mail: Marcel.Baumgartner@kunst.geschichte.uni-giessen.de
http://www.uni-giessen.de/~g813/droestar.htm
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